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Full text of "Dichtkunst und Gedichte der Schluh"

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I 



fearöarö öToUcgE lifararg 

THE FUND OF 

Mrh. harriet j. g. denny, 

of boston. 

Gilt Ol $5000 ttoin Ihe childten of Mrs. Denny, 
al hei request, " lor the purchase of books lor ihe 
public library of the College." 



^ 



o 



Dichtkunst 



und 



Gredichte der ©ohlah 



Habilitationsschrift, 

durch welche 

mit Zustimmang der philosophischen Facultät der Universität Leipzig 

zu seiner 

Donnerstag, den 18. Juli Mittags 12 Uhr 

im Hörsaale No. 6 
des Alten Trier'sohen Instituts (Grimmaisoher Steinweg 12) 

zu haltenden Probevorlesung: 

Über das Maltesische 

ergebenst einladet 

Dr. Hans Stumme. 




Leipzig 

J. C. Hinrichs'sche Buchhandlung. 

1895. 



ZTS,€(/.6/.? 



f.- 






Ji; i 



' n 



J 






10 






Vorbemerkung. 



Es ist vielleicht doch nicht Allen bekannt, wer die Schluh 
sind. Die Schluh (dies ist die Pluralform zum Singular Schills; 
man spreche das \^ stets wie ein scharfes h, doch nicht wie ein 
deutsches gutturales oder palatales ch in ,auch* oder «ich*') wohnen 
also im südlichen Marokko, von dem Küstenstreifen zwischen 29^ 
und 31 ''g® nö. Br. im Westen bis zum 8® Westl. L. von Paris im 
Osten, sich aber nach Nord und Süden von West nach Ost immer- 
mehr ein wenig ausdehnend. — Von ihren Liedern und Märchen 
ist wenig gesammelt ; ich bringe durch meine heutige Schrift ganz 
unbekannte poetische Stoffe der Schluß dem Publikum entgegen 
und werde in weniger als 14 Tagen eine Sammlung prosaischer 
Stoffe unter dem Titel »Märchen der Schlu^? von Täzerwalt" ver- 
öffentlichen. 

Hans Stumme. 



I 



Index. 



Seite 

Vorbemerkung III 

Index IV 

ZiirTrauskription Vu. VI 

Dichtkunst der Schluli ,1—27 

Anmerkungen zu dieser Studie 28 — 39 

Gedichtproben (nebst Übersetzung) 40 — 77 

I. Gedichte des Sidi Hämmu 40—65 

II. Gedicht über die Einnahme der Stadt Algier (1830) . 64—75 

ITI. Gedicht eines Jägers 74 — 77 

Erläuterungen r.\\ den Gedichtproben 78 — 86 



Zur Transkription. 



t 

( emphatisches t 

d 

4 emphat. d 

8 

s emphat. s 

^ deutsches seh, franz. ch 

z franz. z 

f emphat. franz. z*) 

i franz. j 

^ emphat. franz. j 

k 

k^ u-haltiges k ♦♦) 

W i-haltiges V**) 

q emphat. k 

q^ u-halt. emphat. k 

g 

g^ u<>haltiges g 



gJ i-haltiges g 

h 

}^ starkes h 

S Kehlpressung (p) 

1} Schweizer ch 

^^ dass. u -haltig 

^ r grassej^ 

^^ dass. u-haltig 

r linguales r 

1 

k gutturales 1 

n 

h nasales n 

m 

b 

f 

w engl, y in we 

j engl, y in you 



*) Für f ist lu meinem Artikel „Elf StOcke im Silha-Dialekt von Tazer- 
walf* ein ? gesetit worden. 

**) d. h. k mit kurzem u-Nacluchiage, bezw. mit karsem i- Nachschlage, 
und dementsprechend in den übrigen F&Uen (man ygl. die u-haltigen Qutturale 
des Äthiopischen und die palatalisierten des Türkischen). 



a 


reines a 




1 


remes 





a 


zwischen a und e 


' & 


zwischen o und a 


e 


reines e 


6 


wie franz. e in je 


9 


zwischen e und i 


ö 


zwischen deutsch, ö und a 


1 


reines i 


m 


a-|-u 


o. 


J 


zwischen i u. deutschem ü 


(Tu 


0-l-u 


•5* 

• o 


y 


stark nach u neigendes ü 


m 


a + i 


u 


reines u 


ei 


e+i 




d 


zwischen u und o 


(51 


o + i 

■ 


9" 



— VI -^ 
a kurzes unbetontes a a kürzestes (reduziertes) unbet. a 



a kurzes betontes a 
ä langes unbetontes a 
ä langes betontes a 



ä kürzestes (reduziertes) bet. a 
äü unbetonter Diphthong äü 
äu betonter Diphthong äü 



und dementsprechend mit den übrigen Vokalen und Diphthongen. 



Silbenbildende Konsonanten sind als solche nur dann bezeichnet, 
wenn sie auch zu gleicher Zeit betont sind; und zwar ist das 
Zeichen hierfür ein dem betr. Konsonanten vorgesetztes ^. So ist 
in Ged. I, V. 57 bei n'^rzkyno das r silbenbildend und betont, und 
bei arda^m'*l in V. 162 dess. Ged. ist es das 1. Wo aber die 
silbenbildenden Konsonanten nicht betont waren, ist mithin eine 
spezielle Bezeichnung unterblieben: es wird aber kaum Jemand 
ein dUmSät in Ged. I, 23 einsilbig oder ein nlmhäni^ar I, 141 zwei- 
silbig lesen wollen. 

Mit - ist enger Anschluss zweier Wörter aneinander, d. h. 
namentlich Enttonung des einen durch Anlehnen an das andere, 
bezeichnet worden. So Ged. I, 88 a-sidi, lies asidi; I, .218 is-lah, 
lies islah; I, 25 düSä-ükan, lies düääükan (fast düSäukan). Dies 
Zeichen ist namentlich bei Komplexen angewandt worden, die an 
der Spitze einen temporalen oder modalen Exponent (ar, ra, a; 
eventuell noch Negation davor, also urar, urra, ura), in der Mitte 
eines oder mehrere Pronomin alconfixa (und eventuell noch adverbielle 
Ausdrücke), und am Schlüsse eine Verbalform haben: alsdann ist der 
Bindestrich vor die Verbalform gesetzt worden, um die Analysierung 
solcher Häufungen wenigstens einigermassen zu erleichtern. Vgl. 
Ged.I, llSurar-d^a^hadag (lies urard&ahhädag) ==ur -f ar-f-d^alhihadag; 
Ged. I, 185 aräük-itlwä'h (1. aräükitlwä'h) = ar -f äük + itlwah. 

Mit w ist der laut verändernde Einfluss zwischen zwei Wörtern 
bezeichnet worden; die häufigsten lautlichen Übergänge sind die 
folgenden : d-t zu twt , t-d zu twt oder auch zu d^d , d-t zu twt, 
g vor harten Konsonanten zu h , n vor Gutturalen zu n , n vor 
Labialen zu m. Auch Elisionen von Vokalen sind mit ^ angedeutet 
worden, sowie Krasen, z. B. Ged. 1, 18 abläwSif für äblä äsif oder 
I, 16 äwmdüd für ä amdüd. Beachte schliesslich ^ auch in Fällen 
wie I, 1 u. Ö. inndwigellin (das oft beinahezu innö-igellin heisst); 
hier ist das ä aus reinerem ä nur durch die Einwirkung des ihm 
folgenden i entstanden. 

Es ist noch ganz ausdrücklich hier darauf aufmerksam zu 
macben , dass die Accente dieser Gedichtsstücke keine metrischen 
sind und dass sie auch nicht die regelrechte Betonung der Prosa 
ausdrücken. Das Schilha ist nämlich eine accentlose Sprache (wie 
z. B. d. Französische; vgl. speziell ZDMG 48, S. 382 und hier 
S. 39 Anm. be. 



Dichtkunst der Schluh. 

YY enn man sieht, dass Völkerschaften ihre Sprache aufzugeben 
beginnen, so ist es angebracht, ja es wird zur Pflicht, letztere 
grammatikalisch und lexikalisch zu fixieren und von den ge- 
schriebenen und ungeschriebenen Überlieferungen in Prosa und 
Poesie dasjenige bewahren zu helfen, was zu bewahren ist. Der 
Naturforscher sammelt Pflanzen und Tiere früherer Erdperioden, 
und je vollständiger diese Sammlungen werden, desto klarer wird 
das Verständnis der Entwickelung der Flora und Fauna unsrer 
Erde. Ähnlich ist es mit den Sprachen und Überlieferungen der 
Völker. Die Kenntnis von Idiomen, auch wenn sie von rohen oder 
halbgesitteten Völkern geredet werden, hilfk uns den Entwickelungs- 
gang der Kultur sprachen schärfer zu beurteilen; und andrerseits: 
die Kenntnis der Märchen und sonstigen Überlieferungen der 
barbarischesten Völker ist für die vergleichende Literaturgeschichte 
von Wichtigkeit. 

Es soll hier nicht gesagt werden, dass die berberisch redende 
Bevölkerung Nordafrikas ihre Muttersprache in kürzester Zeit — 
etwa in wenigen Jahrzehnten — aufgegeben haben werde, wohl 
aber kann behauptet werden, dass dies, wie es schon zu einem 
grossen Teile stattgefunden hat, auch jetzt langsamen aber sicheren 
Schrittes weitergeht.^) An die Stelle des Berberischen tritt natür- 
lich überall das Arabische. Mit dem Aussterben der berberischen 
Sprachen schwindet aber eine Gruppe von Idiomen, die einerseits 
zahlreiche ihnen alleinig eigentümliche, oder nur in ganz fern- 
stehenden Sprachen wiederkehrende, interessante Erscheinungen^) 
besitzen, die andrerseits aber namentlich auch dadurch lehrreich 
sind, dass sie in Grammatik^) und Wortvorrat ^) eine bedeutende 
Verwandtschaft mit den semitischen Sprachen aufweisen, nur dass 
sie oft ein noch viel altertümlicheres Gepräge haben als jene.*) 

Wie aber die Sprachen der Berber schon an sich interessant 

Stnmma, Gedichte d. Schluh. [ 



— 2 — 

genug sind, so sind die prosaischen und poetischen ÜberlieferuDgen 
jener Völker entschieden der Beachtung wert. Ihre Märchen 
weisen zahlreiche Berübrangdptmkte mit denen andrer Völker des 
Orients und Occidents auf; die Lieder der Berber vor Allem aber 
sind in verschiedener Hinsicht als sehr merkwürdig zu bezeichncD. 
Zwar ist die berberische Poesie durchaus nicht unbeeinflusst : be- 
sonders in den längeren kunstmässigen Gedichten finden wir in 
Redeweise und Stoff zahlreiche arabische Vorbilder. Doch ent- 
schieden charakteristisch für die berberische Poesie ist die gerade- 
zu mystische Art, die Gedanken auszudrücken, sowie femer — die 
Stoffe betreffend — die Vorliebe fiir Themen aus der Eschatologie. ') 

Vielleicht ist es aber zu kühn, heutzutage schon allgemeine 
Urteile über die berberische Poesie abgeben zu wollen. Denn ob- 
wohl die französischen Berberologen auch hier bedeutenden Fleiss 
gezeigt haben, so ist doch noch unendlich viel ungesammelt, und 
was gesammelt ist, betrifft in grösserem Masse eigentlich nur die 
Poesie der Kabylen Algeriens und die der marokkanischen Schluh.») 

Der Poesie der letztgenannten berberischen Völkerschaft wendet 
sich nun auch heute der Verfasser dieser Studie zu, der prosaische 
Texte im Taschil^äit von Tazerwalt bereits einmal veröffentlicht 
hat.^) — Die Akrobatentruppe des Hai *Abdülla Ben MJ^ammed 
aus Tazerwalt, mit der ich schon wiederholt zum Zwecke von 
sprachlichen und ethnologischen Studien zusammengekommen war^), 
fand sich Oktober vorigen Jahres (1894) wieder in Leipzig ein. 
Diesmal war es der zwanzigjährige Muläi^) *Ali ben M^ammed 
aus Tazerwalt, mit dem ich hauptsächlich meine Studien trieb, da 
ich bei ihm eine reiche Kenntnis von Liedern entdeckt hatte. 
Denn mit dem Sammeln von Märchen glaubte ich nachgerade ein- 
halten zu müssen, da sich die Zahl der von mir aufgezeichneten 
auf mehr als fünfzig belief. Ich habe aber nicht nur Gedichte dem 
Diktate dieses jungen Menschen nachgeschrieben, sondern auch Ge- 
legenheit genommen, mich über die verschiedenen Arten der Poesie 
bei den Scbluh zu informieren. Was ich hierüber erfahren habe, 
sei jetzt zunächst mitgeteilt. 



Die Lieder der Schluh zerfallen in vier Kategorieeu; diese 
sind die folgenden: 

1. Ikyst 

2. tandamt 



- 3 - 

3. tamawü^t 

4. Ign4. 

1. Lkjst bezeichnet, wie der Name sagt (es ist das arabische 

jkAoüIt), „Geschichten.* Der Gegenstand solcher poetischer Ge- 

schichten ist sehr oft aus muslimischen Legenden^), besonders oft 
aus der Eschatologie °^) entnommen, oder er ist ein historisches 
Ereignis '^), ein Märchen^) oder endlich auch ein Begebnis aus dem 
Leben, etwa eine Jägergeschichte. ^) Lksät (so lautet der Plural 
von Ikyst), deren Gegenstand religiös ist, nennt man meist Ih&dit 
(s^>uv>Jl) ; diese gelten als die edelsten : sie werden auch mit dem 

vornehmsten Musikinstrumente, der Violine (rribäb)^), begleitet, 

während zur Begleitxmg der Iksät mit profanerem Sujet eine Art 

Guitarre, das Ig^nbri'), dient. Die Sänger und oft genug auch 

die Dichter der Iksät sind die Obermänner (rriüs, sing, rräis) jener 

Sänger und Tänzer (ihijRden, sing. ahij8i4)')7 ^^^ ^^ grösseren oder 

kleineren Truppen (arreblSät, sing. arreblsSt) das Kaiserreich Marokko, 

besonders aber die Provinz SAs desselben durchziehen. Oft sind 

jene Truppen 60—80 Mann stark. Sehr häufig gesellen sich ihnen 

Individuen bei, die der Korporation der Kunst^chützen (mna, sing. 

rr&mi) zugehÖren, einer sehr alten Korporation, die von Stdi 'Alt 

ben NSffr gegründet wurde, — während der Patron der ihijä'ijon 

der bekannte Sldi H4md u-Musa ist (weswegen die ihij8^4®i^ s^^ch 

ulftd sidi Qamd u-Müsa genannt werden). Wenn jene kombinierten 

Truppen in ihrer eigentlichen Heimat, der, Schilha redenden, 

Provinz Süs ihre Vorstellungen geben, so bilden das Hauptelement 

derselben die Tanz- und Gesangleistungen; die akrobatischen und 

schiessküustlerischen Produktionen treten nicht allzusehr in den 

Vordergrund. Dies ändert sich aber, wenn die Gesellschaften in 

die Teile Marokkos kommen, in denen Arabisch gesprochen wird, 

oder wenn sie auf der Pilgerschaft, die zu vollführen das Ideal 

jener sehr religiösen Menschen ist, entlegenere Gegenden, also etwa 

Algerien, Tunisien und andre muslimische Länder berühren, oder 

wenn sie schliesslich christliche Länder aufsuchen. In letzteren 

Gegenden , in welchen natürlicherweise kein Schilha gesprochen 

wird, hätten die mit Gesang verbundenen Tanzvorstellungen keine 

Berechtigung mehr, da der Inhalt der Lieder doch eben nicht ver> 

standen werden würde; deshalb treten nun die Leistungen der 

anderen Art, also die akrobatischen und schiesskünstlerischen , in 

1» 



— 4 — 

den Vordergrund.*) So sind denn jene Europa und in neuerer 
Zeit auch Nordamerika durchziehenden ^troupes arabes'^ ihrem 
Wesen nach eigentlich Sängertiiippen , die nur aus den eben dar- 
gelegten Gründen auf die Vorführung der Leistungen, die sie selbst 
für die edleren ihres Bepertoirs halten, verzichten. 

Die dichtenden müs ihijifden versuchen sich oft genug in den 
verschiedenen (oben S. 3 Z. 4 — 8 angeführten) Genres der lksä.t; 
sehr oft aber wählt sich der rräis ein begrenztes Gebiet dieser 
Poesie aus. So verfertigt der eine meist nur Iksät über Stoffe aus 
dem ^adlt (dann heisst er speziell noch bäb nlhädit), der andre 
wählt am liebsten historische Stoffe, der Dritte mit Vorliebe Jagd- 
abenteuer zum Gegenstande seiner Dichtung: gerade wie auch bei 
uns der Eine mehr zum religiösen , der Andre mehr zum kriege- 
rischen, der Dritte mehr zum idyllischen Epos hinneigt. 

Es kommt aber natürlich auch vor, dass die Sänger und 
Dichter der Iksät ohne Truppe durchs Land reisen, und dass 
man einen religiösen Troubadour mit seiner Violine, — oder einen 
Sänger weltlicherer Lieder der Art Ikyst mit seiner Guitarre, — 
ohne Begleiter seine Vorträge geben hört. Die solo wandernden 
und solo singenden Sänger der zweiten Art sind oft genug recht 
arme Schelme, die in ihrer zerlumpten Kleidung Mitleid einflössen. 
Man nennt sie ganz speziell noch idbäb nlg|nbri (sing, bäb nlg^nbn), 
also ^Guitarrenspieler." Sie verschmähen auch nicht, neben den 
immerhin noch für sehr vornehm geltenden profaneren Iksät auch 
Sachen zum Besten zu geben, die nicht mehr als eigentliche Iksät 
bezeichnet werden können. So singt z. B. ein bäb nlg^nbri: 

abismilläwörrahman, jiljwtnnig iztin, 

amkäd dziint, a-mäüläna, gl^lnnt Iferdäut, 

amkäd dziint, a-dRlb, illän giml nlmdärst, 

amkäd dziint, a-mars, iziin u^dignkJ, 

amkäd dziint, a-jän f-ärd^n Iwäliden! 

ahlnu, a-immi tahninit, gig-glli denn, 

imikJ nwäh^mi, imik^ ilüln, iääzzu derm; 

imil giläd uräuksul-n swy tamuzunt, 

ula lf*ls wanas, haSakim, a-lamuzunt! 
Übersetzung : 

„Im Namen Gottes, des Allbarmherzigen! Wenn ich das 
sage, so ist das schön, 

„wie du schön bist, o Herr, im Paradiese, — 



— 5 — 

,wie du schön bist, o Gelehrter, vor der Moschee stehend, — 
»wie du schön bist, März, mit deinen schönen Blumen, — 
„wie du schön bist, du, an dem die Eltern Gefallen haben! 
„Ach, liebe Mutter, ich war bei dir 
„ein gutes kleines Kindchen, — da war ich eben erst ge- 
boren, und war dir teuer. 
„Aber jetzt bin ich keinen Pfennig mehr wert, — 
„nicht einmal einen Heller! Was sage ich: einen Pfennig!* 
Dies Lied ähnelt dem Inhalte nach schon weit mehr der 
gleichzubesprechenden Dichtungsart tandämt. Merkwürdig ist die 
melancholische Selbstanklage, dass der Dichter sein Leben als ein 
verfehltes betrachtet. Diese Art Pessimismus findet sich in der 
Poesie der Art ]kyst und in der tandamt-Poesie gleich häufig. 
Von der Sehnsucht nach der Heimat, aus der ihn irgend ein 
Kummer oder eine Leidenschaft vertrieb (vgl. II, 36 — 41 und — 
im tandamt — Gedicht T von Nr. I), redet der Dichter sehr oft; 
lieber, als durch die weite Welt ziehen zu müssen, sässe er daheim 
im Familienkreise (vgl. speziell im tandamt, Nr. I : Z, D', wohl auch 
Y. 8 u. 9 von B). Doch Alles ist schliesslich göttliche Bestim- 
mung, meint der Dichter; denn „weil er Gott gehorsam ist, des- 
wegen ergeht's ihm so* (s. V. 8 von III; dieser in den ver- 
schiedenen Iksät oft wiederkehrende Vers wird stets auf diese 
Weise erklärt). 

Merkwürdig sind femer bei den Iksät die sehr langen Ein- 
leitungen, in denen der Dichter um den Segen Gottes fleht; dabei 
kommt er über aus dem Hundertsten ins Tausendste und macht 
diese Einleitungen nicht selten länger ids den Teil des Gedichtes, 
in dem er das eigentliche Sujet besingt 

2. Tandämt ist eine Art Spruchdichtung. Lebensweisheiten, 
Aussprüche über Länder und Völker und ähnliche Themen sind 
die Hauptgegenstände des tandämt; allerdings sind auch nicht 
selten andersartige Stoffe anzutreffen, etwa kurze Schilderungen 
von Liebesabenteuern, Schmähung des treulosen Freundes und 
Ähnliches. 

Aber kurz müssen jene Stoffe behandelt sein und dürfen sich 
nie zu der epischen Breite der l^sät ausdehnen. Zur Etymologie 
des Wortes tandämt sei erwähnt, dass es dem klass. arab. nadama 
entspricht. Die Bedeutung „Reue* und nd^m „bereuen* ist nun im 
marokkanischen Arabisch zur Bedeutung des „tief in Gedanken Ver- 



— ß - 

sunkenseins'^ modifiziert worden. So bedeutet denn tandamt etwa 
^poetische Gedanken.'^ 

Den Dichter des tandamt (der natürlich auch dessen Sänger 
ist) nennt man andäm (pl. indämen). Solch ein andäm durchzieht 
das Gebiet der marokkanischen Schluh in einem weissen Anzüge, 
stets einen weissen Turban auf dem Kopfe tragend. Auch er ist 
also ein wandernder Sänger. Doch es kommt häufig vor, dass er 
sich (besonders in späteren Jahren) an einem Orte festsetzt und 
dort bleibt, vorausgesetzt, dass man seinem Talente daselbst ein 
wenig schmeichelt und ihm Etwas zu verdienen giebt. Ein andäm 
wird nämlich stets zur Hochzeit herangezogen, damit er durch 
seinen Sang das Fest noch verschönere. Meist werden übrigens 
zwei indämen zum Gesänge bei einer solchen Festlichkeit auf- 
gefordert : diese bringen ihre Tamburins (tillüna, sing, tällunt) mit, 
sonst aber keine Musikinstrumente, und beginnen am Abend, etwa 
gegen 10 ühr, ihre Lieder zu rezitieren. Dabei singen die beiden 
Sänger abwechselnd, und dieser Wechselgesang zieht sich oft bis 
gegen Morgengrauen hin. Übrigens singen sie meist nicht im Hoch- 
zeitshause, sondern auf einem in der Nähe des Hauses liegenden 
grösseren Platze. Da wird ein Feuer angezündet ; neben den lodern- 
den Flammen lassen sich die indämen nieder und geben ihre Vor- 
träge zum Besten, während sich um sie herum ein Ki*eis von Zu- 
hörern bildet. Als Belohnung erhalten die indämen meist einen 
Hammel, bisweilen ein Rind oder sogar ein Pferd; manchmal er- 
halten sie auch Geld. 

Die Benennung andäm, die zwar noch überall gebraucht und 
verstanden wird, beginnt indessen heutzutage schon ein wenig alter- 
tümlich zu klingen; fast lieber bedient man sich des Ausdrucks 
sijä^? numergj (wörtl. »ein mit Gesang Reisender*; der Ausdruck 
findet sich z. B. Nr. I, 107); wenigstens entschieden dann, wenn der 
betreffende tandämt-Sänger sich noch nicht eines allgemeinen Rufes 
erfreut, und wenn man nicht weiss, ob er auch wirklich improvi- 
sieren (und nicht bloss Gelerntes nachsingen) kann. Bei „andäm* 
hat man eben immer die Vorstellung, dass der Sänger auch zu- 
gleich ein wirklicher Dichter sei, ein Geistesverwandter des Sidi 
Hämmu, des berühmtesten andäm. Da nun heutzutage die Gabe 
zu dichten immer seltener wird — wie mir ganz ausdrücklich ver- 
sichert wurde — , und die tandamt vortragenden Sänger nur noch 
vereinzelt ihre eigenen Poesieen hören lassen, so kommt es auch, 



— 7 — 

dass die Benennung andam mehr und mehr einen altertümlichen 
Beigeschmack erhält. 

Wenn die folgende kuriose Überlieferung, die uns sagt, auf 
welche Art und Weise man ein ächter andam werden kann, keine 
Fabel wäre, so sähen wir nicht ein, warum sich die Zahl der gott- 
begnadeten indämen verringern sollte. »Wer ein andftm werden 
will*^, so wurde mir berichtet, „der begiebt sich nach einer gewissen 
Höhle im Wäd Süs, die ifri-nqäu heisst^), und schlachtet daselbst 
einen schwarzen Ochsen, an dem kein weisses Mal sein darf. Das 
Fleisch legt er neben sich hin und schläft drei Nächte vor der 
Höhle. In der vierten Nacht kommt die Mutter der Geister jener 
Höhle aus dem Innern des Berges heraus und fordert ihn auf, mit 
in die Höhle hineinzugehen. Drinnen erscheinen ihm noch andre 
Geister und bringen ihm Schüsseln mit Kuskus und fordern ihn 
auf, recht tüchtig zuzulangen. Wenn sich der Mann fürchtet und 
nicht zugreift, so töten ihn die Geister; wenn er aber zulangt, so 
lassen sie ihn gewähren. Jeroehr er isst, desto besser wird's für 
ihn: denn jedes Körnchen Kuskus, das er genossen hat, wird bei 
ihm zu einem Liede.*^ 

Die indämen sind übrigens nur im seltensten Falle Mekka- 
pilger. ^) Ihr Sinnen und Trachten geht allerdings darauf, die 
Wallfahrt zu vemchten; indess entsagen sie, wenn sie die Wall- 
fahrt vollführt, der tandämt - Poesie und hören also auf ind&men 
zu sein. Denn diese Art Poesie gilt doch nicht als edel genug, 
um eines )^P&, würdig sein zu können; für einen solchen ziemen 
sich nur l^sät, und eigentlich auch nur Iksät mit Stoffen aus 
dem b&dtt. 

3. TamawüSt ist eine Art Spott- oder Schimpfgesang zwischen 
Mann und Frau, bezw. Jüngling und Mädchen. Es ist nicht gerade 
ein Beruf, tamawii^t - Sänger oder »Sängerin zu sein,^) wohl aber 
giebt es Personen, die es hierin zu einer grossen Fertigkeit bringen. 
Auch das tamawü^t wird meist bei Nacht gesungen (vgl. das tan- 
damt); man macht ein Feuer draussen auf einem freien Platze, 
und irgend ein junger Mensch fordert ein Mädchen zu diesem 
Spottgesange heraus. Neben sich hin stellen sie je ein Schüssel- 
chen; in dasselbe werfen die Zuhörer, die sich um die Beiden 
scharen, kleine Geldmünzen, wenn der Sänger oder die Sängerin 
gerade eine recht treffende Erwiderung gemacht hat Als Probe 
eines tamawü&t mögen folgende Verse dienen: 



— 8 — 

tnnäs Dt&t (Sie spricht zu ihm): 

1^ itdt igig, m^&rriSSa igenwän, 

trärt Ulli, ajämkssa nti^&Yl 

(Wenn es donnert, und wenn der Himmel bös ist, 

dann bring die Schafe heim, du wachsamer Hirtel)^) 
innäs ntä (Er spricht zu ihr): 

1^ itüt igig, m\iärri§^n igenwän, 

nrärd Ulli. 

(Wenn es donnert, und wenn der Himmel bös ist, 

dann bring' ich die Schafe heim.) 
tnnäs ntdt (Sie spricht zu ihm): 

ämär islid islin igil ntimSl^ädin, 

ukS^n iS^äkis, bäbäk^, ajämkssa nwülli! 

(Könnte ich doch nui* einen Arm voll Ruten holen 

und dich damit prügeln, verwünschter Schafhirt!)^) 
innäs ntd (Er spricht zu ihr): 

isä^?^?a Ihör, jarbby, lli-kimigän, 

ajambür, ated^ä't;^ itüwizi! 

(Schönen Dank, lieber Gott, dass du geschaffen hast 

die alte Jungfer hier, die für die Tagelöhner Mehl mahlt 1). 
Wir möchten fast glauben, dass diese Verse weiter Nichts 
seien als Spöttereien zwischen einem Hirtenjungen und einem 
Mädchen, die sich Beide draussen auf freiem Felde necken. Es 
wurde mir aber ganz ausdrücklich versichert, dass solche Gesänge 
(die übrigens eben keine Hirtenspottlieder seien) stets einen viel 
geheimnisvolleren Sinn in sich trügen; was nun der eigentliche 
Sinn der hier mitgeteilten Verse sein soll, konnte mein Gewährs- 
mann freilich nicht angeben. In den Worten des Hirten „lg itüt 
igig, mhärrisSn igenwän, nrärd ülli*^ soll eine ObscÖnität stecken; 
dann ist es ja natürlich, dass das Mädchen wünscht, sie könne den 
Hirten gehörig durchprügeln. 

Es soll übrigens auch gar nicht selten vorkommen, dass ein 
Mädchen (vorausgesetzt, dass sie eine gute tamawüSt- Sängerin ist) 
erklärt, sie wolle ihren Freier, der ihr nicht allzu willkommen ist, 
dann annehmen, wenn er sie im tamawüst besiege. Nun findet 
also ein förmlicher Sangeskampf um die Ehe statt. Sieht das 
Mädchen ein , dass ihr Freier sie an Witz und Gewandtheit im 
Spottgesange übertrifft , so erklärt sie sich für besiegt und willigt 
ein, die Seinige zu werden.^) Besiegt sie ihn aber, so muss er 



— 9 — 

mit Schimpf und Schande abziehen; dann verl&sst er oft seine 
Heimat und l&sst sich nie wieder an der Stelle seiner Niederlage 
blicken. 

4. Unter Igna versteht man die Liederchen, die die Frauen 
bei ihrer häuslichen Beschäftigung oder draussen bei der Arbeit 
im Freien zu trällern pflegen. Für solche Lieder hegten die mir 
bekannten Schluß die grösste Geringschätzung und waren übrigens 
auch gar nicht im Stande mir eine Probe des l^a zu geben. Diese 
Lieder — und vielleicht wären sie gerade die volkstümlichsten 
und naivesten — werden also bei dieser Berbergruppe von einem 
gleich ungesunden Yolksurteile als bedeutungslos und unwürdig 
verketzert, wie die ächtesten Yulgärpoesieen bei den Arabern von 
heutzutage. 

Statt von allgemeinen Gesichtspunkten aus die Arten der 

Poesie bei den Schlu^? weiter zu betrachten, ziehen wir es vor, 

zunächst die im Folgenden mitgeteilten drei Proben solcher Poesieen 

(von ihnen gehört also I der Art tanddmt, II und III dagegen der 

Art Ikyst an) hinsichtlich ihres Inhaltes, Stiles u. s. w. näher zu 

prüfen. 

I. 

Die Gedichte dieser tanddmt-Sammlung — es sind im Ganzen 
39 Stück, die mit lateinischen Versalien bezeichnet wurden — 
werden sämtlich dem Sldi Hämmu'^) zugeschrieben, dem be- 
rühmtesten andara der Schluß. Sldi ^amrau, der nach der An- 
sicht der Schluß ein Neger — oder wenigstens sehr dunkelfarbig 
— gewesen sein soll, soll in der Zeit des bekannten arabisch 
dichtenden Spruchdichters Sldi *Abd errabmän el-MeSdüb •**) gelebt 
haben. Genauer befragt, meinten einige der Schluß, dass el-Me!^düb, 
als Sldi ^ammu schon ein ganz alter Mann gewesen sei, noch im 
Kindesalter gestanden habe; andre wiederum waren der Meinung, 
dass Beide ziemlich gleichalterig gewesen seien; Beide hätten sogar 
zusammen Wettkämpfe in Dichtung und Gesang aufgeführt, und 
bei diesen habe el-Me!^düb arabisch gesungen und gedichtet, Sldi 
Hammu habe dies dagegen auf Taschil^^Slt gethan. Ein Jeder der 
Beiden habe die Sprache des Anderen verstanden. — £l-MeHüb, 
der Geistesverwandte algierischer Spruchdichter wie A^^med ben 
Jusuf, Ja*Vüb eS-§rIf, 'AI! BüNJlb, *Abd eirabmän bu l|amedu.s.w.,*0 
muss um 800 d. Fl. gelebt haben; denn er war der Lehrer des 



i 



— 10 — 

Aljmed ez-Zarrük, der von 846 — 899 d. Fl. lebte und in Bougie 
später selbst in Beligion und in anderen Fächern unterrichtete.'^) 
Stand nun Sldi Hammu mit el-Me!^dlib in gleichem Alter, so ist 
auch er etwa um 800 d. Fl., oder etwa 1400 n. Chr., anzusetzen. 
Dann sind diese Lieder unter I also etwa 500 Jahr alt.^) 

Die meisten der 39 Stücke dieser Sammlung beginnen mit 
dem Verse irhämy, a-sldi l^ämmu, is innä^tgellin (,Gott sei dir 
gnädig, Sldi Hammu ! — Er, der Arme, sagte . . . .*), einem Verse, 
der also nach dem Tode des Sldi Qämmu hinzugedichtet worden 
sein dürfte. Einige Stücke beginnen allerdings ohne diesen Er- 
öffnungsvers (so die Stücke B, C, D, E, Y, L', M' und 0') ; nichts- 
destoweniger wurden auch diese als von Stdi Hammu gedichtet 
bezeichnet, was auch sehr wahrscheinlich ist, denn hinsichtlich des 
Stiles sind diese Stücke den andern vollkommen ähnlich. Es liegt 
wohl in der Willkür des Bezitierenden, jenen ErÖfl&iungsvers bei- 
zubringen oder ihn auszulassen. Übrigens stehen auch viele der 
hier getrennt gegebenen Stücke unter einander im Zusammenhange, 
so z. B. V und X oder X und Y (s. über den Zusammenhang 
zwischen V und X das in Erläuter. 32 Gesagte) ; drum findet sich 
jener Eröflfnungsvers wohl auch an Stellen, wo er nicht hingehört, 
und trennt, wo er sich einmal eingenistet hat, Dinge, die eigent- 
lich zusammengehören. Auf der andern Seite möchte ich manche 
als Einheit gegebene Stücke Konglomerate von getrennten Ge- 
dichten nennen. So können etwa in B Vers 6 u. 7, und auf der 
andern Seite Vers 8 u. 9 , ebensogut selbständig figurieren , oder 
in C die Verse 10 u. 11, 12 u. 13, 14 u. 15, 16 u. 17, — in F 
23—26 u. 27—30, — in Z 150—156 u. 157—162 oder schliess- 
lich in E', H' und I' die verschiedenen Aussprüche, die zwar alle 
demselben Hauptgedanken gelten, sich aber als selbständige Sen- 
tenzen oder Parabeln darstellen. 

Wir haben oben (S. 5 sub 2) schon gesagt, dass die tandamt- 
Poesie in der Hauptsache eine Art Spruchdichtung sei, dass aber 
auch andre Themen als Lebensweisheiten zum Sujet der einzelnen 
Gedichtchen dienten. Es dürfte angebracht sein , die 39 Gedichte 
der Sammlung hier einmal hinsichtKch ihrer Themen zu klassi- 
fizieren. Als praktische Lebensweisheiten allgemeineren oder spe- 
zielleren Inhaltes in schildernder, anratender oder warnender Rede- 
weise können wir etwa A, B, D, E, I, K, 0, Q, D', E', K' und L' 
bezeichnen; von diesen empfehlen A, E und D' speziell Geduld 



— 11 — 

und ZuMedenheit, — B berührt übrigens, von achtem Familienglücke 
redend, ein auch in D' angeschlagenes Thema, — vor Stolz und 
Hochmut warnt L', — vor zu hohen Plänen K', — Habsucht oder 
Nichtgeben tadeln K, D und I, — Güte, auch dem gegenüber, der 
es nicht verdient, empfiehlt Q, — vor dem Schwätzer warnt 0, — 
vor schlechter Nachbarschaft dagegen E'. Andre Gedichtgruppen 
wenden sich wiederum der Betrachtung des Freundschaftsverhält- 
nisses zu, nämlich F, L, M, P, R, S, A', C, F' und M'; auch hier 
sind verschiedene Spezialthemata anzutreffen: dem schwatzhaften 
Freunde gelten in F die Verse 22 — 26, — dem stolzen Vers 27 — 30, 
— dem treulosen Freunde gut L (oder spezieller noch dem Bruder?, 
s. Erläuter. 21), R und S*^ — dem prahlerischen M, — den Störer 
der Freundschaft tadelt F', — den Freund zu erproben raten P 
und A', — in C schliesslich wird die Freundschaft für immer 
gekündigt, — während M' eine sehr pathetische Versicherung der- 
selben ist. 

unter dem „Freunde" werden wir wohl auch hier — wie in 
allen orientalischen Poesieen — oft genug die „Freundin** zu ver- 
stehen haben; bei G' ist das ganz entschieden der Fall. Mit 
der „Freundin", oder genauer der Geliebten, und dann mit der 
Liebe selber und mit Abenteuern auf ihren Pfaden beschäftigen 
sich gleichfalls manche Stücke der Sammlung. Wir meinen die 
Stücke C, G, N, T, X, Y, Z, B', H', I' u. N': B' und N' reden von 
den Thränen, die der Liebeskummer verursacht, — N schildert 
die Macht der Liebe in den glühendsten Farben, — G beschreibt 
uns ein Abenteuer, das, so hoffen wir, nicht die betrübenden Nach- 
wirkungen im Gefolge haben möge, wie sie den in T, X, Y und Z 
geschilderten Erlebnissen vorausgehen müssen; denn da war die 
Wirkung der Liebe eine tötliche (X u. Y), oder sie trieb den Ver- 
liebten von der Heimat weg in die Feme (T und Z). Weiterhin 
finden wir in I' ein verdammendes Urteil über die „Liebe von 
heutzutage" ausgesprochen; der Dichter ist also ein laudator tem- 
poris acti auf diesem Gebiete. Ganz eigentümlich geheimnisvoll 
klingen die einzelnen Gedanken des Stückes H'; doch war der 
Sinn dieser teilweise etwas lasciv erscheinenden Gruppen trotz 
aller Dunkelheit meinem Gewährsmann vollkommen klar. Bei 
diesem Stücke ist es übrigens interessant zu sehen, wie sich im 
Munde des Volkes neben einer Textüberlieferung zugleich auch eine 
kommentierende Tradition fortzuerben pflegt. Etwas Ähnliches 



— 12 - 

kann man sieb nicht oft genug bei einem Urteile über die National- 
kommentatoren der alten arabischen Dichter vor Augen halten: 
man meint doch wohl viel zu oft, dass dieser oder jener Ver- 
fasser eines ^arh ein eigenes Urteil abgebe, während er doch nur 
den im Munde des Volkes sich erhalten habenden §är^ schriftlich 
fixiert. 

Aber nicht nur von der Liebe zum Weibe, sondern auch vom 
Hasse gegen das Weib spricht Sidi Hämmu; man vergleiche in 
dieser Hinsicht C, in dem die Verurteilung des weiblichen Ge- 
schlechtes eine scharfe und gründUche ist. 

Die Gedichte H und V*«) enthalten interessante Aussprüche 
über verschiedene Orte und Gegenden des Maghreb ; das erste gilt 
dem südlichen Marokko, das zweite der Stadt Tunis, deren Schön- 
heit nebst der Schönheit ihrer Bewohnerinnen der Dichter etwas 
überschwänglich preist. Die Stadt und das Leben in ihr muss 
ihm, so meinen wir, sehr sympathisch erschienen sein. Merkwürdig 
ist nun die Tradition bei den heutigen Schlul^, dass Sidi Hammu 
nie das Eeich Marokko verlassen habe und also auch Tunis nicht 
zu sehen bekommen habe. Die heutigen Schluh sind der Meinung, 
dass die Aussprüche des Sidi Hämmu über Länder und Völker 
nur die Wiedergabe der Eindrücke seien, die er aus der Schilde- 
rung anderer Personen über die ersteren gewonnen habe. Übrigens 
stehen auch die algierischen Spruchdichter, z. B. Ahmed ben Jüsuf, 
in dem Rufe, dass sie in ihren Aussprüchen über Städte u. s. w. 
nicht eigene Ansichten verträten, sondern bloss die anderer Leute 
dichterisch formulierten. Diese Ansicht habe ich wenigstens in 
Algier aussprechen hören.***) 

Endlich finden wir in U, W und 0' noch drei Gedichte ver- 
schiedenen Inhaltes. U und W sind einigermassen mit einander 
verwandt; beide möchten wir als Parabeln bezeichnen, die als Er- 
zählung und als Frage gefasst sind. Das zweite Gedicht (,Was 
ist das Paradies der Erde? Ist's ein Lied?" u. s. w.) hat eine 
nicht allzuferne Ähnlichkeit mit einem Liede des Sulmä ibn Eabl'a 
im Bab al-'adab der Hamäsa;") das erste (also U) hat ein fast 
.neutestamentliches Kolorit. Mit 0', dem letzten Liede der Samm- 
lung, bekennt sich Sidi Hammu schliesslich als gläubiger Muslim. 

Der Stil ist in den verschiedenen Gedichten dieser Sammlung 
ein sehr einheitlicher, wie wir schon oben (S. 10 Z. 13) erwähnten ; 
nur ist eine gewisse Breite des Ausdruckes mit einer sich an 



— 13 — 

andren Stellen findenden angenehmen Kürze nicht selten im Wider- 
spruche (man vgl. etwa die Stücke F, 0, P, V, F' und G' gegen- 
über D, E, I, M, E'). Über philologische und metrische Fragen 
zu sprechen, die diese Gedichte des Sldi Hämmu betreffen werden, 
heben wir uns für später auf, wo* wir in dieser Hinsicht über alle 
drei Gedichtproben zusammenfassend reden wollen. 

IL 

Dies Gedicht über die Einnahme der Stadt Algier durch die 
Franzosen. im Jahre 1830, also ein Gedicht der Art Ikyst, können 
wir ein historisches Epos nennen. Zu welcher Zeit es gedichtet 
ist, vermag ich genau nicht anzugeben, doch da die Worte «die 
Glaubensstreiter aber, die Zouaoua, sind alle umgekommen in den 
Kämpfen* (V. 91) sich wohl entschieden auf die Thatsache einer 
völligen Unterwerfung der Kabylen beziehen müssen, und wir nun 
wissen, dass eine solohe vollständige erst 1857 geglückt ist,^^) so 
thuen wir wohl am besten , die Abfassungszeit dieser Ikyst nicht 
vor jenes Jahr anzusetzen. Anders verhält es sich, wenn wir in 
der allgemeinen Niederwerfung der Zaouaoua die endgültige Unter- 
drückung des Aufstandes von 1871 zu erblicken haben. Dann ist 
das Lied viel neueren Datums, also höchstens 24 Jahr alt. Meine 
Gewährsleute waren übrigens der Ansicht, dass sich jener Vers (91) 
auf den Aufstand von ^871 und seine Unterdrückung beziehe. 

Wer ist der Dichter dieses Epos? Auf diese Frage konnte 
ich von den Schluß keine andre Antwort erhalten, als die, es sei 
dies irgend ein berühmter rrdis ihijäden gewesen. Derselbe sei auf 
seinen Reisen auch nach Algier gekommen und habe dort die Be- 
drückung seiner Glaubensgenossen durch die Christen mit angesehen ; 
dort habe er auch die Geschichte der Einnahme Algiers und die 
der Besiegung der Kabylen vernommen und hierüber dies Lied 
verfasst, um dadurch seine Landsleute in Marokko zum Kampfe 
gegen die Ungläubigen auf- und anzuregen. — Dass der Charakter 
dieses Gedichtes ein tendenziöser ist, ist unverkennbar, besonders 
wenn man die Schlussverse betrachtet. Heisst es in V. 95 doch 
geradezu »der Kampf ist nah". Hass gegen die Christen tritt uns 
denn auch an verschiedenen Stellen deutlich genug entgegen; man 
vergleiche die fanatischen Äusserungen in Y. 71 und 72 (». . . der 
Christ, der die Hölle sein Eigen nennt; denn nach dem Paradiese 
steht sein Wunsch nicht, — sein Teppich ist das Höllenfeuer"). 



— 14 — 

So glühend aber auch der Hass gegen die Ungläubigen und 
der Eifer für die gute Sache des Glaubenskampfes beim Dichter 
in die Erscheinung tritt, so oberflächlich ist entschieden seine 
Kenntnis der historischen Einzelheiten beim Falle Algiers. Nur 
in den lallgemeinsten Umrissen ist der Hergang dieser Ereignisse 
erzählt ; Namen (etwa der des Dey Hussein oder der Karls X. von 
Frankreich) sind nirgends genannt, — wohl nicht deshalb, weil der 
Dichter Einzelheiten zu schildern und Namen zu nennen verschmähen 
will, sondern weil er hierüber augenscheinlich in Unkenntnis ist. 
Am bedenklichsten ist aber der Umstand, dass die Einnahme Algiers 
an einer Stelle (Y. 78) den Engländern zugeschrieben wird. Ein Epos 
über einen Krieg zu schreiben ohne genau unterrichtet zu sein, wer 
eigentlich die sich gegenüberstehenden Völker sind, ist wohl zweifel- 
los der Höhepunkt der Naivität. Allerdings ist hier die Thatsache 
anzuführen, dass „ifikliz'^ bei den Schluh auch oft geradezu ^Christ'' 
bedeutet; — die Engländer haben sich an Marokkos Süd Westküste 
häufiger blicken lassen als andere christliche Nationen. Auf die Mög- 
lichkeit dieser Deutung (was den Dichter vom Vorwurfe der Ignoranz 
entlastet) machten mich denn auch die darüber befragten Schluß 
aufmerksam. Einige meinten aber doch, der Dichter meine geradezu 
die Engländer, denn solche Verwechslungen seien bei einem reisenden 
Sänger Schon möglich, der so viele christliche Nationen zu sehen 
bekäme, „die alle einander ähnlich aussähen". Merkwüi*dig ist 
übrigens auch, dass der Name Algier (also dzair) absolut nicht 
genannt ist. 

Bekanntlich haben wir auch kabylische Epen über die Ein- 
nahme Algiers. Gleich das erste Gedicht der schönen Sammlung 
Hanoteaus,*^) das „Prise d'Alger par el-Hadj Ameur-ou-el-Hadj des 
Imecheddalen" überschrieben ist, muss hier erwähnt werden. Die 
Schilderung der historischen Details ist in jenem kabylischen Epos 
indessen eine viel ausgearbeitetere, und historische Persönlichkeiten 
sind in Menge angeführt und gekennzeichnet. Wiederum allgemeiner 
und unbestimmter ist die Erzählungs weise in den die Kabylen- 
aufstände von 1871 schildernden epischen Dichtungen;*"^) diese 
sind teilweise schon kaum mehr Epen, sondern Schmähgedichte 
gegen die Insurgentenführer, deren Werk von keinem glücklichen 
Ausgang begleitet war. 

Höchst merkwürdig ist die Einleitung unseres hier mitgeilten 
Taschütäit-Epos, — am merkwürdigsten durch ihre Breite; denn 



— 15 — 

sie nimmt zwei Drittel des ganzeu Gedichtes, nämlich 63 Verse 
von im Ganzen 96 ein. Und wiederum bilden die letzten 10 Verse 
der Ikyst eine Art Epilog, sodass eigentlich nur 23 Verse den 
Kern des Epos bilden. 

Betrachten wir hier den Ideengang der Einleitung näher! 
Derselbe ist etwa folgender: nachdem der Dichter auf den er- 
schütternden Inhalt seines Gedichtes, der ganz auf Thatsachen be- 
ruhe, und das er ganz der Wahrheit gemäss vortragen wolle, auf- 
merksam gemacht hat (V. 1 — 3), kommt er sogleich auf religiöses 
Gebiet und ermahnt zur Frömmigkeit und zur Erfüllung der Pflichten 
Gott gegenüber. Eine solche Pflicht ist erstlich die Pilgerfahrt 
nach Mekka; sie ist die Pflicht jedes Muslim, und dass er, der 
Dichter, sie nicht erfüllen kann — da er das allmächtige Geld 
nicht besitzt — , ist eine seiner grössten Kümmemisse (4 — 11). Er 
ist eben ein armer Schelm, der als Sänger durch die Welt pilgert, 
und den kein Freund aufsucht; bloss die Poesie ist seine treue 
Freundin, und Melodieen nahen sich ihm des Nachts und kommen 
nach dem Orte, wo er schläft (12 — 15). So hat er auch heute 
wieder, dank der Poesie, die bei ihm einkehrte, ein Lied vorzu- 
tragen, das er nicht schöner beginnen kann als mit der Anrufung 
Gottes und „seines Volkes'^, d. h. derer, die durch Gottes Gnade 
besonders ausgezeichnet wurden (16 a). Wenn der Herr doch auch 
ihm seine Gnade zuwiese! Doch Gott hat bestimmt, dass er von 
Land zu Land ziehe (16 b), und. an Gottes Bestimmung kann man 
Nichts ändern (17). Vielleicht war's schon Sünde, dass er an die 
Möglichkeit einer Abänderung der göttlichen Vorherbestimmung 
dachte: deshalb will er Busse thun (18a); auch ist es ja über- 
liefert, wie es dem ergeht, der gegen das göttliche Gesetz an- 
kämpft oder im Unglauben verharrt: noch nach dem Tode harren 
seiner allerhand Martern (18 b— 26). Was nützt darum hier auf 
Erden Eeichtum und Macht, wenn nach dem Tode den, der nach 
Geld und Gut trachtete, Strafe trifft (27—29). Wer Geld und 
Gut besitzt, der wünscht sich immer mehr; sein Gemüt verhärtet, 
und Reue kennt er nicht (30 — 34). Von solcher weltlicher Ge- 
sinnung möge Gott ihn erretten (35); Gott möge ihn aber auch 
von der verhängnisvollen Leidenschaft der Liebe retten ; denn diese, 
die Liebe zu den Mädchen mit wallendem Haare, war es, die ihn 
hinaus in die Fremde jagte und von Vater und Mutter trennte 
(36 — 41). — Nachdem er so über seine eigne Person genug gesagt 



— 16 — 

zu haben vermeint, wendet er sich wieder zum „Volke Gottes* 
und greift aus dessen Schaar, — nachdem er zuerst ziemlich un- 
vermittelt den Propheten und die Fatima genannt hat (42), den 
Chalifen ^Ali heraus. Diese Wahl ist nicht zufällig ; denn 'All gilt 
ja als kühner Streiter und soll in dem Kampfe, den der Dichter 
gegen die Christen predigen will, den Kämpfern zum Vorbilde 
dienen."*) 'Alfs Tapferkeit wird nun näher beschrieben (43—50). 

— Hiermit hat der Dichter seiner Ansicht nach des Volkes Gottes 
genügend gedacht; er entschliesst sich nun, zum eigentlichen 
Thema seines Gedichtes mit den beliebten Eröfläiungsworten bismilla 
(im Namen Gottes!) zu schreiten (51). Aber Dies hält ihn wieder 
auf und giebt ihm Grund zu neuen Betrachtungen : er setzt nun in 
13 Versen (51b — 63) weitläufig auseinander, wie erspriesslich es 
ist, jene Worte beim Beginne eines Werkes zu sprechen, Worte, 
die den Koran eröffnen, und die der Falke ausruft, wenn er sich, 
um nach Beute auszuspähen, gen Himmel schwingt. 

Sicher spannt diese Einleitung, so weitschweifig sie auch uns 
Occidentalen erscheinen mag, die Aufinerksamkeit der orientalischen 
Zuhörer. Die Wirkung, die der Vortrag des ganzen Gedichtes 
auf die Zuhörer ausübt, soll stets eine ganz mächtige und er- 
schütternde sein. Sänge ein rräis ihijRden dies Lied, so begännen, 

— so versicherte man mir, — die Umstehenden schon nach den 
ersten Versen zu weinen, selbst die starken Männer könnten sich 
nicht der Thränen enthalten. 

m. 

Wie wir S. 3 Z. 8 sagten, werden auch Jagdabenteuer zum 
Gegenstande der Iksät gemacht. Das finden wir sehr natürlich; 
denn die ihijR^en stehen ja mit den rrma in stetem Verkehre 
(s. S. 3 Mitte). — Das Thema des hier mitgeteilten Jägerliedes 
ist nun eines, das ähnlich auch bei anderen Völkern dichterisch 
behandelt worden ist*"*^): ein Jäger (hier speziell ein Angehöriger 
der Korporation der iTma) begiebt sich auf die Jagd. Er ent- 
deckt ein Rudel Gazellen und ist eben im Begriff, den tötlichen 
Schuss auf eines der Tiere abzufeuern, als die Gazelle ihn anredet 
und mit rührenden Worten fragt, was sie ihm denn zu Leide ge- 
than habe, dass er sie töten wolle. Der Jäger gewinnt es nicht 
über sich, den Schuss abzudrücken; er begiebt sich vielmehr iieim, 
und die Worte der Gazelle, die ihm seine bisherige Grausamkeit 



- 17 — 

den unschuldigen Tieren gegenüber vor Augen führen, bekümmern 
ihn so hefbig, dass er krank wird. 

Das Lied ist also freilich nicht ein Loblied auf die An- 
gehörigen der Korporation der rrma. Andre Lieder wiederum 
feiern den Stand der Jäger, so z. B. eines (das arabisch verfasst 
ist), welches Max Quedenfeldt und Dr. Friedrich Müller in Zeit- 
schrift f. Ethnologie, Abhandlungen, 1889, S. 582 mitgeteilt haben. 
In noch anderen Jägerliedem schliesslich wird geschildert, wie dem 
Schützen, der an einem Freitage jagt — an diesem Tage gilt die 
Jagd für Sünde — , sein Patron Sldi 'Ali ben Nä'sr erscheint und 
ihn wegen dieses Freyeis tadelt. Ein Märchen daraufbezüglichen 
Inhaltes möge hier mitgeteilt werden : jän-Ml) nrrma illa gwaskurn, 
arikät ainna izrä. arjSuwä^ss iffüg sl^a isljid, ^san igä IMmuSa, 
j4f jSuznku4; jutt slljfff, il^drrSkas il}f; iäSuüdas dag, i^arrSk dag 
il)f, ijäuüdas dag, iharrek dag i^f. iwurrid stigünens. igln gly^* 
ibidd s^rs jSürgäz imSllülSn, innäjäs mdl) ellig iitütt idigam skrä'4 
tlal}ftfin ? innftjäs, mä t!git ? innfts, nkl gig sidi Sali ben-nS§Sr ; innäs 
ha takorältlnu, han-gis krif^wtl&^fif^n Slli^siitütt. iftü. mengin 
urarsul-ikät w&bi (Es lebte ein berühmter Jäger in Äskurn*^); 
der traf, was er zu Gesichte bekam. Als er eines Tages hinaus- 
ging auf die Jagd — es war das aber ein Freitag — , da traf er 
eine Gazelle. Er schoss nach ihr mit einer Kugel: da machte sie 
ihm mit dem Kopfe ein abwehrendes Zeichen. Er schoss zum 
zweiten Male; sie schüttelte wieder den Kopf. Und ebenso ging 
es das dritte Mal. Dann ging er nach Hause. Als er des Nachts 
eingeschlafen war, erschien ihm ein Mann in weissen Gewändern. 
Der sprach zu ihm: «Warum hast du gestern mit drei Kugeln 
nach mir geschossen?'' ,Wer bist du?* fragte der Schütze. Der 
Mann antwortete: ,Ich bin der heilige ^All ben Nifsr, und das hier 
ist mein Stab; sieh, in ihm stecken die drei Kugeln, mit denen 
du nach mir schössest !** Dann verschwand der Heilige. — Von jener 
Zeit hat der Jäger Nichts mehr getroffen). 

Was nun die hier mitgeteilte Ikjst beti*ifft, zu der wir zurück- 
kehren, so ist auch bei ihr — d. h. wie bei Gedicht 11 — die 
Einleitung recht weitläufig. Es will uns sonderbar erscheinen, dass 
Jägerlieder mit längeren religiösen Einleitungen beginnen; wir 
müssen aber bedenken, dass, wie Vieles unter den Orientalen, so 
auchridas Zunftwesen der Jäger einen halbreligiösen Anstrich hat. 
Der Ideengang der Einleitung ist (wie der der Verse 51 bis 68 

Stamme, Gedichte d. Sohloh. 2 



— 18 — 

in Gedicht II) eine Anzahl Variationen über den Ausdruck bis- 
milla. Weitschweifig wie den Stil der Einleitung müssen wir auch 
den des ganzen Gedichtes nennen, mit einer Ausnahme, d. i. die 
Rede der Gazelle (V. 33 — 37): in deren Worten ist Knappheit des 
Ausdruckes mit Herzlichkeit verbunden. Manchmal wird die Schil- 
derung durch ihre Umständlichkeit sogar spasshaft: man sehe, mit 
welcher Umständlichkeit erzählt wird, wie sich der Dichter endlich 
zum Schusse anschickt! Das Gazellenrudel, von dem wir zweimal 
hören, dass es durstig ist, hat er schon von fern bei der Quelle 
erblickt, hat auch schon auf Umwegen einen Treiber hingesandt, 
der ihm die Tiere zutreiben soll. Das Futteral aber hat er von 
der Flinte noch nicht abgezogen. Endlich (in V. 28) gelingt ihm 
diese Prozedur. Und endlich (in V. 30) ist er so weit, dass er 
abdrücken kann! 



Hinsichtlich des Sprachgebrauchs unterscheidet sich das Schillja 
der Poesie oft genug vom prosaischen. So ist denn auch in den 
hier mitgeteilten Gedichten der Sprachgebrauch ein andrer als der 
in den prosaischen Überlieferungen der Schluh. Das ist nicht 
wunderbar; denn diese Erscheinung ist fast Gemeingut der Völker. 
Einmal vor geraumer Zeit werden die Ausdrücke^ die der Dichter 
anwandte, der thatsächlich gesprochenen Sprache angehört haben, 
d. h. zur Zeit, wo das betreffende Volk seine ersten dichterischen 
Versuche machte. Aber später, als man ältere Dichtungen als 
Mustervorlage sanktionierte, entnahm man den Letzteren besonders 
gern die Ausdrücke, die, unterdessen veraltet, eben durch ihr Alter 
ein poetisches Gepräge erhalten hatten. So finden sich denn in 
dem hinsichtlich der Abfassungszeit entschieden viel später an- 
zusetzenden Gedichte II viele Ausdrücke, die sich auch in dem viel 
früheren I finden (wohlverstanden: Ausdrücke, die jetzt veraltet 
sind). Ja, die Technik der dichterischen Sprache ist in den beiden 
Gedichten (und übrigens auch in III und in den andern, hier S. 4 
und 8 mitgeteilten, Proben) so ganz übereinstimmend, dass es 
absolut unmöglich erscheint, bloss mittels der Betrachtung des 
Sprachgebrauchs die Abfassungszeit eines solchen Gedichtes fixieren 
zu wollen. Übrigens weicht im Allgemeinen die dichterische Sprache 
der Schluß nicht allzubedeutend von der prosaischen ab, wenigstens 
nicht in annäherndem Masse so stark, dass etwa der Sinn ganzer 
Verse dem Schilf von heutzutage unverständlich bliebe (wie dies 



— 19 — 

z. B. beim heutigen Ai*aber inbezug auf die Erzeugnisse der alt- 
arabischen Poesie der Fall ist). Wo aber ein Vers oder mehrere 
Verse vom heutigen Schilf nicht verstanden werden sollten, da 
liegt das stets an der' dunkelgehaltenen Redeweise des Dichters. *p) 

Als nicht ihrem Dialekte angehörig — so wollen wir uns 
zunächst ausdrücken — bezeichneten meine Gewährsmänner, der 
Hfti *Ali, Häz *Abdalla und andre Schluß, z. B. folgende Wörter: 
gir McMstvürdiger in I, 5, 16, 206, 211 u. 212; tirbätin»^) 
Mädchen I, 36 ; V ^^yl schön sein l, 223 ; agödid Fdsblock II, 1 ; 
mkSlli wie II, 2; ginkän ^0 II, 52; innä Mutter 1,9; addäg^ 
Baum I, 10; ini tvenn I, 56, 165, 251, HI, 6, 7 u. 10; tini 
wenn I, 99, 177, II, 24 u. 25, IH, 15; Iah es giebt nicht I, 68, 
69, 218 u. 248, II, 88; sig sogleich I, 179; it (wie pros. nit) 
auch, eben I, 211 ; awäd dieses III, 16 (awad iiznk^ä'4 heisst wörü. 
dieses von Gaaellen)\ wallid der hier III, 38. Femer den 
speziellen Gebrauch der folgenden Wörter, die folgenden Wort- 
formen oder -Stellungen; näg als denn 11, 28; dar oder addär als 
Jiuben ohne Personalsuffixe (zuweilen mit illä sein [esse] verbunden) 
I, 57, II, 5 und 9; war — als privative Vorsilbe z. B. in war- 
läm&n tretdos I, 52; d als die einen Nachsatz oder eine Antwort 
einleitende Partikel (I, 6 u. 7; cf. II, 96); Y sk^^r in der Bed. 
nehmen, besitzen (sonst thuen) I, in u. III, 19; den Plur. idaskftkin 
Säbel I, 197*0; ^ie Stellung mkörn a-sldi III, 8 grosser Herr 
(pros. könnte das nur a-sidi m^om heissen). — Es ist nun aller- 
dings schwierig, zu sagen, wieweit solche Ausdrücke und Formen 
ganz absolut als poetisch zu gelten haben; es ist doch sehr leicht 
möglich, dass sie im Spezialdialekte des Dichters ganz regelrecht 
prosaische Ausdrücke sind. Wie dem auch sei, — heutzutage er- 
scheinen dem Schilf die ihm nicht ganz geläufigen Ausdrücke 
solcher Dichtungen als poetische und für die Poesie nachahmungs- 
werte. 

Ganz ausdrücklich kennzeichnen den dichterischen Sprach- 
gebrauch aber noch zwei Erscheinungen, erstlich die grosse Frei- 
heit, einen jeden Plural (besonders gilt es indessen für die Plufale 
der Verba und Pronomina) in Singularbedeutung anwenden zu 
dürfen, — und zweitens, das Gebiet der Sjntaxis ornata streifend, 
der ausgiebige Gebrauch der Apostrophierung und der Personi- 
fikation. Die erste Erscheinung betreffend haben wir in den hier 

mitgeteilten drei Gedichten 102 Fälle gezählt, wo der Plural Singular- 

2* 



— 20 — 

bedeutung bat, — genauer: 64 Fälle in Gedichtsammlung I; 19 in II 
und ebenfalls 19 in III. So steht z. B. I, 5 adrurän für adirür, I, 47 
asiny f. jäsikJ , ds. Vera arkkätn f. arkikät ,1,93 nSirk f. sirkgg, 

I, 110 adäknskir f. ad&kskirg^, I, 137 nkkä f. kig, I, 153 täUÄmt 
f. tallät, I, 178 aurgin f. aurigj, I, 179 asgän f. asiga, 11, 16 nzür 
f. zürög, II, 17 ns&rref f. s&'rrSfa^, 11, 23 tümmenem f. tümment, 

II, 49 ^Ikimen f. jilkim, II, 79 nsirgem f. sirggma^, HI, 13, adäm- 
dawin f. adämdiawi, III, 21 arnstära f. arstara^, III, 22 tnnüfa f. 
tnufig (sämtlich Fälle für den Gebrauch der plural. Verbalform 
statt der singularischen) ; I, 24 winnun f. wink^, I, 52 giun f. giW, 

I, 57 fiUag f. filli,-I, 123 akuntiljölö f. akimihölö, I, 132 atn- 
trbiit f. attrbüt, I, 215 tamännun f tamänW, I, 239 u. 242 astn- 
tuk^Sn f. astuk^Sn — , II, 17 gisSn f. gis, II, 68 ard^run f. arderk^; 

II, 94 sifädgnnun f. sifädn^, III, 40 nSäüdasen f. SSüdagas (sämt- 
lich Fälle für die Anwendung der plural. Pronominalconfixe statt 
der singularischen; in manchen Fällen steht auch die Verbalform 
noch im Flur., wie bei adasentnig^ II, 2 ; nSaudasen s. o.) ; schliesslich 
I, 138 ikälen f. äkäl, I, 153 igumiten f agumi, I, 154 imäun f. 
imi (Beispiele für Nomina im Flur, statt im Sing.). Besonders 
eigentümlich berührt natürlich der Wechsel das Numerus bei dicht 
zusammentretenden Wörtern ; so ist es beispielsweise möglich, dass 
ein einer Verbalform beigeselltes Personalpronomen in einen andern 
Numerus als in den der Verbalform trete (vgl. I, 101 nki umgi 
ich bin nicht, wörtl. ich sind nicht), Vergleiche dann über den 
Numeruswechsel innerhalb derselben Periode oder Satzreihe, so I, 
82 — 84: ig-ürizdar (sing.) ajädd (s.) imSräu, n^in (pl.) mgräu, gin 
(p.) merau difikuläb, arsulnäkkän (p.) merau, iskedo (s.) imSrau 
Ih^nd arittäi (s.) merau; vgl. 11, 2 asrig adasentnigj, II, 73 iksiid 
atSarkn ^wSman u. 11, 80 uriri .... adSarrun. *") 

Die Apostrophe an belebte und unbelebte Wesen (Personi- 
fikation) ist in den mir bekannten Schluh -Liedern so überaus zahl- 
reich, dass sie fast zur Manie wird. Die zahlreichen Apostrophen 
an Personen (z. B. I, 42, 153, II, 58) oder Sachen, wenn beide 
Kategorieen wenigstens das Sujet eines neuen Gedankens bilden 
(z. B. I, 48, 52, 150, 154, 174, 215, II, 55, HI, 5 u. 15), nehmen 
wir noch in Kauf; doch pathetische Personifikationen an Stelle 
schlicht koordinierender oder subordinierender Aussage will uns 
drollig erscheinen (s. I, 47, 142 u. 143, 187 u. 188, 256, II, 52 
u. 63, III, 13 u. 14). Kühn ist auch der Wechsel — und oft ist 



— 21 — 

wörtliches Übersetzen dann unmöglich — der zwischen der 3. u, 
2. Person in derselben Periode oder in aufeinanderfolgenden gleich- 
wertigen Sätzen oft genug stattfindet; vgl. in dieser Hinsicht I, 86: 
eigentlich wörtlich »wo bist du, — derjenige, der sagt: ,Jch bin 
krank ?"• Ich will dich heilen; wenn wir auch, als ich krank war, 
nie gesehen haben, dass er bei uns war* (hierbei kommt also 
auch noch, wozu man den Text vergleichen möge, zweimal der 
Plural statt des Sing. vor). Vgl. ferner I, 197 flf. und I, 267 ff.»*) 
Eine- poetische Eigentümlichkeit ist's femer, wenn zu einem 
Schllljia - Nomen das gleichbedeutende arabische begriffsverstärkend 
oder auch bloss pleonastisch hinzutritt. Vgl. in dieser Hinsicht in 
I, 33 afiilki d?^ln echte Schönheit (etwa : Schönheit Und beautSy) 
Dies ist bekanntlich auch eine Eigentümlichkeit zahlreicher sonstiger 
an Fremdwörtern mehr oder weniger reicher Sprachen. Man denke 

z. B. an ^^ ^^ Festland bei Firdösi und Ähnliches. 



Wo bis jetzt berberische Poesieen publiziert worden sind, ist 
über deren Metrik nur in den seltensten Fällen gesprochen worden. 
A. Hanoteau, der in seinem Essai de grammaire de la langue 
Tamacheti: (Paris 1860) S. 201—204 auch auf die Metrik des 
Tamachek zu reden kommt (es sei nicht gesagt, dass ich ihm in 
allen Einzelheiten seiner Erörterungen Recht gäbe), ist hier zu er- 
wähnen; ferner Belkassem Ben Sedira, welcher in seinem Cours 
de langue kabyle (Alger 1887) S. 877 (Anm. 2) einige ganz richtige 
Bemerkungen giebt über die Art, wie man die dort publizierten 
kabjlischen Gesänge zu skandieren habe.»^) Der Letztere führt sogar 
konventionelle Zeichen für die bei der Skansion zu unterdrückenden 
Vokale ein, nämlich kursive Buchstaben. 

Was nun meine Ansicht über die Metrik der berberischen 
Poesieen anlangt, so meine ich, sie sind sämtlich accentuierend 
(d. h. metrisch - accentuierend , nicht wortaccentuierend). Quanti- 
tierende Metrik finden wir hier nicht, die bei den arabischen 
Dichtern der Klassizität bekanntlich die Regel, bei denen der Halb- 
klassizität und sogar der Vulgarität die bevorzugte ist.*^) Manche 
der berberischen Lieder reimen durchgängig und sind auch in 
kunstmässige Strophen gegliedert; z. B. fast alle der Sammlung 
von A. Hanoteau, Poösies populaires de la Kabylie etc. (s. Anm. al) 
und diejenigen, die bei Belkassem Ben Sedira, Cours de langue 



— 22 — 

kabyle S. 377 — 417 mitgeteilt sind, — dann auch ein Lied aus 
Djerba (der Insel in der kleinen Syrte), das wir im Manuel de 
langue kabyle von Rene Basset (Paris 1887) auf S. 31* u. 32* 
finden. In andern finden wir Beim, doch keinen Strophenbau; 
z. B. in den Liedern der Imu^ag (oder Imouchar* nach französ. 
Schreibweise, d. s. die Tamachek redenden Touareg); s. Hanoteau, 
Langue Tamachek**) S. 204 — 225. Den Beim vertritt in den bis jetzt 
zitierten Büchern oft die Assonanz. Wiederum haben wir berberische 
Poesieen, bei denen auch der Beim fehlt oder wenigstens nur 
ganz vereinzelt (zufällig?) vorkommt; das ist bei den Poesieen der 
Schluß der Fall, also bei den hier publizierten, oder im Po^me de 
Qabi.^y). Endlich finden sich auch „chansons** der Berber, die nur 
darum von den französischen Herausgebern, indess mit Becht, so 
bezeichnet wurden, weil sie gesungen werden, und weil ihr Stil 
nicht ganz prosaisch ist; irgendwelche metrische, reimende oder 
strophische Elemente sind in ihnen nicht zu entdecken. Hierhin 
gehören die von Basset mitgeteilten mzabitischen Poesieen.**) 

Die Poesieen der Schluß bezeichnen wir also als accentuierend- 
metriscb , aber nicht , oder nur selten , reimend. Die letzte That- 
sache ist eigentlich eine recht merkwürdige Erscheinung bei einem 
Volke, das doch in jeder Hinsicht, in Beligion und Kultur, von 
dem arabischen beeinflusst wurde. Denn wohin wir auch blicken, 
überall in den Literaturen der islamischen Völker, die mit den 
Arabern in nähere Berührung traten, findet sich, wie im Arabischen, 
der Beim als untrennbarer Genosse der Silbenmessung. Nur hier 
bei den westlichsten Muhammedan ern , den Schluh, entdecken wir 
Silbenmessung ohne Beim. SoUte dies nicht vielleicht romanischer 
Einfluss sein? Sollte nicht auch die Assonanz daher stammen? 

Wenn wir nun auch über die hier publizierten Gedichte das 
Urteil gewagt haben , dass sie accentuierend - metrisch seien , so 
meinen wir damit doch nicht, dass wir imstande seien, sämtliche 
Verse dieser Sammlung skandieren zu können. Drei Umstände er- 
schweren Dies. Erstlich ist der Text der Gedichte ganz entschieden 
durch die mündliche Überlieferung verdorben worden. Zweitens 
werden gewisse an und für sich bedeutungslose Vokale und Silben, 
die der Dichter des Metrums halber dem Worttexte einfügt, in 
ihrem speziellen metrischen Werte heute nicht mehr erkannt 
und deshalb fortgelassen; sie werden aber durch eine Wechsel- 
wirkung auch oft genug da eingeschoben, wo sie gar nicht hin- 



— 23 — 

gehören. Der allgemeine Zweck solcher an und für sich be- 
deutungsloser Vokale oder Silben ist allerdings dem heutigen Schilf 
klar; ^sie sollen den Vers vollmachen/ pflegt seine Erklärung zu 
sein. Eine solche metrische Flicksilbe ist beispielsweise die Silbe 
wa, die sich meist am Anfange der Verse findet; zahlreiche Verse 
von Ged. II beginnen mit diesem wa, nämlich 14 — 18, 20 — 26, 
37 — 44, 46—49. Ferner ist ein a häufig, entweder gleichfalls am 
Anfange der Verse, z. B. I, 99, II, 51, 53, 55, 65, 94, HI, 25,^») 
oder innerhalb derselben, z. B. I, 204 aiawi. Die Silben a und wa 
kommen sogar kombiniert vor; s. awasäreg^ III, 17; wenigstens 
soll dies für awa-asäreg^ stehen. Endlich finden wir am Versende 
Wörter, die konsonantisch auslauten würden, sehr häufig mit einem 
auslautenden i versehen, das natürlich auch. bedeutungslos ist; vgl. 
in dieser Hinsicht Oed. II, 12 — 52. Durch dies End-i entsteht 
nun allerdings eine Art Beim zwischen diesen 40 Versen, ein Um- 
stand, der das S. 22 Z. 8 fif. Gesagte freilich modifizieren würde. 
Es ist übrigens sehr fraglich, ob der Dichter dies Flick -i bloss 
für jene 40 Verse intendierte; vielleicht haben wir das ganze Ge- 
dicht auf diese Art und Weise, d. h. nie konsonantisch auslautend, 
zu lesen, und Fälle wie rasülla V. 11 oder sämlSa V. 89 etwa als 
rasüUahi und sämiSi (das Letztere scheint aber doch unwahrschein- 
lich) uns zu denken. Ganz entschieden widerspricht sich ran in 
111, 18 mit aran in V. 25; entweder ist das a einmal zu tilgen 
oder es ist an beiden Stellen zu lesen. — Der dritte Umstand 
endlich, der eine sichere Skansion dieser Gedichte erschwert, ist 
der zweideutige Wert der reduzierten und bis Null reduzierbaren 
Vokale; wir müssen immer denken, dass geeigneten Falles ein 
solcher von uns, wenn auch reduziert, aber doch eben noch silbisch 
gehörter Vokal, für den Dichter als absolut stumm gelten konnte. 
Umgekehrt können wir aber auch annehmen, dass manche jetzige 
Konsonantenhäufung vielleicht in mehrere Silben aufzulösen sei. 
Um Beispiele anzuführen: ^bäV^ns (sein Grab) kann zweisilbig als 
VbäVens oder einsilbig als ^bS^rns intendiert sein; umgekehrt dziil 
(sie riecht gut) eins, als dUä oder zweis. als d-llL Wieviel Silben 
hat ferner etwa ulnk^ (dein Herz)? Zwei oder drei? Eine doch 
wohl kaum ! In solche Schwierigkeiten kommt man wohl auch nicht 
selten beim Skandieren slavischer Lieder. Übrigens hat man sich 
die Möglichkeit eines Sandhi im weitgehendsten Sinne gleichfalls 
jederzeit vor Augen zu halten. Aphäresen und Krasen oder Ver- 



— 24 — 

Schleifung von Halbvokalen^^) dürften oft genug als möglich in 
Betracht gezogen werden. 

Man wird mir unter diesen Umständen Recht geben, wenn ich 
behaupte, diese Gedichte skandieren zu wollen, sei ein Wagnis. 
Dennoch will ich ein Urteil über ihr Metrum riskieren: ich halte 
sie insgesamt für Gfüssige (bisweilen hyperkatalektische) Jamben, 
unter welche sich manchmal allerdings 5füssige zu mischen scheinen.^^) 
Es ist aber doch leicht möglich, dass die letzteren durch Ein- 
schiebung solcher schon erwähnter an und für sich bedeutungsloser 
Silben (etwa durch Einschiebung von awa?) zu 6füssigen zu er- 
weitern wären. Verse aber, die 14 Silben oder gar noch mehr 
enthalten würden j halte ich ausnahmelos für sekundär oder für 
verderbt. Es sei nun trotz der Kühnheit des Wagnisses der Ver- 
such gemacht Proben zu geben, wie wir uns diese oder jenen Verse 
oder Versgruppen skandiert denken. Die metrischen Emendationen, 
die wir des Metrums halber vornehmen müssen, möge man als mit 
allei: Eeserve unserseits gegeben auffassen. 

I, Stück 0: 

66. i^ i ra kra a ki kn^^) 

67. a rä kis k^er i z6r zan 

68. a ra kis k^ör sär bat gi 

69. a ra kis k^er i ferd ^ 

70. in nä jäk U bä k^a di^ 

71. fki na u na ra mä is 

72. a rä kis ki^r tig m^g lal) 

73. a rä kis k^er ta ^r za 
tJbrigens erhalten wir in dieser neuen Passung durch die 

Abänderung von isk^^räk in V. 72 und 73 zu arakisk^er eine ganz 
angebracht erscheinende Erweiterung der rhetorischen Phrase einer 
Repetitio. Die Einschiebung von gisent „in ihnen* in V. 68 er- 
scheint wohl ungezwungen. Die Tilgung von ag „wo" in V. 72 
macht diesen Vers hinsichtlich des parallelismus membrorum den 
Versen 68—70 viel kongruenter; dasselbe ist mit V. 73 der Fall, 
wenn wir glli streichen wollen. — 
I, Stück P: 



dif käk ti 


wa 


wäl 


täm man tä 


rä 


W&l 


s^nt la^ lag 


1 



lät 


wä fa lä 


ba 


man 


jii m kK 

o * 


rim 


müt 


tär m tä 

o 


ma 


wäl 


lä u ril 


li 


jän 


^s li ni 


tis 


mmän.^®) 



75. 


n 

o 


kin 


mad 


ri 


gam 


da 


ku 


lü 


la mä 


• 

1 


rä 


76. 


• 

1 


^ 


riz 


da 


ra 




ki 


si 


ta m& 


ri 


win 


77. 


• 

1 


^r 


zdar 


gät 


ki 


sä 


• • 
gl 


wy 


jH fi 


Iah 


tin 


78 


• 

1 




riz 


da 


ra 


ni:^ 


?äl 


gl 


fe ni 


ga 


nim 



79. 


ß 


k'# 


du 


Ti 


du 


80. 


• 

1 


^ 


riz 


da 


räj 


81. 


1 


BÜ 


tSr 


g-s 


1 


82. 


1 


tu 


riz 


da 


ra 


83. 


gin 


mra 


u 


din 


kn 



— 25 — 

dif u la is mos sä tin 
gin g wa si fi sa täuk 

o 

si gil mä gil lä w& min 

jid dim i^ n gin me läu 

la bar stil nfik kSji me räu 

84. is kdö im rän 1 b^n dar sü lit ilu me räu. 

Aucb bier sind die Sübenveranderungen nur unbedeutoide: 
in Y. 81 wurde der Prisensexponent ar getilgt, was &st obliga- 
toziseb erscbeint, da es ja aucb isu tärg^ä am Anfange des Verses 
beisst, und niebt arisu t; in Y. 84 wurde sul «weiterbin, femer* 
eingescbobai, wodurcb dieser Yers wiederum dem yorbergebenden 
paralleler wird. — 

I, Stuck T weist dagegen mit zwei Ausnahmen bjperkata- 
lektiscbe Senare auf: 

103. as sei lig ri ga müd du i ku tid gl ^a k^l 

104. a sig Ib siA n tim mSnt dwü dy ^ti gi men nag 

105. a si dis 3ai deS &rif n 

o 

106. u ri kyl sis mi gä nin 

107. ni ga sa si di nük ni 

108. il lan wab bi bag ma ur 

109. in na bärr kä ta ^ü ja 

110. a da uns ki reg jiU hf 

Die beiden nicbthjperkatalektiscben Verse 107 und 109 kdnnte 
man, wenn man das scbon fruber^^) erwäbnte, am Ende des Verses 
auftretende i einsetzen will, und also die Ausgänge numergi und 
tädümdi l&uten lasFen will, zu bjperkatalektiscben macben. Wir 
baben in Y. 107 also ein nükni «icb" (d. b. eigenÜicb «wir*, vgL 
S. 19 Z. 6 y. u.) eingeseboben und in Analogie bierzu, aber aucb zu 
dem überlieferten tä4umd in V. 109, statt adäknskir in V. 110 
adaunskir^g ,icb will eucb macben*, d. i. ^cb will dir macben*, 
eingesetzt — 

In 11 mQcbten wir etwa folgendennassen lesen (wir bezeicbnen 
jetzt interi>olirte Wörter mit * und setzen zu tilgende in [], 
sprecben über andre Konjekturen indess weiter unten): 

1. ^IVyst ^1* ir^n azro tar^ agödid^^) 

2. mk^lli igga wawal asrig adasentnigi 

3. urri^ adzeida^ ula adnakkesa^ [albebäb] 

4. aman aigg^ erris uzerg* arisi^d 



ti 


nas 


saz 


dok 


kö reg 


na 


ma 


diz 


do 


ko r^ 


jin 


säi 


jit 


nu 


merg^ 


jil 


kl 


men 


kb 


ba rens 


ki 


näi 


• r 

jur 


tä 


diimd 


m 


ma 


kis 


ber 


ra den. 



— 26 — 

5. glmäl älggän Srris Snbn&deni ma ur dar 

6. urilliwlmäl urakisbiddid ^l^ödüd 

7. Slmal algitSnäatSn do^wä ^nsäwab 

8. ahln^ura^sällSülawVa^iziwiz etc. 

Die EinSchiebung des Relativpronomens in V. 1 erscheint 
tv^enig gezwungen, ebensowenig die Tilgung des sperrigen alh^bäb 
in V. 3. Es wurde also weiterhin verändert: ä^wänna V. 5 zu 
ma. Die Verse 12 — 52 sind mir sämtlich auf das schon erwähnte 
i auslautend überliefert worden; ihre Skansion bietet Schwierig- 
keiten, und es will manchmal scheinen, als ob bei Tilgung jenes i 
sich der Gfüssige Jambus leichter ergeben wollte. Ungezwungener 
ergeben sich die Senare wieder von Y. 53 an (oder auch schon 
von 51 , wenn wir ohne jenes Zusatz - i lesen wollen). Manche 
Verse lesen wir aber als hyperkatalektische und skandieren etwa 
auf folgende Weise: 

53. abismillä innäwrbby jän tigän d^lfal 

54. arasn-izggür arasimmäl tilli Sad^lnin 

55. abismilldwSäknnig a iminü bSdü-jers 

56. afäd^n [ilmma] sigurramen djän ir^ä-jäs* wül 

57. abismillä iU4 urtä'zun-tllä Sddünit 

58. ula ilül jäUljälk amäuläna blä-kii 

59. abismillä asanäd^ü [uk^^n] haji bedi^s 

60. abismilla^mlä gisur-izri ttRlb elfeßr 

61. urtitgga gofillä nelkörän ibS^^-sers 

62. abismillä innät ^Ibäz [ig] dikk£agenw§^n 

63. ilühgim äddunit jän-izri zünd aman etc. — 

In Gedicht III ergeben sich dieselben Versarten viel un- 
gezwungener ; auch hier finden sich wieder hyperkatalektische Verse. 
Wir skandieren: 

1. adä^-fässrag glkyst elli^ gnga^ssijä'd 

2. asigd abüri dürresä's asigwlbärö4 

3. abismilläurratman addrzemag glbab 

4. ifolkj^ada^gf^r muläna ^ddunüb 

5. abismillä aigr^agik^-enlöh amüd 

6. ini mggerg Sl^ßr ardag-nSkirz wyjä'd 

7. ini tJ^-niirmgeräg ar^anu gd6r elwahid 

8. mgköm a-sidi täStenW äf-nggi ^käd 

9. abismilläurratim * rrahmän 8alä bäb-alla 



— 27 — 

10. ini t^nnä iminu bdü snebi muhammed 

11. aristadddt arrsfis wanau ig isü4 etc. — 

Das für ifülkiü eingesetzte ifiilkjw (d. i. ifülki mit vor an- 
lautendem Vokale verschliffenem i) ist eine sehr einfache Konjektur, 
und wyjä'd erscheint nach dem transitiven kirz fast besser. Wir 
schliessen hiermit unsre Bemerkungen über die Poesie bei den 
Schluß und über die hier mitgeteilten Gedichte. 



Anmerkungen. 

a) Als Beleg vgl. beispielsweise die Äusserungen Q, Delphin's 
in Journal Asiat. IX, 1, 344 (bei Gelegenheit s. Besprechung des 
hier in Anm. am zitierten Werkes von Ren6 Basset). 

b) Zu solchen rechnen wir die scharfe Trennung des Aus- 
drucks für gewohnheitsmässige (oder sich oft wiederholende Thätig- 
keit) und für einmalige Handlung; der Gebrauch des Habitati vum 
für Thatigkeit der ersten Art ist in keiner Sprache so ausgeprägt 
wie im Berberischen, wenn teilweise Analogieen hierzu auch in 
manchen anderen Sprachen bestehen (vgl. die slavischen oder manche 
kaukasischen, z. B. das Hürkanische; s. Friedr. Müller, Grundriss 
der Sprachwissenschaft III, Abth. 1, S. 118). Ferner führen wir 
hier die konstante Bezeichnung der lokalen Beziehung der Hand- 
lung durch die Exponenten d und n an, welcher Erscheinung als 
einigermassen analog wir die durchgängige Notierung des transi- 
tiven oder intransitiven Yerbalverhältnisses im Magyarischen be- 
zeichnen möchten. 

c) Wir erwähnen kurz: das Berber, hat Plurale auf an (vgl. 
d. Äthiop.) oder gebrochene; das Factitivum wird mit präfig. s 
gebildet; die Technik der Relativsätze ist fast genau dieselbe wie 
im Semitischen; zur Femininbildung dient ein (sicher auf altes at 
zurückgehendes) t u. s. w. 

d) Man vergl. besonders Pronomina u. Zahlwörter. — Das 
Berberische steht meiner Ansicht nach dem Semitischen viel näher 
als das Ägyptische. Über das letztere Verhältnis vgl. Adolf Erman 
in ZDMG 46 S. 93—129. Wie unendlich viel mehr Verwandtes 
findet sich doch eben zwischen den westhamitischen und den semi- 
tischen Sprachen als etwa zwischen den ersteren und dem Bas- 
kischen, über welche Verwandtschaft der verstorbene G. v. d.Gabelentz 
zweimal geschrieben hat! Ich halte nur wenige der von ihm in 
seinem ersten Werke über diesen Gegenstand (Berberisch u. Bas- 



— 29 — 

kisch, Sitzungsberichte der Berl. Akad. d. Wissenschaften, 1893, 
S. 593 — 613) vorgebrachten und in seinem zweiten Werke (Die 
Verwandtschaft des Baskischen mit den Berbersprachen Nord- 
Africa's nachgewiesen von G. v. d. G. Herausg. n. d. hinterlassenen 
Manuscr. durch Dr. A. C. Graf v. d. Schulenburg, Braunschweig 
1894) weiterausgeführton Gleichungen für wahrscheinlich und be- 
rechtigt. Dass der Umstand, dass Berberisch auf den Canarischen 
Inseln gesprochen wurde (die Ouanches waren Berbern und keine 
Vandalen, worauf sich Franz von Löher in s. „Nach den glück- 
lichen Inseln'', Bielefeld u. Leipzig 1876, kapriziert), den Gedanken 
an die Möglichkeit, die Basken seien auch versprengte Berbern, 
aufsteigen lassen darf, will ich zugeben. — Vgl. jetzt übrigens die 
Kritik des zweitzitierten Gabelentz'schen Werkes im Literar. Central- 
blatt 1895, Sp. 581, aus meiner Feder. 

e) In den semitischen Sprachen können z. B. die die transitive 
Pronominalbeziehung bezeichnenden Silben nur hinten an das Verb, 
als Suffixe, wie wir sagen, antreten; sie verschmelzen mit dem 
Verb zu einem Worte. Im Berberischen hat sich dies Ver- 
schmelzen noch durchaus nicht so fest eingenistet; die betr. Silben 
treten nämlich unter Umständen vors Verbum. Meist treten sie 
alsdann direkt vor das Verbum, sie können aber durch dazwischen- 
tretende adverbielle Begriffe sogar von demselben getrennt werden 
und figurieren dann weit selbständiger. So werden die semitischen 
Pronominalsuffixe eben auch einmal selbständige Wörter gewesen 
sein. — Während man im Semit, also nur sagen kann ra'tHnäka 
„wir haben dich gesehen* und mä ra'sinäka „wir haben dich nicht 
gesehen", sagt man dafür im Ta^ilhSit nzrak (nzra + k) n* urknzra 
(ur -f- k + nzra), ja für ,wir haben dich nie gesehen* sagt man 
urkauknzra (ur nicht , k dich , aük jemals, nzra wir sahen) , wobei 
also der pronominale Akkusativ k durch Sük vollständig von der 
Verbalform azra getrennt ist. 

f) Wenn man die gleiche Vorliebe für eschatologische Stoffe 
auch bei anderen Völkern Afrikas — wir meinen speziell die 
Negervölker — antrifft, so fragt man sich unwillkürlich, ob hier 
nicht irgendwie gegenseitige literarische Beeinflussung stattgefunden 
hat Vgl. die ersten drei Gedichte bei Dr. C. G. Büttner, Antho- 
logie aus der Suaheli-Litteratur (Berlin, Felber 1894) hinsichtlich 
ihres Inhaltes mit den, in Gedicht II vorliegender Sammlung, sich 
vorfindenden Versgruppen eschatologischen Inhaltes oder mit dem 



— 30 — 

Po^me de Qabi, das Bene Basset im Journal Asiatique VII, 13, 
476 ff. edierte und übersetzte, nachdem dies schon einmal durch 
Delaporte (Specimen de langue herbere par J. D. D., Paris, s. d.) 

in ziemlich mangelhafter Weise geschehen war. — Ich glaube 

übrigens nicht, dass sabi Eigenname sei; es ist wohl arab. ^^ 

„Junge* ; das Wort hat der berberische Verfasser entweder irgendwo 

im Orient auf der Pilgerfahi-t gelernt, oder daheim aus klassisch- 
arabischer Lektüre. Das Gedicht behandelt die Höllenfahrt eines 
Jungen. 

g) Die hauptsächlichsten herber. Gedichtsammlungen oder 
Werke überhaupt, in denen sich herber. Gedichte zerstreut mit vor- 
finden, machen wir hier auf S. 21 f. namhaft. — Zum Namen Schluß 
sei nebenbei Folgendes bemerkt: ein 'Angehöriger dieser Berber- 
gruppe heisst Sill^ (s. übrigens die Transkriptionstabelle); §luh 
(wofür man auch Slül?, Slü^, slüSt. ja Sl^b ^^Tt) ist also der Plural. 
Die Sprache der Schluh heisst taschilloiait , oder (arabisch) UIY^el. 
Daneben giebt es noch die Bezeichnung tamazi^ für diese Sprache. 

h) ,Elf Stücke im ^il^a-Dialekt von Tazgrwalt" veröffentlichte 
ich in ZDMG Bd. 48, S. 381—406. — In ungefähr 14 Tagen 
werde ich weitere 35 prosaische Stücke (Märchen, Legenden, 
Schwanke, Tiergeschichten, Fabeln, Scherzreden und Bätsel) im 
Schilha- Originaltext nebst Übersetzung erscheinen lassen, und zwar 
unter dem Titel : Märchen der Schluh von Tazerwalt von Dr. Hans 
Stumme. Leipzig, J. C. Hiorichs'sche Buchhandlung, 1895. 

i) Wie die in voriger Anmerkung zitierte Publikation und wie 
die hier vorliegende, entsprang meiner Bekanntschaft mit jenen 
Leuten unter spezieller gütigster Mitarbeiterschaft des Herrn Pro- 
fessor A. Socin eine das marokkanische Arabisch behandelnde 
Arbeit, nämlich „Der arabische Dialekt der Höüwära des Wäd Süs 
in Marokko" von Albert Socin u. Hans Stumme (des XV. Bandes 
der Abhandl. d. philolog.-histor. Classe d. Königl. Sachs. Gesellsch. 
d. Wissensch. No. I. Leipzig, S. Hirzel, 1894. 

k) Er führt diesen Titel als Nachkomme eines Heiligen (agurräm). 

1) So habe ich, allerdings in Bruchstücken und augenschein- 
lich schlecht redigiert, weswegen ich von einer Publikation hier 
absehe, die Hiob-Sage in poetischer Gestalt bei den Schluß gefunden. 
Diese Ikyst beginnt: 



- 31 — 

Ikystönam aiblis dseidna jüb. 
aseidna jüb aigä dsultSu Vtid, 
igi. tgellin amümen aruk^ä^n-itaBbäd. 
arbby fkanäsen tärwa Ijamstn wrgiz, 
idaznänät nwurtän iggut Imiü^ud, 
Ulli mkäd ntamürgi, tigulzin ajäd etc. 
Übs. (Das ist) eine Geschichte für euch vom Teufel und dem 
heiligen Hiob. 
Hiob war ein edler König. 
Er, der Arme, war ein Rechtgläubiger, und betete ohn 

Unterlass. 
Gott hatte ihm fünfzig männliche Kinder geschenkt, 
und an schönen Gärten hatte er reichlichen Besitz; 
femer Schafe wie Heuschrecken, wimmelnde Haufen waren 
es u. s. w. 
m) Also z. B. in dem in Anm. f erwähnten Poöme de ^abi. 
n) Vgl Gedicht II dieser Sammlung. 

o) Weil, wie die in Anm. k angeführte Hiobsgeschichte schlecht 
überliefert, haben wir hier von der Publikation eines längeren 
Märchens in Versen gleichfalls abgesehen, das Ikyst njäüfrul) l)ssük 
iidukän (die Geschichte von dem Jungen im Schuhbazar) betitelt 
ist. Doch geben wir zur Probe dessen Anfang: 
ikkän jän ddünit, ntän ismens izli nit, 
ita'f jäü3rijäl dtagäijält. Imüt tgä-US. 
tnnä t3aijältelli iuäSijäl, manzä Iwälidönnag: ? 
ahfnu IQig gddünit, manza Iwälidennag? 
manza bäba ulä immi? manza IwälidSnna^? 
manzä nnSbi mu1;^ämmed, aritsudü Iböräk? 
manz4 muläti fatima, tgä zünd aijür? 
manza Siddäd ubnSäd, ür^ asibna ssor? 
ik&nd akinnsörs Ijtassoktan ii4ukän. 
trwä sniSat jän asis'n, aSkü aritbrrdm 
u^ifik^; mkS^r iga li^did, ardibby, ig bSlän. etc. 
Übs. Es war Einer auf der Welt, der hatte einen eignen Namen 
(n. d. Erkl. ^ sein Name ist bekannt). 
Er besass einen Knaben und ein Mädchen. Der Tod ist 

verhängnisvoll (d. h. er starb). 
Da sprach das Mädchen zu dem Jungen: ,Wo sind unsre 
Eltern ? 



— 32 — 

Ich bin verloren auf der Welt! Wo sind die Eltern? 
Wo ist Vater und Mutter? Wo sind die Eltern? 
Wo ist der Prophet Muhammed, der den Borak besteigt? 
Wo ist unsre Herrin Pätima, die wie der Mond aussieht ? 
Wo ist Scheddad Ben Ad, der eine Mauer aus Gold baute ? 
Es ist nun einmal das Beste, wenn ich dich (mein Bruder) 

im Bazar der Schuhmacher unterbringe; 
weil es schön ist, wenn man ein Handwerk versteht. Denn 

es dreht sich um 
der Mantel, und wenn er jetzt auch noch neu ist, so wird 
er doch zerrissen, wenn er viel gebraucht wird (n. d. 
Erkl. = das Leben wird ernster, je älter man wird), 
p) Ged,. m dieser Sammlung. 

q) Die Beschreibung des rribäb (v-^b J|) bei Delphin et Guin, 
Notes sur la Poesie et la Musique arabes, Paris, Leroux, 1886, 
S. 58 ff., scheint meinen Erkundigungen nach auf die Violine der 
Schlulti zu passen. 

r) Das Ig^nbri der Schluh soll drei Saiten haben. Delphin 
u. Guin 1. c. S. 60 beschreiben ein zweiiäaitiges guenibri und ein 
guenbri, welch letzteres speziell die Neger benützen. 

s) ahijäd ist arab. Ursprungs und geht auf eine Y hjt zurück. 
Letztere bedeutet im Arab. «Skandal machen**. Diese Bedeutung 
muss fürs Täschilhäit nun entweder zu »laut singen" oder — was 
ich für das Wahrscheinlichere halte — zu „unruhigen Geistes sein", 
„ruhelos umherstreifen", modifiziert worden sein; ahijSjen wäre 
also nach letzter Deutung etwa „fahrende Leute". 

t) Max Quedenfeldt hat in s. Artikel „Die Corporationen der 
Ul6d Ssidi Hammed-u-Müssa und der Ormä im südlichen Marokko", 
Zeitschr. f. Ethnologie, Bd. 21, Jahrg. 1889, auf S. 572—580 diese 
Art Leistungen sehr anschaulich beschrieben. 

u) Später wurde mir gesagt, diese Höhle läge im Gebiete der 
Ha^a (s. über d. Letzteren Erläuterung 47). 

v) Auch Sldi Hanmiu, von dem wir später reden, wurde aus- 
drücklich als Nichtpilger bezeichnet. Die Worte des Verses 2 
(u. 173) von Gedichtsammlung I fassten die Schluh nur als Phrase 
auf. — Übrigens ist auch der Dichter von Ged. 11 kein Mekka- 
püger (s. das. V. 8 ff.). 

w) Deshalb giebt es auch keine Berufsnominalform zu tama- 
wüst, während zu tandamt als Berufsform andäm sich findet. — 



— 33 — 

Dem tamawüSt der Schlafe entspricht das 3äjär ( .Ue) der arabisch 

redenden Bevölkerung Marokkos. — Für »sie singen einander im 
Spottgesange an'' sagt man im Schil^a: ai*t3eijäm iiigrdtsSn stama- 
wtiSt, auf Arabisch: kaiSeijSru fibaSdijäthum. 

x) Wörtl. »du Hirt des Aufpassens* (ti^Sf = nom. verb. der y ^m^. 

y) Wäre mir nicht ganz ausdrücklich versichert worden, dass 
diese 2 Verse (die wörÜ. lauten: »wenn er herbrächte und hin- 
brächte einen Arm voll Ruten, so könnte er dir eben davon kosten 

lassen , — dein Vater , du Schaf hirte*) in dieser Weise zu 

übersetzen seien, und nicht folgendermassen : »wenn dein Vater 
einen Arm voll Ruten holte, würde er dich schon damit prügeln, 
du Seh.*, — so würde ich nicht jene obige gewiss Manchem un- 
wahrscheinlich vorkommende Übersetzung geben. Es wurde aber 
eben von sämtlichen darum befragten Schlul^ ganz ausdrücklich 
betont, dass bäbäkJ hier nicht Subjekt zu islid, islin und iä&äkis' 
sei, sondern dass es als das Subjekt eines parenthetischen Wunsch- 
satzes mit dem zu supplierenden Verb i^ärg »er möge verbrennen* 
aufgefasst werden müsse; und ebenso ausdrücklich wurde betont, 
dass jene drei 3. Personen virtuell 1. Personen seien. Man hätte 

nach d. Erkl. der Schlul^ ein fulan .pb zu ergänzen, der N. N. 

sei aber gleich »ich*. Ebenso soll übrigens auch das merkwürdige 
isSn in ZDMO 48, S. 387, 4 zu explizieren sein, nämlich als »ich 
weiss*; und damit fiele meine Erkl. (ib. S. 897 Anm. 47), dass 
411a zu ergänzen sei, fort. Es ist mir in keiner Sprache sonst be- 
kannt, dass die 3. Pers. so ganz absolut für die 1. angewandt 
würde; wohl kenne ich Fälle für das Umgekehrte (so z. B. im 
Tupi; s. Julius Platzmann, Grammatik der Brasilianischen Sprache, 
Leipzig, B. 0. Teubner, 1874, s. § 232: mboya Pedro yaixuü 
eine Schlange hat den Peter gebissen, — wOrü. eine SM. den 
Peter: tvir haben gebissen). 

z) Auch sonst, d. h. weiter im Osten des Maghreb, habe ich 
Überlieferungen gefunden des Inhaltes, dass ein Mädchen sich für 
besiegt erklärt, d. h. ihre SprOdigkeit aufgiebt und eine Gunst ge- 
währt, wenn sie die Pointe einer dichterischen Anrede nicht er- 
widern kann. So schrieb ich dem Diktate eines Tunisers namens 
'Amur ben MfiriAn Folgendes nach (in den Versen läset sich 
ZindAli - Metrum [vgl. meine tripolitan.-tunis. Beduinenlieder, S. 86 
sub A 1] erkennen): 

btumme, 0«<lichto d. Sohlnh« 3 



— 34 — 

P6mma tärrfls, jizri fizüi-rtS \6üa umä feallätüSi juslylha. nhÄr 
minnhär&t mSSt tämlä myllbir. tläk&u hü-wyjftha. kam hüwa, 
kälylha 

ja ward elbir, ja SätSäna, 
Sar^ekS^ l^niS mitbeddSlln älwäna, 
IS^r^ kirSu wussm^ misläna? 
^&met htjä kalitlu: 

errgdft rgdftjä, umut^ttijä bu^t^jä. 
Mhib minbSnä, ja wüld elSattäjä! 
kälylha : 

elbir biri wahfartu bsikkfni. 
mä nünM minh^nä, lä msl taStyni. 
glibha bylkläm. rä'kdu. 

(Übs. Es war ein Manu, der lief einem Mädchen nach; sie 
aber liess ihn sich ihr nicht nähern. Eines Tages war sie Wasser 
aus dem Brunnen schöpfen gegangen, — da trafen Beide zusammen, 
per Mann begann und sprach zu ihr: 

^Du Rose am Brunnen, du durstige, 
ist dir wohl eine verschiedenfarbige Schlange begegnet, 
deren Bauch die Erde und deren Rücken der Himmel 
war?" 

Das Mädchen versetzte: 

„Das hier ist mein Umschlagetuch, und ich kann mein 

Gesicht bedecken, wenn ich will. 
Geh weg von hier, du Sohn der, die (sich her)giebt!* 

Da erwiderte er ihr: 

„Das hier ist mein Brunnen, und ich haV ihn mit meinem 

Messer gegraben. 
Ich geh* nicht weg von hier, ausser wenn du (dich) mir 

(her)giebst." 

Jetzt hatte er sie durch diese Pointe besiegt. Beide genossen 

« 

dann der Liebe.) 

aa) Einige Schluh gaben als Geburtsort des S. H. das- Dorf 
Azgerüz im Gebiet Tifnüt an. Das Zentrum von Tifnut liegt 
zwischen dem Schnittpunkte des 31^ n. Br. mit dem 10^ w. L. 
V. Paris einerseits und dem Wäd Süs anderseits. Auf manchen 
Karten heisst der Ort Tifinout (so auf der Karte Fez, d. i. No. 4 
von Afrique, Region septentrionale ; publ. par le Service geograph. 



-So- 
de Tarm^e en 1887). Sidi H4mmi] wird nach jenem AzgSrdz auch 
Sidi Q4mma GozgSrdz genannt. 

ab) Über el-Me&düb vgl. Ren^ Basset, Les Dictons satiriqnes 
attribn^ ^ Sidi Ah'med Ben Tousof, Journal Asiat. 1890, S. 2 
u. S. 7 d. Art. (wo ^ben Medjdonb* u. ,el-Me4]doT]li* übrigens 
Druckfehler sind) u. Delphin et Guin, Notes de la po6sie et la 
musique arabes S. 69 (worauf übrigens auch Basset S. 2 Anm. 3 
▼erweist). £1-Me2^düb stammte aus Miknäs, vgl. D. et 0. S. 70; es 
heisst daselbst: le cheikh Abd er-Bahman ben Mohammed el- 
Medjedoub naquit ä Mequinez ant^rieurement au onzi^me si^cle de 
l'h^gire. Dies ist allerdings eine sehr allgemeine Zeitbestinmiung. 

ac) Vgl. Basset, 1. c. S. 2. Es ist allerdings in Erwftgung 
%u ziehen, dass den Automamen solcher M&nner zahlreiche (aber 
doch wohl nicht alle, wie Basset auf dieser S. gewiss zu streng 
urteilt) Sprüche tragen, die unbekannte Personen aus dem Volke 
gethan haben werden. 

ad) S. Basset L c. S. 6.u. 7, bes. 7 Z. 2—9. 

ae) Vielleicht setzt aber nur die Tendenz, den Sidi ß[4mmu 
möglichst altehrwürdig und als Vorbild der arabischen Spruch- 
dichter erscheinen zu lassen, ihn soweit zurück und sogar vor el- 
Mezdüb (s. S. 9, Zeile 11 ▼. u.) an. Wir nehmen fast als sicher an, 
dass Stdi Qammu später gelebt habe. Besonders 0' weist aus- 
drücklich hierauf hin; denn Agadir wurde ja erst um 1500 von 
den Portugiesen (als Santa Cruz) gegründet und kam erst 1536 
in marokkanische Hände. Nun kann allerdings dies Gedicht dem 
Sidi Hämmu zufWig fUschlich zugeschrieben worden sein. 

af) Der Tadel des (jetzt) treulosen Freundes soll durch das 
Lob der (früheren) Treue des Letzteren in diesem Oedichte ellip- 
tisch ausgedrückt sein. 

ag) Auch Oed. 0', V. 197 — 200, ist hinsichtlich des verwandten 
Inhaltes hier zu erwähnen. 

ah) Die andre Ansicht, dass diese Persönlichkeiten überhaupt 
nicht die Dichter solcher Aussprüche seien, — die also diejenige 
Basset's ist, — führten wir in Anm. ac an. 

ai) ,.,^0^1 JjUl w^3 «r^3 ^1> o[ 

«Ein Braten und ein Bäuschchen, und ein Ritt 
auf einem Rosse von verlässigem Tritt etc/ (Qamäsa y. Rückert 

II, 10, Nr. 408). 
8* 



— 36 — 

ak) Unter Marschall Bandon. In jenem Jahre wurde auch 
die Zwingburg der Eabylie, das Fort National, erbaut. 

al) Po^sies populaires de la Eabylie du Jurjura. Texte Eabyle 
et traduction par A. Hanoteau. Paris 1857. 

am) Vgl. L'Insurrection Algerienne de 1871 dans les chansons 
populaires kabyles par Ben6 Basset. Louvain 1892. Über frühere 
Publikationen dieser Lieder (die von Binn in der Revue africaine, 
Janv.-f^vr. 1887, p. 55 — 71 u. von Belkassem Ben Sedira in s. Cours 
de langue kabyle, Alger 1887, p. 407—417) s. bei Basset S. 2. 

an) Siebenhunderttausend und achthundert christlichen 
Schaaren, wie V. 46 besagt, hat *Alt nie gegenüber gestanden, 
dessen grössten Feinde bekanntlich seine eignen Glaubensgenossen 
waren. 

anl) Vgl. hier (und besonders zu der hier auf S. 17 mit- 
geteilten Geschichte) Alpenburg, Mythen und Sagen Tyrols 
(Zürich 1857), S. 8 (über Hulda und die Seligen, die milden Be- 
schirmerinnen der Alpentiere, den Gamshimmel u. s. w.); dann 
speziell S. 17, Nr. 1 «Das Gemsenfräulein im Kalmthale" und 
S. 285, Nr. 16 «Die beiden Wildschützen." S. ferner dess. Verf. 
Deutsche Alpensagen (Wien 1861) Nr. 161 , 164 und namentlich 
208 „Die Zwerge strafen die Gemsjäger." Vgl. femer Friedrich 
Müller, Siebenbürgische Sagen (Kronstadt 1857) Nr. 32 „Der 
Waldjäger. " Auch an Schillers „Alpenjäger" denkt man hier. 

ao) Askum (31^ 5' n. Br. u. 8^ 40' w. L. v. Paris) liegt auf 
der Karte zu Quedenfeldt's Aufsätzen (die Karte gehört zu Zeit- 
schrift f. Ethnologie 1888) schon im Bräber- Gebiete. Der Name 
lautet auch Asküra oder b. d. Franzosen Haskoura (so z. B. in 
dem Werke Exploration scientifique de TAlgerie pendant les annees 
1840, 1841, 1842 publ. par ordre du gouvernement , Bd. VIII, 
Paris 1846, z. B. S. 163). 

ap) Eine technische Sonderbarkeit beim Gesangsvortrage oder 
beim Bezitieren dieser Iksät oder tandamt-Lieder erschwert aller- 
dings selbst dem Schilh das Verständnis derselben beim ersten 
Anhören; sie werden nämlich in einem tempo furioso gesungen 
oder rezitiert, weil, „wenn sie langsam gegeben würden, der Vor- 
tragende stecken bleiben würde." 

aq) Dies Wort ist speziell der Bräber- Mundart entnommen, 
also einem fernstehenden Dialekte (die drei berberischen Haupt- 
dialekte Marokkos sind bekanntlich das Täriftt im Norden, das 



— 37 — 

Taberberit im S.O. und das TäSil^rit im S.W.). Über die Gewohn- 
heit der Dichter, fremddialektische Wörter aufzunehmen, vgl. 
Stumme, Tripolitan.-tunis. Bedninenlieder S. 12, Z. 28 ff. u. 
F. Praetorius im Literar. Centralblatt 1894, Sp. 1771 unten u. f. Sp. 

ar) Vgl. idaibiftnät „Gärten" in V. 5 des in Anm. 1 mitgeteilten 
Anfangs der lV:^8t ns^idna jüb. — In idaskäkin und ids^änät 
weicht erstens der Pluralezponent ida vom prosaischen id ab, 
femer die Anwendung dieses Exponenten überhaupt, da doch durch 
die innere Wandlung zu skäkin und die äussere zu inän&t der 
Plural von sikkln und ibän schon ausgedrückt ist. Die Plural- 
bildung mit id an und für sich ist aber auch prosaisch; id (das 
wirklich aus dem alten idä „Leute*, „Volk" abgekürzt ist, welch 
Letzteres sich ja bei Stammesnamen noch häufig findet) wird 
speziell zur Pluralbildung von Wörtern angewandt, Ton denen einen 
äusseren oder einen inneren Plural zu bilden man sich scheut, 
d. h. bes. zur Bildung des PI. Ton Fremdwörtern oder Gompositis 
wie etwa idgarro Cigarren von garro od. idbütigra Schild- 
kröten von bütigra. Vgl. Plurale des Arab. oder Äthiop. wie 
xjiy^j^ ^^ od. iKA..PC«'OAl (Praetorius, Aethiop. Gramm. 
§" 114). 

as) Vgl. in dem Liede auf S. 4: Y. 8 nsw^ f. swyg; in dem 
TamawüSt auf S. 8: V. 1 u. 3 igenwän f. igenna; in der in Anm. 1 
mitgeteilten l^^yst: V. 4 fkanasen f. ifkäjäs; in der in Anm. o mit- 
geteilten Probe: V. 8: akinns^rs f. akins^rse^, V. 10 bSlän f. ibla; 
im Po^me de ^abi: Y. 7 rir' anfa^al, Y. 26 l&ib (sing.) a ten 
(plur.) onr izer ian, Y. 61 arallan (plur.) gegenüber idheh'ak (sing.) 
in Y. 60 etc. 

at) Ygl. Lied auf S. 4 u. 5, in welchem eine Apostrophe der andern 
folgt (der letzte Y. lautet wörtl.: und keinen Fils aus Kupfer, — 
still von dir, o TamuzüntI); femer in dem auf S. 8 mitgeteiltem 
Tamawü&t, die Yerse 7 u. 8 (die mit ihren komplizierten Apostrophen 
wörtL lauten: Schönen Dank, lieber Gott, der dich, o alte Jungfer, 
machte, die du f. d. T. M. mahlst!). 

au) Ygl. m Anm. 1 Y. 5: idainänät uwurtdn; das wäre .Gärten 
und jardin8^ 

av) Für pieds hätte er besser sy 11 ab es gesagt in Z. 1 
jener Anm. — Ygl. übr. meine Kritik von Basset, «L'Insurrection 
algörienne en 1871'' im Liter. Centralblatt (1898) Sp. 1051 f., bes. am 
£nde, u. meine Tripolit-tunis. Beduinenlieder S. 39 Text, u. Anm. 81. 



\ 



— 38 — 

aw) Dass von den 23 Beduinenliedern meiner in vor. Anm. u. öfter 
zitierten Sammlung 22 quantitierendes Metrum aufzuweisen hätten, 
glaubte ich in jenem Buche überzeugend nachgewiesen zu haben. 
Es hat aber F. Praetorius im Literar. Centralbl. 1894 Sp. 1772 
meine Erörterungen über die metr. Verhältnisse dieser Lieder an- 
gegriffen; er hält sie für accentuierend. Ich bleibe trotzdem bei 
meiner alten Ansicht. Metrische Fragen und Untersuchungen 
richten sich erstlich allerdings an das Gefühl des Forschenden 
(und das kann als ein rein subjektiver Faktor wohl irre leiten); 
wenn aber die metrische Statistik herangezogen wird, und die Mög- 
lichkeit des Einschubs alter Vokale an konstant denselben Stellen 
sich wiederholt, so darf man schon trotz Einrede bei seiner An- 
sicht beharren. Man versuche das ,nur selten versagende Mittel*' 
des Einschubs eines kurzen Vokals an anderen Stellen des Verses 
als an denen, wo ich dies gethan habe, — da wird es eben 
versagen! — Übrigens hat jetzt HeiT Professor Th. Nöldeke 
mein Verfahren als ein empfehlenswertes hingestellt, „mittels dessen 
man ziemlich leicht quantitierende Versmasse erhalte" (WZEM Bd. IX, 
S. 24). 

ax) Paris, Imprimerie imperiale 1860. 

ay) S. d. später (S. 23 Z. 14 ff.) Gesagte. — Wir können wenigstens 
in Gedicht 11 und III, sowie im Po^me de Qabi, wenngleich wir 
zugeben, dass genug Verse in jenen Poesieen mit einander gleich 
oder ähnlich auslauten, ein regelrechtes Reimsystem nicht ent- 
decken. Wenn wir die verschiedenen Stücke von Nr. I näher mustern, 
so finden wir: überhaupt nicht Reimverse finden sich in H, W, Y, 
A', C, D', E', K', 0' u. a. ; mit Absicht reimen wohl die Verse 
76 — 79 von P, Q, dann etwa B', — oder mit Absicht assonieren 
wohl sämtliche Verse von N, oder von (mit Ausnahme v. V. 70) ; 
es reimen zwar, — doch ist es uns fraglich, ob mit Absicht, — 
3 u. 5 von A, 25 u. 26 von F, 34 u. 35 von G, 194 u. 195 
von F', 243 u. 245 von T, 257 u. 258 von M' etc., — und es 
assonieren wohl, — doch fragen wir uns gleichfalls, ob mit Ab- 
sicht, — 117 gegenüber 115, 118 u. 119 von U, 142 u. 143 
von X, 155 u. 156 von Z, 259 u. 260 von M' etc. — Auf die 
Reime vertretenden ofzoiOTB^evra, wie wir sie in N (61 u. 62), 
ü (115, 118, 119) und in ganz V vorfinden, sei hier schliesslich 
noch aufmerksam gemacht. 

az) Auf S. 114-116, 120, 144-147, 168—170 der „Etüde 



— 39 ~ 

sur la Z^natia du Mzab de Ouargla et de l'Oued-Rir' (Paris, Leroux 
1892)* des gen. Gelehrteo. 

ba) Vgl. S. 4 Z. 27—31 (doch das a in afelnu im 6. Verse 
jenes Liedes ist kein eingeschobenes); Anm. 1 V. 2 (as^idna u. 
wohl auch aigä); im Pofeme de Qabi V. 5 a bism (es wird auch 
V. 1 abism zu lesen sein), V. 12 aloualidaYn u. s. w. 

bb) Vgl. Ben Sedira, Cours de langue kabyle, S. 377^ Anm. 2 Z. 3. 
' bc) Vgl, besonders G' 197—199. 

bd) Es ist hier für Silbenbilden von Konsonanten dasselbe 
Zeichen angewandt worden, das im Transkriptionstexte des ^.Dialekt 
der Höuwära* (cf. Anm. i hier) angewandt wurde. Andre wählen 
(vgl. Sievers, Phonetik, 3. Aufl., S. 40 u. 41). 

be) Dass die herber. Sprachen accentlose sind, haben wir 
andern Ortes (ZDM6 48, S. 882) schon berührt. Wir scheuen uns 
daher nicht, den diktierten Accent für die Metrik vollständig zu 
ignorieren. Es soll aber nicht gesagt sein, dass Sprachen mit 
festem Accente für die Metrik ebenso verführen. 

bf) S. 28 Z. 11 ff. 

bg) Silbentrennung zum Zwecke der Skansion ist von hier ab 
unterlassen worden (und für , ein Ö gewählt worden), um das Wort- 
bild deutlicher hervortreten zu lassen. 



Gedicht- 



L Oedichte des 

(A) 

1. Gott sei dir gnädig, Sidi Hämmu! — Er, der Arme, sagte :^) 

2. Überall auf der Welt bin ich gewesen, oben und unten. 

3. Obenauf in der Welt ist der, der geduldig ist. 

4. Schöner wäre noch die Geduld, wenn sie nicht oft die Genossin 
der Ärmlichkeit sein müsste. 

5. Zeigt Jemand aber einem Nichtswürdigen gegenüber Geduld, 
so begeht er Sünde. 



(B) 

6. Was ist das Schöne an jenen tiefen Brunnen? Das Wasser. 

7. Was ist das Schöne an jenen hübschen Frauen ? Ihre Kinder. 

8. Und gut ist's, wenn für das arme Kind Etwas zu essen da ist, 

9. und wenn es Schuhchen anzuziehen hat und Vater und Mutter 
ihm ein freundliches Gesicht zeigen. 



(C) 

10. Wer an einem Weibe oder an einem Feigenbaum vorübergeht, 

11. der richtet seine Blicke auf Beide, und wenn auch Nichts da 
wäre, weswegen er sich ihnen nähern sollte. *) — 

12. Das Weib, der Wind, der Sklave *), der Löwe und der Strom, — 

13. wer von denen Gutes begehrt, kann doch nur Böses finden. ^) 

14. Ihr Frauen, — wenn meine Mutter nicht eine von euch wäre, — 

15. so sollte ein Feuer für euch bereit sein, und man euch darin 
verbrennen! — 

16. Weibervolk, du böse Saat, du Oleandersamen ! ^) 

17. Wer den geniesst, dem verbrennt er die Eingeweide, und mit 
seiner Buh' ist's aus! 



Proben. 

Sidi Hämmn. 

' (A) 

1. Ir^dmk^ a-sldi h4mmu, is inn&wigellin : 

2. ki^d iddünit afUla, ki^d-äuk izddrns.^ 

3. aHlld nddunit atigän ig-isbär jin. 

4. ifdlki s^bSr, maäan urgin asmün itöd^llit. 

5. ig-i^bär jän igir bSnftdem, dnüb adrürän. 



(B) 

6. mä-igän zz!n nwanaSUi dränin? d&mSn. 

7. mä-igän zz!n ntilli fülkinin? darrau. 

8. ifülki wärraUy i^ illä mä-iKta igellin, 

9. ikän tidukinSns, ifer\^as bäbis dinnäs. 



(C) 

10. tamgdrt dawaddftg^ ntäzärt ig-izri jin, 

11. m)fSY gis-urili ina8-ajä|jdü, i^z^rten. — 

12. tSuUmt dilwä4ä dismltgän dlzem düwäsif, 

13. jän gisen ir&n l^ßr, aisiggil Isftr. — 
14 tum^rin, mräd ar-immi tgä-lli giünt, 

15. tftk&t adauniigiii akuntgisSn-i&der j4n! — 

16. tum^^ftrin, ä-gir zeröSat,. ä^mdiid nnlili, 

17. jän ii&&än, i^arg uddisenSi ärarthännän! 



— 42 — 

P) 

18. Die Wasser vereinigen sich nicht, um nach oben zu laufen; 

nur (abwärts) wie der Bach läuft, fliessen sie. 

19. Und nicht strömt Liebe zu einem Menschen, der habsüchtig ist. 



(E) 

20. Ich bin nun einmal gewöhnt, mein Glück hier auf Erden zu 
gemessen; wenn im Himmel 

21. auch noch ein Teil Glückes meiner harret, so schick' ihn mir, 
mein Gott, auf die Erde herab! 



(F) 

22. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

23. Mein Freund, du verbindest mit deiner Freundschaft soviel 
des Redens; 

24. drum ziehe ich meine Hand von dir weg. Wen du begehrst, 
den magst du zu deinem Freunde machen I 

25. Und, mein Freund, weil es so sein xnuss, so wünsche ich 
auch, ^) 

26. dass du von mir lassest; denn (wegen einer solchen Freund- 
schaft) von den Leuten verlacht zu werden ist schlimmer als 
Krankheit. — 

27. Aber, mein Freund, weshalb bist du denn besser als ich? 
Stolz ist hässlichl 

28. Bist du Seife, so bin ich der Mantel und wir gehören nach 
dem Wesen (dieser beiden Dinge) zusammen. 

29. Bist du ein Oleander , so bin ich der Tikiut-Baum ^) , und 
wir passen der Bitterkeit nach zusammen. 

30. Bist du ein Felsen, so bin ich die Antilope und trete auf 
dich hin. lö) 



(G) 

31. Gott sei dir gnädig, Sldi !Bammu! — Er, der Arme, sagte: 

32. Seit ich mein Auge in meinem Kopfe habe und Sehen kann, 

33. habe ich echte Schönheit ^^) nur einmal erblickt. 

34. Da entbot mich Gott selbst zu ihr. Ich kam von der Jagd 
zurück; 

35. der Weg führte mich nach einer Quelle hiji ^ und da 
fand ich 



— 43 — 

(D) 

18. urartmünn wSmän düwifa, arilli ablä^^sif. 

19. ürarttmün Imubjbba db^nädem iggam^but^mä^. ') 



(E) 
20. larzRk nwäk^äl admiära^, imm&^Kgenwän 



21. ig üngis-illäD, jRrbby zngziitön süwdkJäl! 

(F) 

22. irhamk^ a-8idi bammu, is innd^lgellin : 

23. aja^äbfb isugüten tidükkSla dlzmSat, 

24. usi^-gik^ afiusinü, Egwänna trat ig-winnun! 

25. aja^iSbib dQSä-ükan, ji^ äi\Kn, 

26. aiitfllt, a-w!nu, tnra tä^sä' nin'ddn &\^n. 



27. aja^äbiblno, mas iitüft? IkibSr jü^^Snl 



28. ini tYgit §äbün, ng-a^alk^, nmün ä^lün. 

29. ini tigit alili, nig-tikiut, nmün Sglbärr. 

30. ini ügit azarif; nig üdäd, niUd füläkJ. • 

(G) 

31. ir\^amk^ a-sldi ^ammu, is inn&^igellin : 

32. akra tk4 tyttüio ^i^flno, arzarag, 

33. afulki dff!n ur^ün-zgri^ abl& jäüwi^ss. 

34. iümerli 8^r8 ilAhi, tagumürt aj^d-64y^, 

35. inwiid ngaras ariggi nliein, a^d-üfi^ 



~ 44 — 

36. zwei Mädchen, die einander ganz ähnlich aassahen. Die' eine 
von ihnen 

37. glich einem neuen Shawltuche '^, das der Ausrufer eben 
wieder zusammenlegte.^^) 

38. Kennst du den Hyazinth oder die flachen Ohrringe mit Namen 
Butgftmmut ? i») 



(H) 

39. Gott sei dir gnädig, S!di Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

40. Wo dich des Wassers Geräusch nicht stört, — hüte dich 
davor, dass dieser Ort deine Heimat werde! 

41. Aber Tinzärt, Tam^^t und Tiüt^®), welche Orte die besten 
des Süs sind'") (wähle dir als Wohnort)! 

42. Auch euer. Thal, ihr Imentägen^**), ist gut. 



(I) 

43. Gott sei dir gnädig, Sldi ^ämmu! — Er, der Arme, sagte: 

44. Einer, dem du Nichts giebst, fühlt sich auch nicht bereit, 
dich zu begleiten. 



(K) 

45. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

46. Aus Liebe zum schnöden Gute lässt sich der Wasserverkäufer 
»Herr Wasserinspektor* titulieren ^®) 

47. und nimmt dich, Glöckchen, her und klingelt dich vor Jedermann. 

48. Die sündhafte Geldsucht! Sie ist die Ursache, dass sich der 
Mensch vom Mitmenschen trennt. 

49. Die Geier sind Brüder im siebenten Himmel; 

50. nähern sie sich aber der Erde, so trennen sie sich: sündhaft 
ist die Geldgier! 

51. Gott sei dir gnädig, Sldi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

52. Du treuloser Mantel, ich fürchte von dir, 

53. dass du mich bis auf die Höhe des Berges begleitest, wo 

54. es kalt ist, und mich, du Mantel, dort verlässt. 



(M) 
55. Gott sei dir gnädig, Sidi ^ämmu! — Er, der Arme, sagte: 



— 45 — 

36. snät ürbStiD ^^ ngäddeni ajät gisent 

37. zdd Sabrok Uzdld isnöda udlläl. 

• • • 

38. tissänt ljako4 nag-ainu^edi butgdmmut? 



(H) 

39. ir^ämkJ a-stdi ^ammu, Is innäwigellin : 

40. ainna ^kur-ziwizSn wämän, ha&a aigj Imäkäa. 

41. unzart, tamS^t, tiüt, afibna süs. 

42. nla asifädSnnun, a-iment&gen, ilyk. 



a) 

43. ir^iamk^, a-sfdi ^ammu, is innäwigellin : 

44. jän m^urtäkkÄt 1»), urisrawül adidW-imün. 



(K) 

45. irt^dmkJ, a-sidi ^4mmu, is inn&wlgellin: 

46. lätmftS ndduDit aßga^ügerräb ISmio, 

47. asink^, a-nä)j[06, arkkätn ikujän. 

48. aja^är&m att&m&S! aisingfträn bSaädem düwyja^. 
i9. gänd igftdärgn Sltmäten agwyssiwigenw&n ; 

50. elli^ dltkimen ftkäl, b^tm: a\^r&in aiga tt^maS. 



(L) 

51. ir^amk^ a-sldi )^ammu, is innä^igellin : 

52. warlämän ^jafaggünu kBÜ4a^-giun 

53. ada\)tawit arafilla ondr&r, ägaitili 

54. usSminy^y igafaggonu, tfüma^-gis^nt. 



(M) 
55. ir^amV a-sldi )^4mmu, is innftwKgelliii : 



— 46 - 

56. Geh weg! Ich lasse dich ziehn ohne mir einen Andern an 
deiner Stelle zu wünschen. Wenn du 

57. die Schlüssel zu meinem Lebensunterhalte hast, so verschliesse 
ihn Tor mir! 



(N) 

58. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

59. Hinweg mit dir, der du sagst, die Liebe mache nicht wahnsinnig! 

60. Sie sei dir auf dem steilemporführenden Wege dort, und deine 
Eniee seien schlaff! '^) 

61. Sie sei dir auf den Flügeln der Heuschrecken und wolle nicht 
auf die Erde herab! 

62. Sie sei dir beim weissen Falken und wolle nicht herab! 

63. Sie sei dir beim goldschimmernden Fische, der tief ins Wasser 
taucht ! 

64. Sie sei dir beim weissen Bosse, das in die weiten Ebenen 
hinaussprengt ! ^^ 

(0) 

65. Gott sei dir gnädig, Sldi Hämmu! — Er, der Arme, sagte: 

66. Wenn dich Jemand durch eitles Gerede bethören und be- 
schwatzen will,*^) 

67. so lässt er dir Honig in dünnem Strahle (vom Himmel) bis 
auf die Erde tropfen;^*) 

68. er schenkt dir Gärten, — doch Früchte sind nicht darin; 

69. er giebt dir eine Wasserlache auf einer Bergspitze, — Wasser 
kann sie nicht enthalten; 

70. er sagt dir, dein Vater werde wieder lebendig, — und er ist 
doch tot; 

71. er giebt dir ein Kamel, dass du auf ihm das Pferderennen 
mitmachest ; ^^) 

72. er g^ebt dir ein Haus in der Einöde, — Niemand wohnt sonst da; 

73. er schenkt dir einen Acker auf steinigem Boden, hart ist der 
Grund! 



(P) 

74. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu; — Er, der Arme, sagte: 

75. Was kann ich von einem Freunde erhoffen, — oder wiederum, 
was kann er von mir erhoffen, — 

76. wenn er mich nicht aus Gefahren be&rfen kann, — 



— 47 — 

56. zigzät, ärzüm&^k bSlä dämen, ini dkiin. 

57. addär tisöra n'*rzkyno, örgiltön filläg. 



(N) 

58. ir^amk^ a-sldi hammu, is Innäwlgellia : 

59. zigz, a-jän innän Imu^ybba urarthüwal! 

60. ad&ktil! gusäun, gin ifädgn^nk^ ftmän, 

61. adäktüi ^S ntamürg, i&g^f ftkÜl. 

62. adäktüi glbaz umllll, t&g^y äk^dl. 
68. adäktili ^slto am^g, idd'm ämän. 
64. adäktili ^jis Iböj, ifkt izö^ar. 



(0) 

65. ir^amk^ a-sfdi b^nimu, is inniwlgellin : 

66. ig-ira kra akiknd, ifkäkt iwawal, 

67. arakisk^^r izerza ntämmänt aräk^äl, 

68. arakiskJ^r s&rbät, Iah la^llät, 

69. arakisk^^r .if8r4 ^afa, lä^i äm&n, 

70. inniyäk bäbäki ad^bju, m^8:r immüt, 

71. fkinaun aram aistärmt amawal, 

72. isVMk tiglmö gla^üa a^-urilli jdn, 

73. isk^Sräk ta^rza ^sli SUi nit ismmän. 



(p) 

74. ir^amk^ a sidi ^4minu, is innäwYgellin, 

75. nkin ma-dri^ amd&kul, üla ma ira, 

« 

76. i^-iirizdar aiikis itamäriwin, 



— 48 — 

77. und wenn auch ich ihm nicht aus der Not helfen kann! Besser 
ist's dann, ich verlasse ihn. 

78. (Und ebenso ist's besser, ich verlasse ihn,) wenn er nicht auf 
ein Bohrblatt zum Gebete hinknieen kann 

7d. und wieder herunterspringen kann, ohne dass es zittere, und 
ohoe dass er es bewege. 

80. Wenn er nicht in einem Strome schlafen kann, und ihn ganz 
austrinkt 

81. und den einmündenden Bach noch austrinkt, und noch weiter 
nachsucht, wo sich Wasser finde. 

82. Wenn er es nicht vollbringen kann, zehn Mann unter seine 
Füsse zu treten und noch zehn andere zu töten, 

83. dann noch zehn zu betäuben ^% und nochmals zehn zu töten, 

84. und andere zehn den Stahl riechen zu lassen, und weiteren 
zehn verfolgend nachzusetzen. 



(Q) 

85. Gott sei dir gnädig, Sldi Hdmmu! — Er, der Arme, sagte: 

86. Wo ist der, der sagt, er sei krank? Ich will ihn heilen, 

87. wenn ich auch, als ich krank war, nicht von ihm sah, dass 
er mich besuchte. 



(R) 

88. Gott sei dir gnädig, Sidi l^ämmu! — Er, der Arme, sagte: 

89. Geh fort, mein Freund! Du hast mich betrogen. Nun möge 
Gott zu Lug und Trug werden lassen 

90. deinen Glauben an die Welt,^^) der dir mehr wert ist als 
das Geld, das teure, und als deine Besitztümer! 



(S)2^ 

91. Gott sei dir gnädig, Sldi Hämmu! — Er, der Arme, sagte: 

92. In den Tagen, wo ich dich, mein Freund, aus der Bedrängnis 
befreien durfte, 

93. da besassen wir (Alles) gemeinsam : ehrliches Gegenübertreten, 
mit Liebe verbunden, und auch gemeinsamen Leichtsinn. 

94. Niemand trat zwischen mich und dich, Gott allein ausgenommen. 

95. Einst nahm ein Friedenstörer seinen Stab und wanderte, 

96. bis er an die Thür des Hauses dessen gelangte, von dem ich 
jetzt rede. 



— 49 - 

77. ig-urzd&rag atkisag iw7J8^4 fila^tin. 

78. ig-ürizdar ani^^Sl gtfer u^f&nim, 

79. jSk^yd uri^udS^ ulä ismussätin; 

80. ig-drizdar aigin ^äsif, isat Suk, 

81. isa tärg^ä, arisigÜ ma-gilld wämän; 

82. ig-ürizdar ajädd imSr4u, n^ mSr&u, 

88. gin mSr&n dülV^&b, arsnl-näVV^i^ mSrau, 

84. iskSdö imSr&u Ih^nd, arittäi mSrän. 



(Q) 

85. ir^^mk^ a-sldi \^4mmu, is inniwlgellin : 

86. manzik^, a-^wSlli inDftn 8^<}nä^? akftdsaw&g, 

87. elli^ nlt Ü4nä^, urint-nzrd &n-ik därna^. 



(R) 

88. ir)^4mk^ a-8ldi ^4mmu, is inD&wtgeUin, 

89. zigz&t, a-wlnu! tu^dörtnna^, aki^dör iKbhj 

90. j^izrink^, tofäk Im&l iä&^mto dlarz&^kM 



(8) 

91. ir\^4ink^, a-sldi ^4mma, is innilwlgellin, 

92. 4ss Slllg rig ak&sig, a-wlnu, \)tassäst, 

93. nSirk didk^ nnlt dlmu^^bba dtödüwait. 

94. urdgi^adir abU^rbby ingri didk^. 

95. i&si niinuKS nt4 BakkftzSns, iz^id 

96. elli^ Djilkim imi ntiglm^ nä^Slli ds^wala^. 

Stumnie, Godicbt« d. Scbluh. 4 



— 50 — 

97. Mein Freund fragte: »Wer klopft?" 

98. Der Priedenstörer versetzte: „Mich haben die und die Leute 
hergesandt : 

99. wenn du Geld wünschest, und haben willst, dass ein Treu- 
bündnis zwischen mir und dir zustande komme (so ist mir s recht).** 

100. Da entgegnete jener (mein Freund), mit dem ich Bittres und 
Süsses gemeinsam besitze: 

101. „Geh fort, du Friedenstörer ! Ich will nicht zum Gelächter 
der Menschen werden." 



(T) 

102. Gott sei dir gnädig, Sidi Hämmu! — Er, der Arme, sagte: 

103. Als ich einst auf Reisen ziehen wollte, — denn so war mir 
in den Sinn gekommen — 

104. da nahm ich gebranntes Mehl mit Honig und Butter (als 
Beisekost) von daheim mit 

105. und klopfte noch an demselben Tage bei Sidi Sa*id, dem 
Scherif,29) an. 

106. Der wartete nicht erst, bis seine Sklaven (nach der Thür 
liefen), sondern rief: „Wer klopft?" 

107. »Herr," versetzte ich, „ein reisender Sänger ist*s! 

108. Mein Freund weilt da, von wo mir keine Kunde kommen kann." 

109. Da versetzte der Heilige: »Sei gegrüsst, Bruder! Bleib einen 
Monat fort und komm wieder! 

110. Ich will dir ein Amulett anfertigen, das dir Kühlung von 
deiner Liebeshitze bringen möge." 



(U) 

111. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

112. Der Weg des Herrn und der der Lust wollten wetten. •^^) 

113. Der Weg des Herrn sprach: »Ich wette nicht mit; 

114. Ich wünsche bloss die (Gebets)zeiten richtig zu treffen und 
demütig sein zu können; 

115. sterbe ich £^ber, so gehe ich dahin, wohin zu gehen mein 
Herr mir befiehlt." 

116. Der Weg der Lust aber sprach: »Ich wette! 

117. Mein Wunsch ist, meinem Herzen recht viele Freuden zu 
verschaffen und mit den Schönen nach Herzenslust tändeln 
zu können; 



— 51 — 

97. inn&ezd un^^ablno, m& dizdoWorn? 

98. innäsen unnaS^ m^'ddn-kft da^d-isirfSn. 

99. atini trit Imal, aik^ lämän grii jidkJ 

100. innäezd ä^wSlli dni^^rk imerzig^ dimlmSn, 

101. sir, äjanuäS! nki xurogi tä(ssS^ nm^'ddn. 



(T) 

102. ir^4mkJ a-stdi t^anirau, is innäwYgellin, 

103. dss 8111^ ri^ amüdda, ikütid ^Is4k6l, 

104. asi^ Ibsls ntämmänt dwd^y ^tiglm^nna^. 

105. a-sidi 8iAä i^i^rif ntän assä zdo|^|^6r6^. 

106. uri^yl sismlgftn, inn4 ma-dizdok|^6rn ? 

107. ni^s, a-sidi, j&n ssijäh num^rg^; 

108. ill4n wa^Sblb a^mä oriiilklmgn la^b&rgns. 

109. inn^y bftrrftk&t, a-^tlja, kin dljür, t&4nmd; 

110. adäknskir jäUh^i^Sb ma-kisberr&den. 



(U) 

111. ir^ämk^ a-sldi ^4mmu, is innäwlgellin, 

112. a^ras nr&bb^ düwin Ihawa mid^^edn. 

113. innfts win r&bb^, nkin urar-diatibada^ ! 

114. i^-nkS^o Dgumer ISu^ät, nig u-t^ät: 

115. i^-müte^, innä^^Ira ftrbb^no, zrigisSn. 

116. innfts w;^ Ihawa, nkin aidza^hddn. 

117. ig-nk^S^n wynnsag ulino, imaSag dintren; 

4* 



— 52 — 

118. sterbe ich aber, so gehe ich dahin, wohin zu gehen mein 
Herr mir befiehlt. 

119. Befiehlt er mir nach dem Höllenflusse zu wandern, oder nach 
dem Paradiese, — ich gehe hin!**) 



(V)89) 

120. Gott sei dir gnftdig, Sldi Qammu! — Er, der Arme, sagte: 

121. Ich bin in der ganzen Welt gewesen, — aber nichts (Schönes) 
giebt es ausser Tunis. 

122. Du Herrin Tunis, o Tunis, — ja, du bist Tunis! 

123. Gott möge dich vernichten, o Welt, — nur Tunis nicht! 

124. Und alle Bäume auf der Welt, nur die von Tunis nicht! 

125. Und alle Paläste der Welt, nur die von Tunis nicht! 

126. Und alle Freude auf der Welt, — nur die von Tunis nicht! 

127. Und alle Mädchen auf der Welt, — nur die von Tunis nicht! 



(W) 38) 

128. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

129. Was meinst du, du kluger Mensch? 

130. Was ist das Paradies der Erde? Ist's ein Lied? 

131. Oder ein Freund, der dich liebt, und der deinem Herzen an- 
genehm ist? 

132. Oder ein Pferdchen, das du von klein aufgezogen hast? 

133. Oder jene blanken Duros,^*) — wenn du sie abzählen kannst? 

134. Oder Butter und Honig, wenn man es dir in einem Schüssel- 
chen mischt? 

135. Sind die Datteln süss, wenn sie am Fruchtbüschel reif werden ? ^6) 



(X) 

136. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

137. Ich war auf einem Friedhofe, — da sprosste Gras über den 
lustigen Gesellen 

138. und den fröhlichen Mädchen, die doch nicht verdient hätten, 
unter die Erde zu müssen. 

139. Ich wünschte, dass Gott den Armen gnädig sein möge. 

140. Aber Gott hat dem Einen, der eines fröhlichen Mädchens 
Herz betrübte, 

141. die grimmigsten Schmerzen ^7) geschenkt, die ihn töten mussten ; 



— 53 — 

118. i^-mute^, innä^Yra ärbbyno, zri^sSn, 

119. ira wäd-sS^kar, ira l!^''nt, zri^sSn. 



(V) 

120. ir^4mkJ, a-sidi ^jjiammu, is innd^lgelliD, 

121. nki-kig küllu ddünit, aurilli dbla tünis 

122. lälla tiinis, ä-tünis, Söid^y wahiä tünis! 

123. akmiti^516 rbby, a-ddünit, 4bla tünis, 

124. vl& laSz&r nddünit, urilli 4bla tünis, 

125. nid lbSn4 nddünit, nrilli abla tünis, 

126. ulä lezhu nddünit, urilli abla tünis, 

127. ul4 IbSn&t nddünit, urilli äbla tünis! 



(W) 

128. ir\^ämk^, arsldi h4mmu, is innäwlgellin, 

129. ara, mastnnit, a-j&n iSät^rn ^\ik]f&\? 

130. ara, ma-igän l&'^mit nddünit, izd amörg^? 

131. nä^d-ahbib ir&k uk''8;n, imün dl^&t^r? 

132. nägd-^Sdd&ä, i^-atntrbüt S^m:^f|? 

133. n^-4jäd dgrri&l umUÜ i^ arüit^asäbt? 

134. n&^d-ü4y tämmant««) akifedllStn htimkilt? 

135. is imim b^t^b, i^-ismdi ^t&l&it? 



(X) 

136. ir^ämk^, a-s!di ^4romu, is innä^Igellin : 

137. nkkä fyU^kb^, timgl tüga fihuawin 

138. üla tihuawijin, imm^urig^ igguz ik&lSn. 

139. adasndäsä^ atmr\^4m ärbby igellinn. 

140. imoiwärbby sYjän itgijärn tfthuwawyt, 

141. adasifka arbby ailgäz^^) nlm^anzar aünu^; 



— 54 — 

142. dem Andern schenkte er euer Blei, ihr Gewehre, 

143. oder er schenkte ihm eure Wunden, ihr Dolche. 



00 

144. Als ich hei meinem Freunde einkehren wollte, ^^) da sagte 
mir seine Mutter: „Er ist nicht im Hause, 

145. er ist eben hinaus, — die Leute trugen ihn." 

146. Da begann ich zu weinen, und die übrigen Sänger weinten. 

147. Ach, die Welt kann dem nicht Lebewohl sagen, der seinen 
Freund so schnell wie ein Dieb verlassen muss, 

148. und hätte er auch seidene Teppiche zum Hinbreiten und 
edelste Bosse zum Reiten. 



(Z) 

149. Gott sei dir gnädig, Stdi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

150. Weh mir! Ich verirrte mich! Nimm, o Wind, meine Botschaft 

151. hin zu Vater und Mutter und sag ihnen, ihr Sohn habe sich 
verirrt ! 

152. Anderthalb Jahr ist's nun, dass ich von der Heimat getrennt lebe, 

153. und dass du, Mutter, in der Hausflur weinst. 

154. Morgenwind, auf, wehe durch die Thüre 

155. und bring meinen Gruss der Aischa, der Mirjam und den 
übrigen Schönen! 

156. Färben sie sich wohl noch mit Henna in der Hausflur? — 

157. Vater und Mutter, sendet mir euren letzten Segen, 

158. damit ich nicht mehr auf der Welt umherzuschweifen brauche! 

159. Sterbe ich jetzt, so gehe ich dahin, wohin zu gehen mein 
Herr mir befiehlt. *^^) 

160. Befiehlt er mir, nach dem Höllenflusse zu wandern, oder 
nach dem Paradiese: ich gehe hin! 

161. Ja, ich bin verloren und habe Niemanden, der, meine Hand 
erfassend,*^) 

162. mir die Richtung nach meiner Heimat zeigen könnte. 

(A') 

163. Gott sei dir gnädig, Sidi Hämmu! — Er, der Arme, sagte: 

164. Erprob deinen Freund und schenk ihm reichlich Geld! 

165. (Verlangt er dann noch mehr und) zeigt er sich geldgierig, — so 
soll er dich nicht arm machen, — behalte deine Habe für dich ! 



- 55 — 

142. nä^-asifka arrsas^nnun, a-ibürin; 

143. nä^-asifka tiggäsSnnun, a-iznüwin. 



(Y) 

144. amä^ra^ iwinu, tnnäiid m&s, urgis-illi, 

145. bähra nuk^Sfn-iflFii^, usintin m'ddn. 

146. orri^d arälla^, aräUan alt um^rg^. 

147. urärtatfii4 ddunit jän, jy^der wins, 

148. mkSfr issa laferSr, isüdiu f^hbarin. 



(Z) 

149. irlt^imk^, a-s!di (^ammu, is inn&^lgellin, 

150. alt^inu zli^; awi ajä4u la^barlnu 

151. ib&ba ul4 immi, tnnltäs ii^lä jük^. 

152. asseg^es düzSgftn ajäd ki^ itigtmenna^ 
158. anik^ä^n-t&llämt, aimmi, ^gumiten. 

154. a-rrilt^ nsbä^, aiwa arstära igr-im&un, 

155. awid ladbar iäawli^a dmörjem dinlren! 

156. is asul-grjiinant l^äxina gigamlten? 

157. a-bäba üla immi, §ärfiid arrS^äDnunt, 

158. ajis-nst&ra agiggi nddunit bynnS^J^sI 

159. i^-müte^, ainna ira maläna, zri^sen. 

160. ir4 wäd-sä^är, ira li'^nnt, zri^sen. 

161. a^tnu iM^, urdäri mada^kV^äm 

162. afifüSi arda^m^l a^aras ntigim^nna^. 

163. ir^Ämk^, a-sidi (^ammu, is inn&^lgellin, 

164. iSrrSb amdftkul, tf kimas kigän dlmftl, 

165. ini iga a(mm&3, akuriS, amzat aid&oDun. 



— 56 — 

(BO 

166. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

167. Der Tauber auf der Mauer klagt, der Arme. 

168. Was fehlt ihm ? Was macht ihn weinen ? Er hat Tauben erblickt. 



(CO 

169. Gott sei dir gnädig, Sidi Hämmu! — Er, der Arme, sagte: 

170. Wie ist dir s, mein Freund, jetzt ums Herz? Ist Alles nun gut? 

171. Da ich jetzt aus deiner Hausflur gegangen bin, habe ich dich 
zum letzten Male besucht. 



(DO 

172. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

173. In der Welt bin ich überall gewesen, — oben und unten ;*^) 

174. aber Nichts ist schöner als daheim zu sein bei Weib und Kind, ^ 

175. und wenn man auch nach dem Abendbrote auf der blossen 1 
Matte schlafen muss. i 



(EO 

176. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

177. Ich rate dir, wenn dir zu raten ist, — *^) 

178. ich rate dir: kein Jude möge bei dir wohnen! 

179. Denn wird bei euch ein Ei gelegt, — gleich richtet er seinen 
Blick darauf. — 

180. Ich rate dir, deine Schwiegermutter möge nicht bei dir wohnen 

181. und nie soll sie ihre Tochter nach ihrem Hause mit wegführen. — 

182. Ich warne dich vor dem Blinden, — er möge nicht dein 
Nachbar sein ! 

183. Wenn du einmal seine Tochter prügelst, so kannst du bei 
andern Leuten zu Abend essen. — *^) 

184. Ich warne dich vor dem Lahmen, — er möge nicht dein 
Nachbar sein! 

185. Er wirft seine beiden Krücken fort, wenn er seinen Vorteil 
wahrnehmen will. — 



(PO 

186. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

187. Den Friedenstörer und den Neidischen, — Gott, bringe sie 



— 57 — 

(BO 

166. irlt^amkJ, a-sfdi It^dmmu, is ionä^tgelliii, 

167. aj4tbir ntäma nssör, arjälla igellio. 

168. mattja^, mattisäUän? izrä titbirin. 



(C) 

169. ir^ämk^, a-sldi It^ammu, is innä^lgelliD : 

170. raanzäkin, a-wlnu, dl^St^r, is iSadel ^il? 

171. elli^d nffiig imi ntiglm^nnun, nffd^ d^inin. 



PO 

172. irlt^amk^, a-sldi h4mmu, is ionä^lgellin, 

173. ki^d iddünit afiUä, kigd-säk izd^ms, 

174. zi^d is urilli ma-kimidfiD, a-läbSl, ijän, 

175. ki^-jäd ll&n imensi, giinn ^iggi ugerttl. 



(E') 

176. ir\^ämk^, a-sidi bammu, is inDäwlgellin : 

177. aküssä^, tini giün ma-itüssu jän, 

178. akus^ög, ban udäi aurgin adzftrenk^! 

179. aduk^S^n-tö^Sfr tagläit, si^ asgän ümmSl. - 

180. aküssä^, tadeg^'^lt aurtili ^tämänk^ 

181. urzü-tseik illis a^4ras ntiglmöns. — 

182. akiis§&^ fob6kä4, aurgin adi^&renk^! 

183. aduk^S^n-tutt illis, imeosiDnun ^der-m^ddn. 

184. akus§&^ fokxL&äm aurgin adi^ärenk^! 

185. arSük-itlwS^ st-Sakkäzen, i^-izra tins. — 



(F) 

186. ir^amk^, a-sidi ^ammu, is innä^Ygellin, 

187. anuwO dam^^sAd, atn-S^rbby-tawit 



i 



— 58 - 

188. bis an das Tbor der Hölle, dass das glasende Feuer sie ver- 
zehren möge! 

189. Denn sie trennen von einander Fleisch und Knochen, die 
doch zusammengehören; 

190. sie trennen die voneinander, die schon ein Treubündnis ge- 
schlossen haben; 

191. sie trennen Einen von seinem Vater, seiner altbewährten 
Freundin, seiner Mutter. 

192. Was gebührt dem Friedenstörer? Sag mir, was er nötig hat! 

193. Man möge ihn verbrennen und seine Asche ^^) worfeln, dass 
sie**) der Wind verstreue! 

194. Oder ein Brunnen, sieben Menschenhöhen tief (sei für ihn 
bereit), — oder sieben Dolche, — 

195. oder sieben Kugeln, von denen jede ^uf die andre zu sitzen 
kommt. 



(G') 

196. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

197. Agadir*^) nennt Säbel sein Eigen. Du besitzt, 

198. Mogador*®), Geld in reicher Fülle. Die Ha^a*") haben 

199. ihre prächtigen *^) Flinten, welche aufgelegte Silberverzierungen 
bedecken. 

200. Marokko, du bist der König der Wollschnuren ! *^) Du besitzt, 

201. schöne Herrin, den schlankesten Wuchs, — kerzengerade 
bis auf den Boden, — 

202. und schwarzes Haar, — und (wiederum sag' ich's:) kerzen- 
geraden Wuchs. Du nennst, 

203. Sonne, die Strahlen dein. Du besitzt, — 

204. ja, du besitzt, o Bernstein, den goldigen Schimmer. Es 
haben, — 

205. ja es haben die Tännän ^^) ihre Reitertruppen. ^^) Aber mein 
Eigen 

206. ist eine nichtswürdige Freundin ^*) geworden ! Sie will ich 
töten. Was brauche ich von ihr? 

207. Doch sie hat sich nur selbst betrogen. Denn mich 

208. hat sie nicht betrogen. Sie wurde schlecht, — da Hess ich 
sie allein. 

209. Kehr um ^^) , mein Ochsenpaar (und komm) hierher , von wo 
ich dich allein ziehen liess! 



— 59 - 

188. arimink^, a-lSadäb, artni&ti ifiü! 

189. arS^ttän üfia di^san-SUi münniD, 

190. arS^tt^ wylli j&d ismün kra-nl&mSn, 

191. arä'ttän jän dbäb&s ^ennäs üla m&s. 

192. anuw&& mädäs-iggän ? mlii matti^assan! 

193. ati^4rg j&n, izüzzSrt, jdwit äuk Srrth; 

194. nä^-&nu ns8& tid&d, n&^-ssa dlkummijät; 

195. nä^wSsi tarrsäsin, adurtänf j&t ijät. 



(6') 

196. irhämk^, a-sldi ^ammu, is innäwlgellin, 

197. iwi ugadir idaskäkin. atawit, 

198. a-tS^s§&rt, hn&l iggütD. awin i^a\^an 

199. iburin liidid, anfillän i^^ero. 

200. a-murrakS, agSllid iifUän! atawit, 

201. a-l&lla, kimin tiddi iriiSSn aräk^ftl, 

202. azz&r i^Mn, tiddi irii&Sn. aUwit 

203. a-tafuktad iznzar kiin. atawit, 

204. atdwit kii, a-lubftn, tSuar^. aiawi, 

205. aiawi utänn&n IgSuma. awi^ nkin 

206. gir a^^btb, ira-da^u^. ma tnrig? 

207. wallänni ij^dSr i^föos. 4mma nkin 

208. urd^Jüdir. is iga ISftr, uk^ffn nfilt. 

209. T^\ä a-tajöga, sä^li j^ama-rzümä^. 



- 60 — 

210. Ich will das ganze Feld noch pflügen. — 

211. Du schlechte Freundin, — wer zu dir kommt, der möge 
verdorren! 

212. Du schlechte Freundin! Bei Gott, — es ist hesser, wenn 
du gar nicht hier weilst! 

213. Weg mit dem Rinnsale, das mir von dir her Wasser bringt! 

214. Wenn ich dich auch sehe, so begehre ich doch Nichts von dir. 

215. Du Traube, der dir die Raben die an dir hängenden Beeren weg- 
gefressen haben ^*), — 

216. wenn ich dich auch sehe, so begehre ich doch Nichts von dir. 

217. Du Traube, für die die Olive ihre Kinder am Wassergraben 
gebiert ^^), — 

218. giebt's, bei Oott, keinen Falken? Oiebts keinen Jäger, 

219. dass ich ihn den Raben töten liesse, der auf deinen Beeren sitzt ? 



(IT) *«) 

220. Gott sei dir gnädig, Sfdi H4mmu! — Er, der Arme, sagte: 

221. „Ich will keinen Garten haben, der dicht am Markte liegt; 

222. denn wenn er auch umzäumt ist, so wird (allmählich) doch 
ein Weg hin durchgetreten werden." — 

223. „Wenn Einer einen schönen Garten hat, und wenn sich Wasser 
darin findet, 

224. (so muss er bebaut werden). Wenn er nicht bebaut wird, 
dann verlangt das Gesetz, dass der Besitzer ihn verlasse.'^ — 

225. „Vater, ich wundre mich, dass der Mann hier ein Besitztum 
käuflich übernommen hat und beabsichtigt, 

226. seine Ochsen einzuspannen, um darin zu pflügen, ohne das 
Geld für den Kauf bezahlt zu haben.* — 

227. „Grosser Gott, — der fromme Mann muss Zeit haben! 

228. Er kann ja seine Ochsen einspannen und dabei allmählich 
bezahlen.* — 

229. „Guter Gott, — weisst dus denn nicht, Vater? 

230. Dein Sohn ist des Landes verwiesen. Die Wüste ist's , wo 
er alleinig weilt. 

231. Die Kälte ist seine Reisekost, die Thränen seine Speise." — 

232. «Ach, mein Vater, du hast mir kein Pferd gegeben! 

233. Alle Leute reiten, und ich muss hinter ihnen her zu Fuss laufen. 

234. Wenn du mir nur wenigstens eine Sohle (auf meinen Schuh) 
genäht hättest! Das wäre fast noch besser als ein Pferd." — 



— 61 - 

210. ydrfan wamüd asri^ atnkimmXlag. — 

211. gir abblb, krä d^rW ikkän, ikkffr-it 

212. gir ahblb, uM, ariüf i^-ürUftn. 

213. bynnSks ntärg^ä derW itawin ämän! 

214. mkSr arkintämnäd, urgik^ ndemSftjäd. 

215. ajäd^l, mu4Sän igdwärn tämännun. 

216. mkS^r arkmt&mnäd, urgik^ ndemSajäd. 

217. aj&4il» mu-türu zzit gisöra wämän, — 

218. aU4h, is4a)^ Ibäz, is-lä)^ ImülöS^in, 

219. a-taläit, anni^ agdwar, 1114 filläm? 



(ff) 

220. irlt^dmk^, a-sidi Jt^ämmu, is inndwlgellin, 

221. bynnS^s iiger, iggän wintä^rf nssak, 

222. mkSfr uk^ffn if rg, imil atiW u^aras. — 
228. Iger ^^^In, i^ 1114 der-jän, Ili wäraän, 

224. ki^ atnurlkir?, isW^r SSraS, atiffug. — 

225. b&ba, ühma^ lE^wä'd, Is^an Imilk^, Irin 

226. agislkS^n Itajuga, ortatSuk-l^ullis. — 

227. allftba kb§i:r, tazÜ tlla fumüslim, 

228. anit-iVS^n itajüga, arnit-ftkkdn Im&l. — 

229. all&hu kbS^r, a-bäba, is äkSukur-nnän ? 

230. ig&-juk^ amzüng, la^la-ka^ akillän. 

231. ig&en ass@n]my4 läawln, igäsen üm^ tlrmt. — 

232. allftbu kb8:r, a-bäba, urlitskirt ajis. 

233. su4a:n kuUü in ddn, t^öra^tn s64är. 

234. mrä ilt§8^mmärt Ibla^tfno; tüf ajis. — 



— 62 — 

285. ,Bei Gott, dem Allwissenden, mit meiner Pracht ^^), lieber 
Vater, 

236. ist*s wie mit dem Damme, den Jemand in den Mass baut: 

237. wenn der Flass gross wird, so reisst er den Damm um, und 
und nun ist eine neue Strasse eröffnet. 



(0 

238. Gott sei dir gnädig, Sidi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

239. Die Liebe von heutzutage, die will ich vergleichen 

240. mit dem Brode der Juden: wer das isst, 

241. — und wenn er sich daran voll isst, — muss doch sagen, 
es schmeckt eigentlich nicht recht. 

242. Die Liebe von heutzutage, die will ich vergleichen 

243. mit einem Spaziergange auf dem Dache: wer darauf herum- 
wandelt, 

244. kann sieben Schritte thun, dann fehlt ihm der Boden. 

245. Die Liebe von heutzutage ist wie ein Brot, das im Wasser liegt: 

246. sobald man es mit der Hand herausnimmt, zerföllt es in 
lauter Stücke. 

247. Die Liebe von heutzutage ist wie ein Baum, der keine 
Früchte bringt: 

248. bloss im Blätterschmucke steht er da, aber Früchte giebt's nicht. 



(K') 

249. Gott sei dir gnädig, Ssdi Hammu! — Er, der Arme, sagte: 

250. Für den Teufel ^^) zeitigt der Mandelbaum auf unerreichbarer 
Felsenspitze seine Früchte: 

251. will ich zu ihm hinaufsteigen, so falle ich; lasse ich es aber 
unversucht, so ist es eine Schande. 



(L') 

252. Ich warne dich vor dem Stolz: er vernichtet die Familien.*®) 

253. Ich warne dich vor dem Stolz: dem, der seine Pfade betritt, 

254. werden sein festes Schloss, — und baute ers mitten ins 
Wasser 

255. und versähe er's mit tausend Thürmen, — die Heerschaaren 
des Herrn doch zerstören. 



— 63 - 

235. all&hu Saläm, a-bäba, l^erlnu nkin 

236. iga zu4-jän, ismdäiD äk'äl iwäsif; 

237. akudnä ingi, isldzzat, ikkid u^ras. 



(T) 

238. irbanoy, a-sldi hammu, is innäwlgellin, 

239. Imubybt ngiläd astntuk^ffn-in ttiag 

240. zu4 a^m üwudäin, a^wÜli diHtän, 

241. adukängis-ifärd, ik^ nit, urimlm. 

242. Imubybt ngilad astntuk^&n-in ttla^ 

243. ZTitwtäw4da nüzur, E^wSlli tndikk&n, 

244. S8& läkdäm, irä adasnitmmi wakäl. 

245. Imu^^bt n^kkäd a^üm illän wäroän, 

246. atuk^ffn-täslt, ig ifrurdin ^flFiis. 

247. Imu^ybt n^kk&d ak^Urt oritäron, 

248. uriUi hm tiddi difräun, la^ arrau. 



(K') 

249. ir^amk^, a-sldi ^ammu, is innäwlgellin : 

250. tälldzt iizig^, arwSkSS ami-iArüt; 

251. ini kimgüli^, n4^rd; im kimfUa^ IS&r. 



(L') 

252. akÜssü^ mkibSr dai^ülü takätin. 

253. aküssug filkibSr, h4o ä^w&lli ^atilin, 

254. mkKr ibnä t&gttdirt ^mas nwäinän, 

255. igäs ölf nlbnii, Slt-rSbby ati^lun. 



— 64 — 

(M-) 

256. Wenn der Pulverfluss, in dem Feuer emporlodert, 

257. auch zwischen mich und meinen Freund strömte, so will ich 
doch nicht von dieser Freundschaft lassen. 

258. Und wenn ich aufgehängt werde, dass ich nicht hinanreiche 

259. an den Himmel und nicht hinunter nach der Erde reichen 
kann und mitten hinein ins Feuer tauchen muss, — 

260. und wenn ich auch mein Herzblut in die tiefe Erde hinein 
fliessen lassen muss 

261. oder das Blut meiner Leber auf das harte Gestein (ver- 
spritzen muss), so lasse ich dich doch nicht, — 

262. ich lasse dich nicht, dich, den von mir Friedenstörer trennten. 



(IT) 

263. Gott sei dir gnädig, Sidi Hämmu! — Er, der Arme, sagte: 

264. Grosser Gott, kommen denn nicht bis zu dir meine Thränen, 

265. die alle Hügel überschwemmen? 



(0') «0) 

266. Die Schönheit hat Gott verteilt. Sechse haben sie genommen, 

267. Die Rosse haben Etwas von ihr erhalten. Du, o Silber, 

268. hast noch ein wenig mehr bekommen. Ein klein wenig hat 
auch das Gold erhalten. 

269. Die Sonne, die von oben herabschaut, hat auch einen Teil 
genommen, 

270. und ebenso der Mond, der unten (über den Horizont) blickt. 

271. Das Übrige aber hat insgesamt der Prophet Muhammed er- 
halten. 



n. Gedicht über die Einnahme 

1. Eine Geschichte, deren Erzählung den Stein und den Felsblock 
zerbricht, 

2. die will ich, genau so, wie sie mir berichtet wurde, jetzt vor- 
tragen. 

8. Ich will Nichts hinzufügen und will Nichts weglassen, ihr 
Freunde! — 



— 65 - 

(M') 

256. assif nlbftro4 i^ astiünt, a-täkftt, 

257. ikl grii duns^äbiDO, adurtn-fÜa^. 

258. mkär-fmil antitgil, asärur-^lldmäg 

259. igennä^iüa äk^äl, addAma^ amas ntäkät, 

260. mkär-lm^l anfll idämmen nwiil am4s nwak^äl 

261. ula win-täsa ^iggi ukorkür, üla fla^k, 

262. üla fla^k, a-gw§lli-gän inuftSSn fUla^. 



(IT) 

263. ir^^mk^, a-s!di ]ti4mmu, is innäs^Ygellin, 

264. allÄhu kbSj*, is kinSukur-^lkimen 

265. imtannlnu singin kiillu tälätin. 



(0') 

266. zzln ibS^^t iläbi. sdis atnidwin. 

267. iwin ilsftn kri-gis. tawit, a- nkort, 

268. ug^r nkrd. iawi-gis wS^r^ j&n imik^. 

269. tafiikt i^^^tdgg^ä fwäfa tawi jän. 

270. ula Sljür i^-diügg& flö^ iawi j&n. 

277. wattäli nnSbi mut^ammgd atnkülla-iüwin. 



der Stadt Algier (1830). 

1. LVist ir^D a^rö, \Xr^ a^ödid, 

2. mkSlli igga wawal asrig adasent-nig^. 



3. urri^ adztida^ üla adnSHFT&j^, a-l^Sb&b! 

BtaBB«, OMÜebU d. Hchluh. 



— 66 — 

4. Das Wasser ßi) ist die nötige Zuthat zur Mühle*, damit sie 
mahle ; 

5. das Geld ist dem Menschen das unentbehrliche Gut: 

6. wer kein Geld hat, der kann den Zudringlichen nicht von 
seinen Grenzen fernhalten. *^2) 

7. Das Geld kann mir und Jedem sonst den Ruf der Eechtlich- 
keit verschaffen. 

8. Ach, eben nur das macht mich weinen und quält mich, 

9. dass ich kein Geld habe nach Mekka zu pilgern. 

10. Wenn ich pilgern könnte, — und wenn ich (auf der Wallfahrt) 
auch ins Grab hinabmuss, — 

11. so ist das dennoch ein süssduftender Tod, denn ich kann den 
Propheten schauen. — 

12. Bis ans Grab, ihr Gläubigen, kann ich bezeugen, 

13. dass mich, wenn ich schlafe, Melodieen aufwecken. 

14. Dann rufe ich: ,Heda, wer geht hier auf und ab?" 

15. Es lautet die Antwort: „Melodieen haben hereingeschaut und 
sind wieder fortgezogen.** — 

16. Zuerst will ich in meinem Liede vom Volke Gottes reden! 
Er selbst aber wird mich (bald) aus dieser Gegend wegführen, 

17. damit ich seine geschriebene Verordnung erfülle, die ab- 
zuändern man nicht versuchen soll. 

18. Busse will ich thun, denn die Bücher ^'^) haben gesagt: 

19. »Wehe deiner Mutter, o du, der nicht das göttliche Gesetz 
erfüllte ! 

20. Was wird dem Toten der Engel Gottes antworten, 

21. am Tage, wo er hinabsteigt und den Verstorbenen als Gast 
im Grabe aufsucht? 

22. Da nimmt er, Maukur ^'''), sein Eisen und rechnet mit dem 
Toten ab. 

23. Er spricht zu ihm: »„An wen hast du geglaubt, Knecht?*"* 

24. Weiss der Tote das Rechte, so antwortet er: „„An den Pro- 
pheten Muhammed."" 

25. Unterliess er's aber (den rechten Glauben anzunehmen), so 
hat er keine andre Autwort als: „„Ich bereue Alles Unrecht 
an dir."** 

26. Da schlägt Mankur, o Bruder, auf ihn ein und macht ihn zu 
Staub und Asche ganz und gar." — 

27. Süss sind die Besitztümer der Welt, aber ihnen folgt 



— 67 — 

4. amÄQ aiggän rriS uz6rg^, arisi^8k4. 

5. Imäl aiggän rriS nbnädSm. ä^wä^nna dr-där 

6. mlUi Im&l, urak-isbiddid l^ödud. 

7. Imäl aigitDS&tn, do^8^, nfSkwäb. 

8. a^u, ura^s&Ua nla ara^ziwiz 

9. amär 61li^ dar urilli Imäl sä^lklma^ W^^ii. 

10. i^-uk^S^n ^Snii^j^, mkär-nlt ngüz Ikblr, 

11. dilti Imüt, ^lli^ nzrÄ rasülla. 

12. tuggaDa,.a-imüslimen, ariggi nlkbii, 

13. sä-nnlt gdna^, imil isdujid imürigi. 

14. wanig^sSn, arbby, m4ida imüssen ^ddi? 

15. wanftn4gd, imarig^ adlugg^Sn, iwurridi. 

16. wanzür Slt-räbby fam^rg^, ird^da^zugi, 

17. wadn^S^rrSf arra nräbby, argisSn tazarmbi. 

18. warig antöb, a&kü nän Ikutübi: 

19. &}}, aw4ili nmäk^, ajä ariwä44yn IfSr^j 

20. wamä sasSn-itwail^db Imilku lillähi 

21. wa^edän a^gguz, iga anbegi slk81)ri? 

22. wajiUid mnkür azzäl satian-i^dsibi. 

28. wainniezd, arbby, mas-tümmSnem, a-ismigi? 

24. waüni fh^men, izm&zd, SnnSbi mu^äminSdi. 

25. watini tun, innies, kiin asntübi. 

26. wi^ütt, a-güma, ig-Suk ISai^M, igan arr§^m&4i. 

27. imtm widÄ nddünit, miS iwUatidi 

5* 



— 68 — 

28. Oleandergeschmack nach; denn die Seele muss von danhen 
ziehen, und man trägt dich nach dem Grabe; 

29. dann schläfst du und streckst die Füsse lang und wirst zu 
Asche. — 

30. Gott hilf (uns zur Eeue)! Doch nie wird der Habsüchtige 
bereuen, 

31. und besässe er auch eine Sklavin und hundert Schwarze 

32. und hundert weisse Eosse 

33. und hunderttausend Schafe in der Umgebung Marokkos ^^) 

34. und hunderttausend Haufen Weizen. 

35. Gott hilf uns (zur Eeue)! Doch nie wird der Habsüchtige 
bereuen ! 

36. Gott hilf mir! Ihr Mädchen mit dem wallenden Haar, ihr 
Gazellen, — 

37. von meiner Mutter und von meinem Vater habt ihr mich 
geradeso getrennt, 

38. wie die Ait Bujäljja ^^) auf ihren Schiessthürmen die Pallisaden- 
pfosten durch Zwischenräume von einander getrennt errichten;^'') 

39. von meiner Mutter und von meinem Vater habt ihr mich 
geradeso getrennt, 

40. wie die Tauben ihre Schaar auseinanderfliegen lassen, wenn 
sie den Falken erblicken, 

41. oder wie die Windhunde ihr Eudel auflösen, wenn sie das 
Wild sehen. — 

42. Zunächst sei Fatima und unser Herr Muhammed erwähnt! 
(Und femer *Ali!) 

43. Am Tage, wo die Christen mit ihm ihr verräterisches Spiel 
treiben wollten ^% — 

44. siehe, da bestieg unser Herr *All Ibn Abu T^lib 

45. einen Schimmel ^®), der ohne Aufhören seine Sprünge machte. 

46. Gegen siebenhunderttausend und achthundert Schaaren 

47. waren insgesammt gekommen von den Christen jenseits (des 
Meeres). '^^) 

48. Siehe, unser Herr 'All Ibn Abu T^Hb, 

49. wohin er kommt, lässt er Blut zurück, geradeso, 

50. als ob ein Wolkenbruch im März ^2) herabgehe, — wenn der 
Donner auf- und abwandelt. — 

51. Jm Namen " — Wenn ich so sage, möge meine Rede 

leicht dahin gehen, — 



— 69 — 

28. ulÜi. na^ irä rrüSh ai^g, awinki s^l^äbri, 

29. uk^Sn igun, i^ärred i4Sni, ardgin arrSmä^i- 

30. wall&, Saun! imma bu-SSähwa ursär-itubi, 

31. m^S^r iskir tawäja üla miä nismigi, 

32. m^r iskir mlä wazddäS igan läzergi, 
33.' mk8:r iskir mtSt ^If ntlU nl^ozi, 

34. m^lCr iskir miSt ^If ntdffa nlrdSni. 

35. wall&, Saun; imma bu-S&ihwa ursär-itubi! 

36. wall&, S4un. a-idl&ll nsblb, a-tiz'nk'^ädi, 

37. watb4i^mtii dimmi ala-bäba ^kädi 

38. wätt^n Sit-br^alya taSrafin ilabrul^i. 

39. watb^Smtii dimmi ula-bäba ^ädi 

40. wä^ttan itbiren tamunt, i^-zran ilbäzi, 

41. wl^tt^n usk^äin tamont, i^-zran s§ddi. — 

42. wälkyst nfatima nseijädna mu^ammSdi. 

43. w8^ss811i ^an irumin asersen-lSabSni, 

44. washäk^ seiidina Sali ben-u^älibi ^^) 

45. i8U<}£ fijän lözerg^ artuk^än-islSabi. 

46. waiküün s6bSa miSt ^If utmeojämiä nüzergi 

47. wadfiuk r441n ^der-nusära nugumS^i- 

48. washW söidna Salt ben-utälibi ^^) 

49. wainna-uk^än Ölkimen, ifl iddmmen, ^kädi 

50. itgga i^y4 nmars, i^ imüss igfgi. — 

51. abismi, i^^tuk^än nnig, irl)6jid wawali, 



— 70 — 

52. so, wie du, Weg durch den Wäd Drä, denen leicht wirst, die 
zur heiligen Stätte pilgern ! ^^) 

53. „Im Namen Gottes!" — Gott hat selbst gesagt, wer diese 
Worte beim Beginne eines Werkes ausspreche, 

54. dem ziehe er voran und zeige ihm die Dinge, die erspriesslich seien. 

55. „Ina Namen Gottes!" — So sage ich zu dir, mein Mund; fang 
mit diesen Worten an! 

56. Und dann zu den Heiligen, und dann zu dem Dinge, das mein 
Herz begehrt! 

57. „Im Namen Gottes!" — Dieser Ausspruch bestand schon, als 
die Welt noch nicht da war, 

58. und als kein Geschöpf geboren war ausser dir, mein Herr! 

59. Mit den Worten „im Namen Gottes", mit denen wir (Dichter) 
anfangen, habe ich nun angefangen. 

60. „Im Namen Gottes!" — Wenn in diesem Ausrufe der Gottes- 
gelehrte nicht ein Heil gesehen hätte, 

61. so hätte er ihn auch nicht an den Anfang des Koran gesetzt 
und damit begonnen. 

62. „Im Namen Gottes!" — Das hat auch der Falke gesagt, als 
er zum Himmel emporstieg 

63. und auf dich, o Welt, einen sehnsüchtig-feuchten Blick hinab- 
warf. — ''*) 

64. Die Geschichte einer Stadt (sei jetzt berichtet, wie sie geschah), 
damals als sich zum Kampfe zusammenscharten 

65. die Tapfersten der Türken, die sich die Herrschaft über jenes 
Land bewahrt hatten, 

66. sie, deren Euhm bis in den siebenten Himmel dringt."^) 

67. Als damals Gott das Schicksal , das sie beunruhigen sollte, 
bestimmt hatte, 

68. sandte der Christ (dem Pascha) eine Botschaft und liess sagen: 
„Da bin ich bei euch! 

69. Sage nicht, ich sei ein undankbarer Verräter und ich sei dir 
Dank für eine Wohlthat schuldig!" ^6) 

70. Nun nahm er all sein Kriegsgerät, nahm Pulver, Kugeln und 
Kanonen 

71. und überbrückte •^^) (mit seinen Schiffen) das ganze Meer, er, 
der Christ, der die Hölle sein Eigen nennt; 

72. denn nach dem Paradiese steht sein Wunsch nicht, — sein 
Teppich ist das HöUenfeuer. 



— 71 — 

52. ginkän tr^dt, ajagaras ndra, fimzijär^ni. 

58. abismillä, innä rbbj, jdn tigän dlfal, 

54. arasnizggiir, arasimmäl tilli Sädlnin. 

55. abismillä, asäknni^ a-iminn, bdü-sers; 

56. afädn ilmmä siguiTämen dTjän ir^a wül. 

57. abismilld, illa urti1.^ün-tlla ddünit, 

58. ula ilül jän IbSlk, a-mäüläDa, blä kii! 

59. abismillä, asaDli^4<}u uk^ä'n, haji bdigis. 

60. abismillä, mlä gis-urizri tt^lb Iber, 

61. urtigga pfofillii nlkorän ib?dü-sers. 

62. abismillä, inndt Ibäz, i^-dikkd igenwS^n, 

(58. iluh-gim, a-ddünit, sKjÄn izri zünd aman. — 

64. Ikyst njät limdlnä, elli^ kuUü n^.SmSan 

()5. ala§^g^.aS ntürk, il|>wä'lli harznin ilbärräu, 

()(>. arjaklui semians^n, iddu arwissÜ^Xgenwän. 

()7. elli^d ikSdder müläna llrnr atishUwüln, 

68. iserfgd-sers urümi, innAs : haji arderun ; 

(»9. adüHnit, nga amuf^dar, itforii ^milenkJ. 

70. asind lbär64 dlkorr, asind-a'iik '') ImdAfa^, 

71. ihallSst aük urumi Ibhor, aiga dulzu^im; 

72. urartedmäaiin 12''nnt, nnar aigäo ikedifens. 



— 72 — 

73. Er fuhr nicht in den Hafen ein/^) er fürchtete ja in dessen 
Wasser seine Flotte zu verlieren. 

74. Der türkische Pascha rückte gegen ihn aus und schlug seine 
Zelte auf; 

75. haben die Erzähler Recht, so besass er hunderttausend. 

76. Bei Sldi PärreS,*^^) wo sich das Land aus dem Wasser 
hebt,^o) 

77. da kam dem Christen der entgegen, der über die Dardanellen 
herrscht. 

78. Jetzt sprach der Engländer ^^) : »Rede nur gleich eine deut- 
liche Sprache, 

79. damit ich nicht den rechten Kampfesmut verliere ^^) und mir 
und meinen ungläubigen Landsleuten Schimpf und Schande 
bringe!** 

80. Aber Algier war treulos. Sein Pascha wollte nicht kämpfen, 

81. er warf die Schlüssel der Thore (den Peinden) zu und wollte 
sich in keinen Entscheidungskampf einlassen ; ^^) 

82. er öffnete das Schatzhaus und befriedigte die Leute, die zu 
ihm hielten, mit Geschenken, 

83. er selbst nahm zweitausend Zentner^*) (Gold) mit und Hess 
die armen (Bewohner der Stadt) in der Hand (der Christen). 

84. Vorher nahm er noch Pulver und baute eine Mine, die unter 
der Erde bis zur Festung lief, 

85. und sprengte ein Kastell in Trümmer,®^) das nicht einmal 
Schamharusch ^^) hätte erbauen können. — 

86. Und nun tönen die Geigen in den Moscheeen. 

87. Ich sah die Minarets weinen: ihr Muezzin ist tot. 

88. Es naht die Gebetsstunde, aber Niemand ist in den Moscheen, 
der beten will. 

89. Der Gelehrte schämt sich, dass er „kad samiSa" ^^) lesen kann. 

90. Selbst der Heüige macht sich nicht frei, von erbärmlichem, 
niedrigem Handeln. 

91. Die Glaubensstreiter aber, die Zouaoua,^^) sind alle um- 
gekommen in den Kämpfen. 

92. Ist wohl der Sultan *Otmän ^^) noch auf Erden? Ist er noch 
am Leben? 

93. Ist ihm nicht Kunde geworden, dass die Christen uns besiegt 
haben ? 

94. Wo bist du, Herr *AlI? Wo ist dein Schwert? 



— 73 — 

73. nrilkim ImarsÄ, iksü4 atsärkn gwämän. 

74. iffu^dis IbäSa nttürk, ibnu ti^üz&nin, 

75. ini ^ilz4nn, näna^ miSt ^If adids-UIän. 

76. der-sidi farreS, a^ikka Ibärr iggiiz ämän, 

77. itäärrSdas ä^Slli däük-ig&n höikz ^offds. 

78. igita ifikltz, innäs äSudii la^bärnk^, 

79. adartili tarzzi, nsirgem sä^wylli it^^lnin! 

80. imma dz&i'r ^^SSn, oriri IbäSa adSdrrun, 

81. illöb tisöra nlbibän, ursdl ik548: jät; 

82. Sr^mSD Im&l, isr4a kullü ma-ids-illän, 

83. y^^y elfein käntär. iTl ImsÄkin ^oflüs. 

84. asind Ib&röd, isk^eras Imtna ^äk^äl, 

85. ari^iila jällbS^ri uiTaübnün §ämbaru& — 
8G. imma sSud orribäb dlkamdnl^a ^liwämaS. 

87. aoni^ tisümS^fm arällan, ImüddSn immüt. 

88. twüi^eb t^Sllyt nliumuSä, 14^ ma^stid^Sllan. 

89. in&ker äuk li&lim, is i^rd .kSd sSmtSa^ 

90. m^Srd agurräm urikis i})fön8 itSdellit. 

91. imma Imuia^idin zzwawa fbftn-aük ^mi^en. 

92. ikün-za ssült&n ISatm&n, is isül ^6h? 

93. is artfiiikur-lkimen l\)bar nnsära b^&mSna^? 

94. am&nzäk^, a-sid Salt, manza sffftdSnnun? 



- 74 — 

95. Wo ist dein himmlischer Sir^?än?'®) Der Kampf ist nah! 

96. Prophet Muhammed ! Der, auf dem meine Hoffnung beruht, 
— das bist du! 



III. Oedicht 

1. Ich will hier^®) eine Geschichte erzählen (aus der Zeit), da 
ich ein Jäger war 

2. und meine Flinte führte und Blei und Pulver mitnahm. 

3. alm Namen Gottes , des Allbarmherzigen ! ** — So will ich 
beginnen. 

4. So ist's am besten! — Der Herr möge mir meine Schuld 
verzeihen ! 

5. „Im Namen Gottes!** Acker, ich werfe jetzt Saat auf dich. 

6. Wenn ich gute Frucht ernte, so werde ich noch andre Acker 
pflügen ; 

7. ernte ich schlechte, so bleibt meine Hoffnung bei Gott allein. — 

8. Grosser Gott, weil ich dir gehorsam bin, deswegen bin ich so!^^) 

9. „Im Namen Gottes, des Allbarmherzigen!" — So sei begonnen! 

10. Und wenn mein Mund sagt „fang an mit dem Namen des 
Propheten Muhammed," (so ist dies auch ein guter Anfang). 

11. Denn hiermit fängt der Kapitän des Segelschiffes sein Werk 
an, wenn sich die Luft zu regen beginnt 

12. auf der See, und wenn er die Segel ausspannt und abfährt. 

13. Dir, Fätima, bringt das Schiff einen neuen Schleier, ^'^) 

14. der Seidenfranzen da hat, wo sich der Saum umlegt.. — 

15. Mein Kopf, wenn du sie noch weisst, so gieb her 

16. die Geschichte, die du mit jenen Gazellen erlebtest! 

17. Als ich die Tiere fand, da waren sie in ein Eudel zusammen- 
geschart; 

18. an der Quelle wollten sie trinken, denn Durst quälte sie. 

19. Ich war ein Jäger; meine neue Flinte hatte ich mitgenommen; 

20. an meiner Rechten trug ich das Waidmesser; ^2) das Gewehr- 
futteral (mit der Flinte darin), hatte ich über die Schulter gehängt. 

21. So kam ich auf meinem Gange dahin, wo ihr wäret, o Gazellen. 

22. Als ich sie fand, da sandte ich einen Treiber aus, 

23. Der trieb ihr Eudel mir näher. 

24. Eine weisse befand sich unter ihnen von unbezahlbarem Werte. 



— 75 — 

95. maoza sar^&n Imnzül? Igzti kä'rr^ben nit! 

96. a-nnSbi muhammed, agoilla ai^anu, dkiin! 



eines Jägers. 

1. Ada^fässSra^ l^yst, elli^ nga assijS^d, 

2. asi^d aburi durrsä's, asi^ Ibäröd. 

3. abismilla urra^man addrzSmag Ibäb. 

4. ifülkin ada^i^r muläna ddunüb! 

5. abismilla, a-iger, agik^-nlöh amiid. 

6. ini mgerSg llj^r, ardagnkir/ iwyjSd; 

7. ini tnurmgeräg, ar^.anu jSfder Iwahid. — 

8. m|<6rn a-sidi, t^tnk^ af-ngi gikäd! 

9. abismilla urrahman ^al& bäb alla! 

10. ini tnnä iroinu, bdü sn(^bi roul^ammed. 

11. aristaddät, a-rrais wanau, if^ isüd 

12. flbbor, illül^ l^wal^aS, arizigiz. 

13. adämdawin, a-fatma, 8abr6k li^dtd, 

14. igän bu-lfSrüzan agatu^üt, a-unnüd. 

15. a-il)ßnu, tini tgit Ifähim, ardd 

16. Ikyst nma däki^ran awä'd iiznk^ä4. 

17. ellil3wtntüfit, gänd uk^S^n awasäreg^, 

18. ran der-l3ein adsiin, idS^rrätn fäd. 

19. nkin gig rr&mi, skirSg abüri lii^dtd, 

20. nlul^ tazzit tififust, ak^än nlul} Ip^md. 

21. arostära mane l)tllam, a-iznk^äd. 

22. ellil)^tnnufa, näzn ilmma atiäüwaz, 

23. i^üztn ilmma, elli^ dgdn asäreg^. 

24. illil gisen jaumllil, uraük-il^atig^. 



— 76 — 

25. An der Quelle wollten sie trinken, Durst quälte sie. 

26. Die erste wollte davoneilen — ich wusste das; 

27. die letzte aber verhielt sich ruhiger, — ich sah das ihr an. 

28. Nun nahm ich die Flinte mit graviertem Laufe von der Schulter 
und zog ihr das Futteral ab, 

29. richtete mein Auge aufs Ziel und meinen Sinn aufs Gewehrschloss, 

30. spannte den Hahn und machte mich fertig abzudrücken; 

31. ich zielte der Gazelle nach dem Halse, — ach, wie der eines 
Falken war er! 

32. Da redete sie mich an und sprach zu mir: 

33. „Dem Heiligen *All Ben NSsr^*) verzeihe ich nie, — ihm, 

34. der die Jäger das Schiessen gelehrt hat, damit sie uns 
Gazellen töten! 

35. Wem habe ich sein Kind getötet? Als wessen Mörder weigere 
ich mich, das Land zu verlassen? 

36. Ich habe keine Häuser zerstört, und keine Mauern, wie der 
Dieb, durchbrochen. 

37. (Meine ganze Schuld ist) nur, dass ich im Freien wohne und 
den blumigen Wiesen nachgehe.* — 

38. Da überfiel mich schwere Krankheit, — die brachte ich mit 
heim, — 

39. und dann ging ich fort und kam zu einem Gelehrten 

40. und erzählte ihm meine Geschichte. Er verwunderte sich 

41. und sprach: „Flehe zu Gott und zum Propheten Mubammed, 

42. dass er dir deinen Verstand zurückgeben möge! Denn den 
haben dir die Gazellen geraubt !** 



— 77 - 

25. aran der-läein adsun, i^S^rr&tn fäd. 

26. Ifeida, awSUi dizwürn, snä^, is-iz^rb; 

27. If^ida awSUi nigurän, sna^, is-ibbid. 

28. nrdrd abüri bu-rreSum, nksäs l^dmd, 

29. Dgin-tytt ^luSärt, IS&käl der-zznäd, 

30. nrärd amadir, na]]itil»8) adldi^ MSi, 

31. n4üfd amgärd^nSy Sa44y zu4 Ibäz! 

32. irärd Iwli^äbns aznk!i4, sa^nnän, 

33. urnsäml^ isldi Sali ben-aSf^r, wSllid, 

34. jftkkän tarramit irrmä, adnäVV^i^ iznk^S^^- 

35. mamü ngi^ arrauns, ug^yg adasnzüg? 

36. um\)üli tigiima ulwamkät nV^b. 

37. urnzdi^ amär gla^la, n^^S^ fuidig^. 

38. asi^-gis ätt^n is^^men, awi^nkid, 

39. nzeid nzug&z, nkMmen zder-lf)^, 

40. nSSüdasSn llj:ystinu. aritSaiiäb, 

41. inna: tödÜläb ärbby dseidna mu^ammed 

42. adäkdirär IS&Icäl, iwin&kd iznk^^ä^! 



Erläuterungen. 

1) S. S. 10 Z. 6 ff. 

2) Vers 173 lautet ebenso. — Wörtl. übrigens: „in der 
Welt bin ich gewesen, oben und überall unten". leb glaube kaum, 
dass man äük als „auch* fassen darf, obwohl das hier und an 
andern Stellen (z. B. II, 70 u. auch 71) einen Sinn ergäbe und 
die Konstruktion natürlicher machte. 

3) Wörtl. „weswegen er hinaufsteigen sollte". 

4) Wörti. „Sklaven«. 

5) Wörtl. „suchen«. 

6) Über den Ausdruck „Oleander zu kosten geben« (und 
ähnliche Ausdrücke) für „Kummer verursachen« s. meine Tripoli- 
tanisch-tunis. Beduinenlieder, Leipzig, Hinrichs 1894, S. 96 Anm. a. 
— Vgl. hier auch I, 29 u. H, 28. 

7) Für iggan b. 

8) Wörtl. „so ist eben der Wunsch " 

9) Original - Glosse : „ein Baum , der dem Oleander ähnlich 
sieht und dessen Blüten bitter schmecken wie die jenes«. — Nach 
Ben6 Basset, Eelation de Sidi Brabim de Massat (Paris, Leroux, 
1882) S. 29 Anm. 4 ist die tikiut aber ein Strauch, dessen Blüten 
einen süssschmeckenden Saft enthalten, d. h. der arab. „dagmouz« 
genannte Strauch (une sorte de cactus). 

10) OG: „wie die Antilope zum Felsen gehört, so gehöre ich 
zu dir«. 

11) Wörtl. „Schönheit und Schönheit«; schilha afulki = ar. 
^j^. Vgl. S. 31 Z. 5 ff. 

12) S. S. 19 Z. 8 u. Anm. aq dazu. 

13) Diese Art ümschlagetücher, Sabrök genannt, und die Art 
und Weise sie zu tragen ist gut beschrieben durch Dr. Hubert 
Jansen in Münchener AUg. Zeitung, Beilagenummer 282, S. 6 a, 
Nr. 8 a. 



— 79 - 

14) 06: «weil er das kostbare Tuch zu teuer ausgeboten 
hatte, hatte es Niemand kaufen wollen*. 

15) Eine Erklärung des Ausdruckes bu-tgämmut habe ich 
nicht erhalten können. — Vgl. zu diesem Verse noch Anm. 36. 

16) TamS^t ist der alte Name der jetzt Mftst genannten, 
an der Mündung des Asif ul^as (der südl. vom W&d Süs ins Meer 
fliesst) gelegenen Stadt. Vgl. in dem in Anm. 9 zitierten Werke 
(Massat ist also die Schreibweise Basset's für dieselbe Stadt) S. 5 

Anm. 4 u. folg. Seite bes. Z. 5 u. 6 d. Anm. («Marmol dit 

que cette ville, jadis cel^bre sous le nom de Temest, fut d^truite 
par les Arabes etc.*). 

Tinzärt liegt etwa 140 Kilom. Luftlinie östl. vom Hafen- 
platze Agadir (über letzteren s. Anm. 45). 

Tiüt ist ein kleines Territorium, den in V. 42 genannten 
Imentogen gerade gegenüber auf dem südl. Ufer des Wäd Süs. 
Vgl. Max Quedenfeldt, Einteilung und Verbreitung der Berber- 
bevölkerung in Marokko, Zeitschr. f. Ethnographie, Jcdirg. 1889, 
S. 106. 

17) Wörtl. ,auf welchen Orten das Süs gebaut ist.* 

18) Die Imentagen (s. Quedenfeldt, 1. c, S. 104) wohnen 
am Nordabhange des grossen Atlas ; durch ihr Gebiet fliesst der 
von Norden in den W&d Süs einmündende W&d War. 

19) Für mu urt. 

20) Der Wasserverkäufer ist eben bloss Wasser verkauf er, 
über nicht Wasserinspektor (s. Dozj, Supplement I, 38 b), des- 
halb ist die letztere Anrede eigentlich eine Verspottung seiner 
Person. Er lässt diese aber doch ruhig über sich ergehen, weil 
der ihn Anrufende ihm eine Kleinigkeit zu verdienen geben will. 

21) Nach d. Erkl. soll in diesen Poesieen der «Mantel* ganz 
speziell den Bruder und ncdien Verwandten (weniger den Freund) 
bezeichnen. 

22) Wörtl. »und deine Kniee seien Wasser*. — Vgl. ahnlich 
in den demnächst erscheinenden .Märchen der Schlub von Tazer- 
walt* (vgl. S. 30, Anm. h hier) : isfsi liiifitglli if&dgn ntfrübtJ^lli S. 5 
Z. 13, wörtl. «es schmolz das Feuer die Kniee des Mädchens*, 
d. h. die Wärme erschlaffte es. 

23) Wörtl. «das ihn (sc. iljfens seinen Kopf, d. i. sich selbst) 
den Ebenen giebt*. Vgl. Socin, Zum Aral). Dialekt von Marokko, 
Leipzig, Hirzel 1893, 8. 33 Anm. 53, und Socin u. Stumme, 



- 80 — 

D. arab. Dialekt der Houw&ra des Wäd Süs in Marokko, ib. 1894, 

im Glossar s. -Ltl. — Ebenso ist ifk&kt iwawdl in V. 66 eigent- 
lieh: ifkäk ihfenkJ iwawal. 

24) OG: »Honig in breiter Masse in der Schüssel ist besser 
zu gemessen als ein dünner Strahl davon, der vom Himmel tropft*. 

25) OG : »wenn Einer beim Pferderennen zu Kamel erscheint, 
wird er natürlich ausgelacht*. 

' 26) D. h. durch Schläge in den Nacken. 

27) Wörtl. „dein Sehen". 

28) S. den Inhalt und Zweck dieses Ged. betr. S. 85 Anm. af. 

29) Über Sidi Sa*ld habe ich bloss das erfahren können, dass 
er im Gebiete der Issäfen begraben liegen soll. Die letzteren 
Schluß wohnen südl. vom kleinen Atlas (s. M. Quedenfeldt in 
Ztschr. f. Ethnologie 1889, S. 157 f.). Ihr Centrum liegt etwa 
120 Kilom. Luftlinie s.o. von Agadir. 

30) Nämlich darüber, welcher von ihnen Beiden zum besten 
Ende führe. 

31) V. 118 u. 119 wiederholen sich in V. 159 u. 160. 

82) Dies Gedicht wurde mir früher von einem andern Schilf 
folgendermassen rezitiert : 

nki-ki^ kullu ddünit, aurilli abla tünis, 
äiwa-tünis, a-161la, ja-l^lla, wahljä tünis! 
äiwa-tiinis lfeH.drd, kag-zrig ihuwawin 
ula tihuwawijin u. s. w. (d. i. V. 188 hier, dem dann 
V. 187 bis 148 mit Wiederholung von V. 188 folgten). 
Übersetzung : 
„Ich bin in der ganzen Welt gewesen, aber nichts (Schönes) giebt 
es ausser Tunis. 

Ja, Tunis, du Herrin, — liebe Freundin, höre ! — du bist Tunis ! 

Ja, Tunis, du grüne (vgl. Maltzan, Beise in den Regentschaften 

Tunis und Tripolis, 1870, S. 1), in dir sah ich nur lustige Gesellen 

und fröhliche Mädchen* u. s. w. (s. V. 4 der Verse dieser Anm.) 

38) Hinsichtl. des Inhaltes dieses Ged. s. S. 12, vorletzter Absatz. 

84) Wörtl. „oder jenes (Zeug) weisser Duros* (über duro = 
5 Francs s. Socin u. Stumme, Dial. d. Höüwftra, S. 35 Note cc). 

85) Für dtämmänt. 

36) Vgl. V. 88. Aussagende in fragende Redeweise umzusetzen 
ist eine Eigentündichkeit unseres Dichters. Vers 38 wäre etwa 



— 81 -- 

za explizieren als: «du kennst den Hyazinth und jene flachen Ohr- 
ringe und weisst, was für treffliche Dinge das sind. So trefflich 
war das eine jener Mädchen*'. 

37) Wörtl. .Leibweh«. 

38) WörtL ,ais ich nach m. Fr. rief" mit OG: .vor seiner 
Hausthur*. 

39) V. 159 u. 160 = 118 u. 119. 

40) Wenn der Schilf (und auch bei andern Orientalen trifft 
das Folg. zu) Jemandem einen Gegenstand zeigen will, so nimmt 
er den Betreffenden bei der Hand und bringt diese in die Richtung, 
in der, nach seiner Schätzung, vom Auge des Andern aus, der 
betr. Gegenstand liegen muss. Wir haben ja meist eine andre 
Art des Zeigens, d. h. wir zeigen mit unsrer Hand die Richtung 
an, in der, von unserm eignen Auge aus, der betr. Gegenstand liegt. 

41) Ebenso lautet Y. 2. 

42) Wörtl. .ich rate dir, wenn an dir (Etwas) ist, was man 
ermahnen kann*. 

43) OG: .die Blinden machen wegen jeder Kleinigkeit das 
meiste Geschrei ; das würde dich von daheim wegtreiben, wenn du 
einmal seine Tochter wegen einer Ungezogenheit prügeltest. 

44) Wörti. .ihn*. 

45) Vgl. b. Rene Basset, Relation de Sidi Brahim de Massat, 
S. 26: .Ohap. IX: Des Fusils et des Sabres. — Ils sont tous 
apport^s dans la ville d'Agadir dans le gouvernement de Sidi- 
Moh*ammed-ben-Abd-Allah. On y introduit des fasils, des poignards, 
des sabres etc. — Zu bemerken ist, dass heutzutage jenes (etwa 
6 Kilom. nördl. von der Mündung des W&d Süs gelegene) Agadir 
in keiner Welse mehr dieselbe Rolle spielt wie früher, d. h. etwa 
noch am Anfange dieses Jahrhunderts (zu welcher Zeit, in Über- 
einstimmung mit einer Notiz auf S. 11 Anm. 3 jenes Werkes, die 
Relation de Sidi Brahim verfasst sein dürfte). Vgl. auch A. v. Con- 
ring, Marroco, das Land u. d. Leute, Berlin 1884, S. 178. — Vgl. 
übrigens Anm. ae (Seite 35). 

46) Mogador ist noch heute eine relativ bedeutende Hafen- 
stadt. Vgl. Gonring, 1. c, S. 171: .M. macht einen unbedingt 
günstigen Eindruck, und seine reinlich gehaltenen, meistens ziem- 
lich breiten Strassen, seine hohen und einige Architektur ver- 
ratenden H&user, die wohlerhaltenen Mauern, Türme und Bastionen, 
sowie seine zweckmässig eingerichteten Lade* und Löschvorrich- 

Stumm«, Uediohte der Bohlah. t> 



- 82 - 

tungen iam Hafen, machen den Ort zu einem Juwel unter den 
maurischen Städten*^ etc. 

47) Die Haha-Slut wohnen, wie ich in meinem Artikel Elf 
Stücke im §üha-Dialekt von Tdzgrwalt (ZDMG 48, s. spez. S. 393 
suh 4-3) schon anführte, an der Küste zwischen Magador und Agadir. 

48) Wörtl. „neuen". 

49) Auch jetzt noch ist die Fabrikation von wollenen Schnüren, 
Decken u. s. w. in der Hauptstadt Marokko ziemlich im Schwünge 
(vgl. Conring S. 143); Säbel (auch Flinten), Dolche etc. werden 
in Marokko selten an Lederriemen, meistens aber an roten Woll- 
schnuren getragen (vgl. Quedenfeldt in Zeitschr. f. Ethnogr., 1888, 
S. 186, Z. 4 ff.) 

50) Die Ida-u-Tännän („sehr unbotmässiger Stamm, der im 
Jahre 1886 gegen den Sultan revoltierte**, Quedenfeldt, Zeitschr. f. 
Ethnologie 1889, S. 101) wohnen im grossen Atlas; ihr Hauptplatz 
liegt etwa 6Ö Kilom. Luftlinie n. ö. von Agadir. 

51) Var. : ilgüma „Gebisse der Pferde" (die dort fabriziert 
werden sollen), vom sing, algamu. 

52) Weil der Schluss des Gedichtes mir ganz ausdrücklich als 
auf ein Mädchen Bezug habend erklärt wurde, ist auch hier schon 
ahbib mit „Freundin" übersetzt worden. 

53) N. d. Erkl. bedeutet dieser u. d. folg. Vers einfach : ,jetzt 
will ich an meine Arbeit, denn ich habe nicht Lust, meinen Beruf 
durch unnötige Gedanken an meine treulose Geliebte zu versäumen." 
Die Ochsen, das Feld und das Pflügen sollen aber keine spezielle 
Gleichnisbedeutung haben. 

54) OG : „du Mädchen, der dir andre Männer Keuschheit und 
Schönheit raubten." 

55) Die Worte „für die die Olive etc." haben n. d. Erkl. 
keine aus Gleichnisrede zu erklärende Bedeutung, sie sollen bloss 
zur Ausschmückung dienen (kaizeijin bihum Ikläm); OG: „die 
Oliven stehen zwischen der Hecke des Gartens und dem den 
Garten durchfliessenden Wassergraben. Die Weinstöcke stehen 
weiter innen im Garten. Wenn der Wind von aussen weht, wirft 
er die Früchte der Oliven über den Wassergraben den Wein- 
stöcken zu." 

56) Zu den in sich abgeschlossenen, ziemlich geheinmisvoll ge- 
haltenen, Gedankengruppen dieses Gedichtes fügen wir folgende 
Erklärungen hinzu: 



— 83 — 

y. 221 u. 222 sind die Worte eines Mannes, der erfuhr, dass 
seine Braut allzuhäufig mit Stelldicheins bedacht werde. — Vgl. 
übr. „Frauen als Äcker* betr. Eor&n 2, 222 ; man denkt auch an 
die Worte eines bekannten deutschen Soldatenliedes («Was nützet 
mir ein schöner Garten, wenn Andre drin spazieren gehen* etc.) 

y. 223 u. 224 spricht eine junge Frau, der ihr Gemahl nicht 
das erweist, was sie von ihm begehrt. 

y. 225 u. 226 spricht eine Braut, von der ihr yerlobter 
mehr als schicklich verlangt, zu ihrem yater. 

y. 227 u. 228 sind die Antwort des seinem zukünftigen 
Schwiegersohne gegenüber ziemlich nachsichtigen yaters des Mädchens. 

y. 229—231. Die Worte eines Mädchens, das über ihren 
Fehltritt Reue empfindet und nun, in der Ang^t, der Räuber ihrer 
Ehre möchte ihr gegenüber seine Pflicht nicht erfüllen, ihren yater 
zu verstehen giebt, er möge jenen doch dazu zwingen; denn ihr 
Bruder könne es nicht thun, er sei wegen einer Blutschuld verbannt 

y. 232 — 234. Ein Mädchen wünscht sich von ihrem yater 
einen Gemahl (das Pferd), oder wenn sie keinen erhalten kann, 
wenigstens emen Liebhaber (die Schuhsohle). 

57) OG: „Mädchenehre.* 

58) als fa9on ezclamative. 

59) Wörtl. „Herdfeuer.* — Ebenso sagt man auch im Arab. 
des Westens känün pl. kwänen f. „Familie.* 

60) An die yerteilung der Schönheit durch Gott an Adam, 
Joseph etc. zu je einem Siebentel und zum Siebentel vom Siebentel 
rouss man hier denken. 

61) Bez. des .Gedankenzusammenhanges der Einleitung dieses 
Gedichtes verweisen wir auf S. 15 Z. 5 ff. 

62) Wörtl. „der kann keine Grenzen feststehen machen.* 

63) Ein Zitat — etwa die wörtl. Übersetzung einer Korftn- 
stelle — sind die folg. yerse (bis 26) wohl nicht 

64) Sonst, nach der gewöhnlichen muslimischen Tradition, 
sind es zwei Engel, Munkir und Ankir, die den Toten nach seiner 
Religion fragen und ihn auf verschiedene Art und Weise quälen. 
ygL Weil, Bibl. Legenden der Muselmänner, 1845, S. 242 u. Anm.; 
Lane, Arabian Society in the Middle Ages, London 1883, S. 26. 

65) Wie f^Ss xar' k^o^V'^ die Umgebung der Stadt Algier 

bezeichnet, so meint man mit el^öz die Umgebung der marokkanischen 

Hauptstadt (gütige Mitteilung von Herrn Ren^ Basset). 

6* 



- 84 - 

66) Die Alt Bujal^ja sind identisch mit den iMd A1;ga oder 
üläd Jahja, die bis an das Ufer des Wftd Süs südl. von Tdrudant 
wohnen. — Nach Quedönfeldt (Zeitschr. f. Ethnologie 1889, S. 103) 
haben sie beide Ufergebiete des Wäd Süs inne. 

67) Quedenfeldt versprach in Zeitschr. f. Ethnologie 1888, 
8. 201, eine Beschreibung dieser (anch igudär, s. agadir) genannten 
thurmähnlichen Bauten, die dazu dienen, den Stammesgenossen in 
Kampfes- und Fehdezeiten einen geschützten Ort zu bieten. Ich 
glaube aber kaum, dass der Frühjahr 1892 verstorbene Beisende 
noch Etwas über diesen Gegenstand veröffentlicht hat. 

68) S. S. 16 Z. 4 ff. u. Anm. an. 

69) Das wäre arab. Sali ihn ihn t^b. 

70) OG: „sarhan hiess das Streitross des 'AU; es war ein 
Schimmel." — Dass das Pferd *Ali*s so geheissen habe, ist unsres 
Wissens nach nicht überliefert. Übrigens würde der Name auch nur 
auf ein fachsfarbenes Tier schliessen lassen (sir^än). S. übr. Lisän 
eParab III, Tlt u. Tag el*arus 11, 162. — Ich erinnere mich, ein- 
mal von einem Tuniser den Namen sarSän (...Lfi^M) für das Boss 
des ^Alt gehört zu haben. 

71) „Du Christ von der andern Seite' (a-rümi nugamä'^^ß oä. 
bloss a-rümi nugumSd) ist eine sehr gewöhnliche Schimpfrede bei 
den Schluh. 

72) Die Namen der Monate im Schilha seien bei dieser Ge- 
legenheit angeführt; sie sind: innäir, bräir, märs, ibrir, m^ju, 
jdniu, jüliu, giiSt, Sütämbär, ktübr, nöwambär, dü^ambär. 

73) D. h. nach dem berühmten Wallfahrtsorte Tamgrut am 
Wäd Drä. (genau Östl. von Agadir in d. direkten Entfernung von 
380 Kilom.). Daselbst befindet sich das Grabmal des Sidi Hammed 
ben Nä'sr (der der Bruder des S. 3 [Mitte] genannten Sldi Sali ben 
Nä'sr ist; vgl. Basset, Belation de Sidi Brahim de Massat, S. 15 
Anm. 3 u. 4, auch Quedenfeldt, Z. f. E. 1888, S. 127 u. Anm. 1. 

74) Wörtl. „einen Blick wie Wasser" ; vgl. die vygol ctp&akfAoi 
der Griechen. 

75) Wörtl. „ihr Ruhm steigt empor, er kommt bis in den 
siebenten Himmel". 

76) Der Dichter erkennt an, dass eine Überrumpelung einer 
unvorbereiteten Stadt nicht stattfand, sondern dass der Krieg 
offiziell angesagt wurde. 

77) Vgl. Anm. 2; ich kann auch hier nicht glauben, dass Sük 



— 85 — 

.anch*' bedeute, sondern meine, es ist in diesem Verse wie in I, 
Y. 2 zu konstruieren. In Y. 71 dieses Gedichtes ist 5uk Ib^dr 
vielleicht doch ,,alle Meere** und nicht (durch plur. majest. aus- 
gedrückt) ,,das ganze Meer"; es ist möglich, dass der Dichter denkt, 
zwischen Frankreich und Algier lägen verschiedene Meere. 

78) Wörtl. ,er versah mit einem Packsattel*. \ ^^alles ist 
denominativ von ahläs (vgl. Socin u. Stumme, Dialekt d. Höuwära, 
S. 76 Anm. gd) „Packsattel.* 

79) Die französische Flotte steuerte allerdings nicht auf die 
Stadt Algier los. Die Truppen wurden vielmehr am 14. Juni 1830 
auf der Halbinsel Sidi F4rre% (die französ. Schreibweise ist Sidi 
Ferruch) gelandet, die 25 Wegkilometer westl. von der Stadt Algier 
liegt. 'S. Gamille Bousset, La conquöte d* Alger, Paris 1880 
(Kapitel V). — Ygl. öbr. Y. 76. 

80) WörÜ. ,|W0 das Land aus dem Wasser hinabsteigt*; man 
sagt im Schil^ia ggiiz für ,|das Meer (das Schiff) verlassen.* 

81) Ygl. S. 14 Z. 10 ff. 

82) So n. d. Erkl. — Wörtlich: „damit nicht ein Entzwei- 
gehen stattfinde.* 

83) Dies bezieht sich augenscheinlich auf die Yorgftnge im 
Dorfe el-Bi&r, das einige £[ilom. westlich von Algier liegt. Dahin 
hatte Hussein Dey seinen Minister gesandt mit dem Auftrage die 
Kapitulation Algiers und seine (des Dey s) Abdankung zu unter- 
zeichnen. Ygl. P. de Tchihatchef, Spanien, Algerien u. Tunis, 
Leipzig 1882, S. 67. 

84) Mit 7 Mill. Francs soll sich der Dey nach der Kapitu- 
lation ins Privatleben (nach Neapel) zurückgezogen haben. Vgl. 
Schlosser's Weltgeschichte, 2 Ausg., Bd. 16 S. 253. 

85) Gemeint ist das Fort de TEmpereur (der «Kaiser* ist 
Karl Y., der deutsche Kaiser), das auch Bordj-MoulaY-Qassen heisst. 
Ygl. Alg^rie et Tunisie par Louis Piesse, Paris 1888, S. 32: 
.... le 4 juil. 1830, avant de se retirer, les Turcs en (d. h. von 
jenem Fort) firent sauter la tour ronde qni cont«nait la poudri^re, 
et le g^n^ral de Bourmont y re9ut ensuite la capitulation du dey 
d' Alger. — Ygl. auch Hanoteau, Po^sies pop. de la Kabylie, S. 10 
Anm. 2 u. 3 und Bousset, La Conqudte d'Alger S. 211 ff. 

86) Der Thurm des oamharuS befindet sich nach der Angabe 
meiner Gewährsmänner (die sämtlich die Wallfahrt gemacht haben) 
in der Yorstadt el-Ma*la von Mekka. — Ich habe diesen Thurm 



— 86 — 

oder dieses Fort weder bei Snöuck noch sonstwo erwähnt gefunden. 
— Bei Lane, The thousand and one Nights, Band II, 8. 89 heisst 
es ,then the *Efreet Dahnash the son of Shemhoorish the Flyer 
Said . . .^ etc. Dazu liest man in Note 29 (S. 223) ,My sheikh remarks 
that this name is commonly written ^Shemhoorish* ; but correctly 
„Shemharoosh.* Geistemamen haben häufig die Endung — üS, so 
z.. B. die zahlreichen Geistemamen bei T. P. Hughes, A Dictionary 
of Islam S. 72 b— 78 unter Artikel da^wah. Herr Prof. Dr. M. Hart- 
mann zu Berlin machte mich gütigst auf letzteren Punkt auf- 
merksam. 

87) Mit diesen Worten beginnt die 58. Sure. 

88) S. S. 13 Z. 11 ff. 

89) Es ist der dritte Chalife gemeint. 'Otman war freilich 
an und für sich ein schwacher Charakter, doch glückten unter 
seiner Begierung bekanntlich zahlreiche Lftndereroberungen ; so 
wurde Nordafrika bis über Tunis hinaus unterworfen. Hiernach 
ist die Erwähnung seines Namens nicht unpassend. Der Dichter 
fragt: wird Niemand kommen, der diesen Gegenden, wie vordem 
der Ghalife 'Otman, ein rechtgläubiges Regiment bringt? 

90) Wörtl. »uns"; d. h. den Zuhörern hier. Oder sollte in 
ada^ssSra^ das Adverb dag „wiederum" zu finden sein? 

91) Vgl. S. 5, Mitte. 

92) Wörtl. „ich warf mir das rechte Waidmesser um.* 

93) Vgl. Socin u. Stumme, Dial. d. Höüwara S. 30 Anm. be. 

94) Vgl. S. 3, Mitte, S. 17, 10 u. ö. 



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